Lokal

Bewusstlosen Mann in Feldkirch getreten, bestohlen und alles mit Handy gefilmt: Junge Frauen vor Gericht

09.07.2026 • 12:10 Uhr
Bewusstlosen Mann in Feldkirch getreten, bestohlen und alles mit Handy gefilmt: Junge Frauen vor Gericht
Prozess am Landesgericht Feldkirch. NEUE

Handyvideo, das später in sozialen Medien geteilt wurde, machte Übergriff überhaupt erst amtsbekannt. Vor Gericht ging es jedoch um mehr. Insgesamt fünf junge Frauen und Mädchen mussten sich wegen einer ganzen Reihe von Straftaten verantworten.

Es ist kein alltägliches Bild, das sich am Mittwochvormittag im Schwurgerichtssaal des Landesgerichts Feldkirch bietet. Fünf junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren sitzen auf der Anklagebank. Drei von ihnen sind bereits vorbestraft, eine weitere hat schon einmal eine Diversion bekommen. Alle geben sich lammfromm, bekennen sich schuldig und geloben Besserung. Doch die Anklage liest sich wie ein Querschnitt durch das Strafrecht. Hehlerei, Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung, gefährliche Drohung, falsche Beweisaussage und Begünstigung. Wie so oft bei Jugendlichen spielt auch in diesem Fall das Handy eine entscheidende Rolle. Eine der Taten filmen die Angeklagten mit und teilten die Aufnahmen später über soziale Medien. Der schwerwiegendste Fall wäre ohne die Aufnahmen vermutlich nie bekannt geworden.

Bewusstlosen Mann bestohlen

Im Mittelpunkt des Prozesses stehen die Drittangeklagte, eine 18-Jährige ohne Beschäftigung, die bereits wegen gefährlicher Drohung vorbestraft ist, sowie die 16-jährige Viertangeklagte. Sie trafen abends am Raiffeisenplatz in Feldkirch auf einen offensichtlich stark alkoholisierten Mann. Wie die Bilder einer Überwachungskamera zeigen, gerieten sie zunächst mit ihm in Streit, verteilten Ohrfeigen und packen ihn am Ärmel. Dabei stürzte der Mann unglücklich und blieb schließlich bewusstlos liegen. Doch anstatt die Rettung zu verständigen, demügtigten sie den Mann. Sie leerten den Inhalt einer Dönerbox über ihm aus, schmierten ihm Soße ins Gesicht und versetzen ihm leichte Tritte gegen Körper und Kopf. Anschließend griffen sie in seine Hosentaschen und stahlen rund 1500 Euro. Später zählten sie die Beute vor laufender Kamera. Auch diese Aufnahmen landeten in den sozialen Medien.

Sechs Wochen in U-Haft

Für die Drittangeklagte bleibt es nicht bei diesem Delikt. Nach ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft – sie saß sechs Wochen ein, weil man zunächst von einem Raub ausgegangen war – trat sie gegen ein Auto, stahl eine Flasche Wodka im Supermarkt und beging weitere Straftaten. Richter Martin Mitteregger verurteilt sie wegen Körperverletzung, Diebstahl, Betrug, Sachbeschädigung, Nötigung und verhängt sieben Monate Freiheitsstrafe, davon sechs Monate bedingt. Außerdem verlängert er Probezeit einer früheren Verurteilung auf fünf Jahre und ordnet Bewährungshilfe und ein Anti-Gewalttraining an. Die Viertangeklagte (16), bisher unbescholten, kommt mit einer Diversion davon. Sie muss innerhalb von sechs Monaten 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 750 Euro zurückzahlen.

Geschlagen und massiv bedroht

Die Erstangeklagte, eine 15-jährige Schülerin, ist bereits wegen Diebstahls vorbestraft. Gemeinsam mit der 18-jährigen Zweitangeklagten kaufte sie mit Geld ein, das aus einem Automateneinbruch stammte, und machte sich dadurch der Hehlerei schuldig. Außerdem bedrohte sie ein anderes Mädchen massiv und schlug in einem weiteren Fall auf ein Opfer ein, das bereits am Boden lag. Die 15-Jährige erhält eine teilbedingte Geldstrafe als Zusatzstrafe, muss Gewaltberatung fortsetzen und wird unter Bewährungshilfe gestellt. Die Zweitangeklagte sagte gegenüber der Polizei falsch aus und begünstigte dadurch ihre Freundin. Sie wird zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt, zudem ordnet das Gericht Bewährungshilfe und Anti-Gewalttraining an.

Betrug beim “Tablettenkauf”

Die Fünftangeklagte ist mit 19 Jahren die älteste im Bunde, Mutter eines Kindes und bereits zweimal vorbestraft. Sie wird wegen Betrugs, Körperverletzung und gefährlicher Drohung schuldig gesprochen. Laut Anklage täuschte sie unter anderem den Kauf von Tabletten vor, ohne diese zu bezahlen, schlug und trat ein Opfer und bedrohte eine weitere Person mit dem Tod. Vor Gericht zeigt sie sich reuig. „Es tut mir leid. Ich versuche, mein Leben in den Griff zu bekommen”, sagt sie. Das Gericht verhängt vier Monate bedingte Freiheitsstrafe sowie eine teilbedingte Geldstrafe, dazu ebenfalls Bewährungshilfe und Anti-Gewalttraining.

Eindringliche Worte des Richters

Zum Schluss richtet Jugendrichter Martin Mitteregger eindringliche Worte an alle Angeklagte. “Es muss Ihnen allen klar sein: Jetzt ist Ende Gelände.” Sie müssten lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich selbst mehr wert zu sein. “Sie sind noch jung und haben ihr Leben noch vor sich. Jetzt liege es an ihnen, etwas daraus zu machen. Alle Urteile sind rechtskräftig.