Todesfalle Wasserwalze: Uni-Professor warnt

Wasserwalzen gehören zu den größten Gefahren in Flüssen. Markus Aufleger, Leiter des Arbeitsbereichs Wasserbau an der Universität Innsbruck, erklärt, warum sie so gefährlich sind.
Was haben Sie sich gedacht, als Sie von diesem tragischen Unfall erfahren haben?
Markus Aufleger: Ich war wirklich schockiert. Mein spontaner Gedanke war, dass man auf diese Gefahr immer wieder aufmerksam machen muss. Derartige Unfälle passieren immer wieder, die Gefahr wird einfach unterschätzt. Auch ein Querbauwerk, das nicht besonders hoch ist, kann gefährlich sein.
Was genau ist ein Querbauwerk?
Aufleger: Ein Querbauwerk ist ein Bauwerk, das einen Fluss quert und einen Höhenunterschied zwischen Oberwasser und Unterwasser aufweist. Erfolgt dieser Übergang nicht über eine längere Strecke, sondern sehr abrupt, gibt es dort eine extrem ungünstige Strömungssituation.
Was passiert, wenn jemand in eine solche Strömung gerät?
Aufleger: Die Strömung an der Oberfläche richtet sich gegen die eigentliche Strömungsrichtung des Flusses. Wenn man dort hineinkommt, wird man zum Bauwerk hingezogen und dort immer nach unten gedrückt. Intuitiv versucht man dann, an der Oberfläche herauszuschwimmen. Das schafft man aber nicht. Zudem ist der Auftrieb im Weißwasser durch die darin vermischte Luft stark verringert.

Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, sich selbst zu retten?
Aufleger: Tatsächlich ist die einzige Möglichkeit, nach unten zu tauchen, dann wird man im besten Fall von der Walze ausgespuckt. In den meisten Fällen versucht man aber, dagegen anzukämpfen. Irgendwann ist man völlig entkräftet und gerät in eine Extremsituation.
Ist die Höhe eines Absturzes entscheidend?
Aufleger: Nein. Das kann tatsächlich schon bei kleinen Höhen richtig gefährlich sein. Bei größeren Höhen wird alles noch stärker. Unterhalb solcher Bauwerke befindet sich häufig ein sogenanntes Tosbecken. Diese Walze ist aus hydraulisch ingenieurmäßiger Sicht durchaus gewollt. Sie dient dazu, die Energie an dieser Stelle umzuwandeln. Wenn aber jemand hineingerät, kann das lebensgefährlich sein.
Kann man von außen erkennen, wie gefährlich eine solche Stelle ist?Aufleger: Wenn man so eine Stelle sieht, muss man immer davon ausgehen, dass sie gefährlich ist. Da hat man nichts verloren. Weder von oben noch von unten sollte man dort ins Wasser gehen.
Wie sollte man reagieren, wenn jemand in eine Wasserwalze gerät?
Aufleger: Nicht selbst hineinspringen. Man kann versuchen, der Person ein Seil oder ein anderes Rettungsmittel zuzuwerfen. Wer hilft, muss dabei selbst gesichert sein.

Warum gibt es solche Bauwerke überhaupt?
Aufleger: Unsere Flüsse wurden in den vergangenen 100 oder 200 Jahren eingeengt. Dadurch graben sie sich immer weiter ein. Um das zu verhindern, werden seit vielen Jahrzehnten Querbauwerke eingebaut. Sie stabilisieren die Flusssohle. An dieser Stelle muss die Energie des Wassers umgewandelt werden. Dafür braucht es eine möglichst große Turbulenz. Deshalb entstehen dort Walzen. Heute werden solche Abstürze häufig als Rampen ausgebildet oder bestehende Abstürze zu Rampen umgebaut. Ein Grund dafür ist die Fischökologie. Der andere ist tatsächlich die Sicherheit. Mit dem Umbau zu einer Rampe kann man solche Abstürze sicherer machen.