„Aber das ‚gsi‘ legst du nicht für mich ab, Izzi“

Im März 2027 findet im Montafon die Snowboard- und Freestyle-WM statt. Für die NEUE sprachen die zwei Snowboard-Asse Anna Gasser und Alessandro Hämmerle in einem überdimensionalen Hamsterrad am Golm über ihre vielen Gemeinsamkeiten. Ein fast schon privates Gespräch.
Wie oft seht ihr euch eigentlich im Verlauf eines Winters?
Alessandro Hämmerle: Wir sehen uns immer wieder mal, vor allem bei Großereignissen, oder was meinst du, Anna?
Anna Gasser: Bei und rund um Großereignisse stimmt das auf alle Fälle, aber wir sehen uns auch, wenn in Vorarlberg ein guter Schnee liegt, weil wir beide gerne Tiefschnee fahren.
Das heißt, ich kann mir das so vorstellen, dass ihr euch dann zum Tiefschneefahren verabredet?
Hämmerle: Ganz genau und bei uns geht das des Öfteren wirklich sehr gut.
Und wenn ihr euch seht, bleibt es dann bei Smalltalk? Oder sprecht ihr da vielleicht auch mal darüber: Wie machst du das mit dem Druck vor Olympischen Spielen oder Großveranstaltungen?
Gasser: Wir haben uns schon mehrfach ehrlich ausgetauscht. Das fällt uns beiden auch leicht, weil wir uns gut verstehen.
Hämmerle: Das ist der springende Punkt, wir haben einen guten Draht zueinander. Außerdem haben wir sehr ähnliche Erfahrungen gemacht, wobei Anna mit den Erfolgen immer vorgelegt hat. (lacht)
Gasser: Wir haben so vieles erlebt, sind beide circa gleich alt – und unsere Karrieren haben parallel voneinander einen sehr ähnlichen Verlauf genommen. Wir sind auch beide an einem sehr ähnlichen Punkt im Leben angekommen, an dem wir uns beide fragen, wie lange es noch weitergehen wird als Leistungssportler. Wenn wir miteinander sprechen, dann wissen wir beide, dass wir verstehen, wovon der andere spricht, das gibt unseren Gesprächen schon eine ganz besondere Qualität.
Ohne, dass ihr zu tief aus dem Nähkästchen plaudert: Was nehmt ihr aus diesen Gesprächen mit?
Hämmerle: Ich kann mich an ein Gespräch erinnern, das war 2022 bei den Spielen, unmittelbar nach Annas Slopestylebewerb, ein paar Tage bevor ihre Paradedisziplin Big Air anstand. Sie hatte damals schon eine olympische Goldmedaille, die von 2018. Trotzdem war sie sehr nervös. Ich habe mich nach unserem Treffen gefragt: Wie kann sie noch so unruhig sein? Sie ist doch schon Olympiasiegerin, das kann ihr ja keiner mehr nehmen. An dieses Gespräch und dieses Gefühl hinterher habe ich mich heuer in Livigno erinnert und mir gedacht: Wenn du selbst in dieser Situation bist, dann sieht die Sache anders aus als von außen. Ich habe mir in Livigno auch versucht einzureden, dass ich nicht nervös sein muss.
Gasser: Weil deine Goldmedaille von 2022 ja zu Hause an der Wand hängt.
Hämmerle: Genau.
Gasser: Nur leider funktioniert das nicht, da spielen die Nerven nicht mit.
Hämmerle: (lacht herzlich) Nein, es hat mir in Livigno überhaupt nichts gebracht, dass ich schon Olympiasieger war. Ich war trotzdem sehr nervös, vielleicht sogar noch mehr als je zuvor.
Gasser: Jetzt, wo er selbst eine zweite Goldmedaille hat, versteht er mich. (lacht) Aber ganz eine andere Frage: Passt das denn so, wir reden ja wild durcheinander?

Das passt sogar wunderbar.
Gasser: Izzi und ich haben auch viel darüber geredet, dass es mehr als den Sport gibt, uns ist das beiden im Laufe der Jahre klar geworden. Am Anfang, wenn man jung ist, ist man so ein bisschen wie in einem Tunnel. Da denkt man, es gibt es nur den Sport. Jetzt hat sich unser Blick auf den Sport und das Leben geweitet: Die Gesundheit ist das Wichtigste, darüber haben wir uns oft ausgetauscht, weil wir beide verletzt waren. Mir hat zum Beispiel eine Schulterluxation und davor eine komplizierte Sprunggelenksverletzung zu schaffen gemacht, du hattest heftige Probleme mit dem Kopf.
