_Homepage

Warum Blum künftig stärker in den USA und China investiert

08.07.2026 • 17:17 Uhr
Warum Blum künftig stärker in den USA und China investiert
Der Stammsitz von Blum in Höchst bleibt das Kompetenzzentrum des Familienunternehmens. Künftiges Wachstum soll jedoch verstärkt auch in internationalen Märkten entstehen. Blum

Der Vorarlberger Weltmarktführer wächst weiter. Im Hintergrundgespräch erklären Philipp und Martin Blum, warum sie Europas Wettbewerbsfähigkeit mit Sorge sehen.

Eigentlich, sagt Martin Blum, wäre die Sache für ein international tätiges Unternehmen einfach. Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen an einem Standort, investiert man dort, wo bessere Bedingungen herrschen. Genau das tun Unternehmen weltweit.

„Als Unternehmen könntest du sagen: Dann verlagerst du halt“, sagt der Geschäftsführer. Doch so einfach sei die Realität nicht. „Wir leben hier, wir sind hier verwurzelt.“ Er und sein Cousin Philipp Blum seien nicht nur Unternehmer, sondern auch Familienväter. Deshalb beschäftige sie die Entwicklung Europas nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht, sondern auch persönlich.

Keine Euphorie

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Hintergrundgespräch, zu dem Blum anlässlich des Jahresabschlusses eingeladen hat. Die Bilanz fällt solide aus. Der Beschlägehersteller steigerte seinen Umsatz im Wirtschaftsjahr 2025/2026 um 2,4 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten, geopolitischen Spannungen und einer weiterhin schwachen Möbelkonjunktur in wichtigen Märkten ist das ein respektables Ergebnis.

Warum Blum künftig stärker in den USA und China investiert

Von Euphorie wollen die beiden Geschäftsführer dennoch nichts wissen: „Mit den 2,4 Prozent sind wir zufrieden“, sagt Philipp Blum. „Aber das ist kein Grund zur Euphorie.“ Der Umsatz allein sage wenig aus. Gleichzeitig seien die Kosten seit der Corona-Zeit deutlich gestiegen. Entscheidend sei deshalb nicht nur, wie viel verkauft werde, sondern was am Ende tatsächlich übrig bleibe.

Herausforderung China

Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich. Während sich Europa insgesamt stabil zeigte und auch der wichtigste Einzelmarkt USA solide verlief, bleibt China die größte Herausforderung. Dort belasten die Folgen der Immobilienkrise weiterhin die Nachfrage nach neuen Wohnungen und damit auch nach Küchen und Möbeln.

Philipp Blum rechnet nicht mit einer raschen Erholung. Zu viele Wohnungen stünden leer, gleichzeitig habe sich die Konsumstimmung deutlich verändert. „Die haben einfach viel zu viel Wohnungen im Leerstand“, sagt er. Das werde den Markt noch über Jahre beschäftigen.

Warum Blum künftig stärker in den USA und China investiert
Die Geschäftsführer Philipp und Martin Blum sehen Europa im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck. Gleichzeitig bekennen sie sich klar zum Standort Vorarlberg.

Weltweit tätig

Trotzdem investiert Blum weiter kräftig. Insgesamt flossen im vergangenen Geschäftsjahr 168 Millionen Euro in Gebäude, Produktionsanlagen, Digitalisierung sowie Forschung und Entwicklung. Davon wurden 120 Millionen Euro in Vorarlberg investiert.

Gerade diese Zahl ordnen die Geschäftsführer jedoch anders ein, als es auf den ersten Blick erscheint: „Die 120 Millionen in Vorarlberg sind eher eine Rückwärtsbetrachtung“, sagt Martin Blum. Viele dieser Projekte seien bereits vor Jahren beschlossen worden. Wer auf die kommenden Jahre schaue, erkenne eine andere Entwicklung. „Wenn wir nach vorne schauen, investieren wir ganz stark in den USA und in China.“

Der Satz ist kein Abrücken vom Stammsitz in Höchst. Vielmehr beschreibt er die neue Realität eines weltweit tätigen Industrieunternehmens. Märkte entwickeln sich zunehmend regional. Handelskonflikte, Zölle und geopolitische Spannungen verändern die Spielregeln.

Blum reagiert darauf mit einem internationalen Produktionsnetzwerk. Künftig sollen die Werke stärker für ihre jeweiligen Weltregionen produzieren. Die USA für den amerikanischen Markt, China für Asien. Europa müsse seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten, um den eigenen Markt langfristig versorgen zu können.

Genau hier sehen Martin und Philipp Blum die größte Herausforderung. Europa verliere im Wettbewerb mit den USA und China zunehmend an Boden. Nicht wegen mangelnder Innovationskraft, sondern weil mehrere Faktoren gleichzeitig auf die Industrie einwirkten: hohe Arbeitskosten, steigende Energiepreise, teure Rohstoffe und eine immer umfangreichere Regulierung.

„Europa ist ein bisschen der Spielball zwischen China und den USA“, sagt Martin Blum. Gleichzeitig betont er, dass Blum als Unternehmen kurzfristig handeln müsse. „Wir können nicht darauf warten, dass die Politik reagiert.“

Bürokratie als Bremse

Besonders deutlich werden die Geschäftsführer beim Thema Bürokratie. Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedingungen oder Klimaschutz stellt bei Blum niemand infrage. Die Kritik richtet sich vielmehr gegen die Art der Umsetzung.
Philipp Blum spricht von immer neuen Berichtspflichten und Dokumentationen. Inzwischen beschäftigten Unternehmen Mitarbeitende, deren Aufgabe nahezu ausschließlich darin bestehe, Berichte zu schreiben. Der ursprüngliche Gedanke hinter vielen Regelungen sei nachvollziehbar. In der praktischen Umsetzung entstehe jedoch oft eine Bürokratie, die Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bremse.

Als Beispiel nennt Martin Blum den europäischen Grenzausgleichsmechanismus CBAM sowie die Regelungen für Stahlimporte. Während europäische Unternehmen teure Rohstoffe einkaufen müssten, könnten fertig verarbeitete Produkte aus Asien teilweise deutlich günstiger nach Europa gelangen. Für exportorientierte Industriebetriebe entstehe dadurch ein Wettbewerbsnachteil.
Dass Blum dennoch am Standort Vorarlberg festhält, daran lassen die beiden Geschäftsführer keinen Zweifel. Das Unternehmen investiert weiterhin in seine heimischen Werke und bezeichnet Vorarlberg als Kompetenzzentrum.

Gleichzeitig werde man aber dort investieren müssen, wo Märkte wachsen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen langfristig wettbewerbsfähig bleiben.
Vielleicht fasst genau dieser Gedanke das Spannungsfeld zusammen, in dem sich viele internationale Familienunternehmen heute bewegen. Unternehmerisch müsse Blum dort investieren, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Persönlich hoffen Martin und Philipp Blum, dass Europa wieder jene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnt, die den Kontinent jahrzehntelang stark gemacht hat.

Blum in Zahlen

2,495 Milliarden Euro Umsatz

+2,4 Prozent Wachstum

168 Millionen Euro Investitionen

120 Millionen Euro davon in Vorarlberg

120 Märkte weltweit

46 Prozent Umsatz in der EU

15 Prozent Umsatz in den USA