Hämmerle: Ganz genau. Ich krieg’ grad eine Gänsehaut, es fühlt sich fast so an, als würden wir privat miteinander sprechen und nicht im Rahmen eines Interviews.
Gasser: Ja, das Setting ist wirklich sehr geschickt gewählt, das ist mal was ganz anderes, ich kann sogar nebenbei Erdbeeren essen. Aber für euch zwei ist es nicht das erste Interview miteinander, oder?
Hämmerle: Nein! (lacht)
Hannes Mayer: Unser erstes Interview ist sicher 15 Jahre her und war deutlich vor seinem großen Durchbruch.
Gasser: Genial. Izzi ist es nach seinen Gehirnerschütterungen länger nicht gut gegangen. Es ist so hart, wenn du als Athlet über einen längeren Zeitraum deinen Sport nicht ausüben kannst und du auch nicht weißt, wie lange das noch so weitergeht. Wir waren beide in solchen Situationen.
Hämmerle: Anna, so richtig Freundschaft geschlossen haben du und ich ja als Markenbotschafter von Milka.
Gasser: Stimmt, wir waren zum Beispiel beim Weihnachtsfest im Ponykarussell im Wiener Prater.
Ihr wart auch beide bei der Präsentation in der Wiener krypt.Bar.
Gasser: Ganz genau, wir waren eigentlich bei fast allen Milka-Events beide eingeladen, in der Zeit haben wir uns ein paar Mal pro Jahr außertourlich getroffen. Ich habe mich immer gefreut, Izzi, dich zu sehen. Wenn ich die Einladung zu einem Event bekomme habe, war immer mein erster Blick auf die Liste, ob du auch drauf stehst, dann wusste ich, dass wir wieder einen feinen Austausch haben werden.
Hämmerle: Vielen lieben Dank, Anna, mir ging’s genauso.
Was zur Frage führt, wie schwer es für dich ist, den Vorarlberger Dialekt zu verstehen?
Gasser: Ich tue mir eigentlich recht leicht, Alessandro zu verstehen – ich weiß aber natürlich nicht, ob du dir bei mir Mühe gibst und den Dialekt schöner sprichst als sonst.
Hämmerle: (lacht) Ich muss gestehen, dass ich mir bei dir wirklich Mühe gebe.
Gasser: Hab ich’s mir doch gedacht! (lacht)
Hämmerle: Wenn ich so reden würde, wie mir der Schnabel gewachsen ist, wären unsere Gespräche wahrscheinlich relativ kurz. (schmunzelt)
Gasser: Du reißt dich bei mir zam, ich feier’ das! Ein sehr guter Freund von mir ist Schweizer, drum glaube ich eigentlich schon, dass ich dialektmäßig geschult bin, euch zu verstehen.
Hämmerle: Anna, ich war drei Jahre lang mit einem Kärntner auf dem Zimmer, da lernt man, so zu sprechen, dass du verstanden wirst. Denn die ständigen Nachfragen, „was hast du gesagt?“, nerven einen.
Gasser: Aber das „gsi“ legst du nicht für mich ab, Izzi. (lacht)
Hämmerle: Na ja, aber das ist ein Ausdruck, wenn du ein Mal weißt, was der bedeutet, macht das Wort doch keine Schwierigkeiten mehr. (lacht)

Anna war schon ein gewisses Vorbild für dich?
Hämmerle: Auf jeden Fall. Mich hat immer beeindruckt, wie sie es schafft, ihre Leistung abzurufen – das war schon etwas, was ich mir zum Vorbild nehmen konnte. Inzwischen bin ich ganz bei mir. Aber es gab Zeiten, da habe ich bei Anna schon sehr genau hingeschaut, um herauszufinden, wie sie das macht.
Gasser: Was dir offensichtlich gelungen ist, denn du hast mir ja den Doppelolympiasieg nachgemacht. (lacht) Ich weiß noch, wie ich mich in China für dich gefreut habe, dass es dir aufgegangen ist, das Coole war, dass wir beide mit Gold heim sind. Aber jetzt in Livigno hast du dich selbst nicht als Favorit gesehen?
Hämmerle: Nein, gar nicht.
Gasser: Mich hat an deinem zweiten Olympiasieg so fasziniert, dass du sogar ein bisschen krank warst, dir ist es nicht gut gegangen – und trotzdem hast du geliefert. Bei mir war es in China 2022 ähnlich: Da war mein Training nicht perfekt, aber beim Rennen konnte ich dann alles raushauen.
Er wusste es nicht, aber ich habe ihm auch vor Livigno sehr große Gold-Chancen eingeräumt.
Gasser: Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass es vermeintlich einfacher ist, eine zweite Medaille zu holen, von Gold will ich da gar nicht mal sprechen. Die Erfahrung hilft dir natürlich, es schon geschafft zu haben. Aber eben, nervös bist du trotzdem wie beim ersten Mal, und es muss wirklich alles zusammenpassen.
Ich könnte mir vorstellen, dass vor einer möglichen Wiederholung des Olympiasiegs ganz andere Komponenten hinzukommen?
Hämmerle: Genau, da kommen völlig neue Komponenten hinzu.
Gasser: Beim ersten Mal war es emotional schwerer für mich als beim zweiten Mal.
Hämmerle: Ja, unbedingt!
Das Bemerkenswerte ist, dass ihr mir immer wieder die nächste Frage vorwegnehmt. Wenn zwei Doppelolympiasieger zusammen ein Interview geben, drängt sich natürlich die Frage auf, welche eurer Goldmedaillen euch mehr bedeutet – der erste oder der zweite Olympiasieg?
Hämmerle: Bei mir definitiv der zweite.
Gasser: Bei mir ist er der erste, also der von 2018. Mich überrascht das kein bisschen, dass wir beide nicht den von 2022 nennen, weil damals aufgrund der Pandemie unsere Familien nicht dabei sein konnten.
Hämmerle: Richtig, das macht es mir bei mir auch aus.
Gasser: Es ist einfach etwas Besonderes, wenn man Erfolge mit Leuten teilen kann. Die Emotionen sind ganz andere. Das haben viele von uns Athleten eigentlich erst gemerkt, als wir darauf aufgrund der Coronaauflagen verzichten mussten. Denn auch als Einzelsportler passieren die Erfolge und auch die Misserfolge immer im Team.
Hämmerle: Beide Olympiasiege waren auf ihre Art einzigartig, ich will den ersten Olympiasieg auf keinen Fall kleinreden.
Gasser: Izzi, du warst bei deinem ersten Olympiasieg so unter Druck, weil du im Vorfeld alles gewonnen hast, oder?
Hämmerle: Richtig, vor dem ersten herrschte eine extreme Erwartungshaltung.
Weil du ja da, glaube ich, den Gedanken hattest: Wer weiß, ob diese Konstellation mit der Top-Form nochmal wieder kommt?
Hämmerle: Diese Gedanken waren da, die haben mich einerseits angetrieben und andererseits schon sehr unter Druck gesetzt.
Gasser: Ich kann das sehr, sehr gut nachvollziehen.

Und ich muss gestehen, ich habe es ihm vor Peking nicht einfacher gemacht, denn ich titelte: Die Chance seines Lebens.
Gasser: Wow!
Hämmerle: Ich kann es eigentlich recht einfach auf den Punkt bringen: Der zweite Olympiasieg war schöner, was die Feier betrifft, aber sportlich gesehen war der erste viel besser.
Wie sehr freut man sich eigentlich mit, wenn jemand anderer aus dem Snowboardlager eine Medaille oder sogar Gold holt bei den Olympischen Spielen? Oder nimmt man das mehr oder weniger nur zur Kenntnis?
Gasser: Im Endeffekt treten Izzi und ich in unterschiedlichen Sparten an. Das bedeutet, es sind nicht dieselben Trainer, nicht dieselben Physios, nicht dieselben Serviceleute involviert. Das ist schon was anderes, sicher auch für dich, als wenn bei euch in der Snowboardcrosssparte Jakob Dusek oder Pia Zerkhold und damit direkte Kollegen einen Erfolg feiern. Aber ich habe mich beide Male sehr gefreut für Izzi. Wobei ich mich mit jedem mitfreue, auch abseits vom Snowboard, weil ich weiß, wie schön das ist, wenn man so ein Ziel erreicht.
Hämmerle: Ich habe mich zum Beispiel in Italien sehr für und mit Ariane Rädler gefreut. Weil ich sie schon lange kenne und weiß, was sie durchgemacht hat. Gleichzeitig nimmt es dir als Athlet auch etwas Druck, wenn du weißt, in der Heimat konnten sie ein erstes Mal jubeln und das Szenario ist gebannt, dass Vorarlberg ohne Goldmedaille bleibt. Irgendwie befreien dich die Erfolge deiner Landsleute, irgendwie stacheln sie dich aber auch noch mehr an, dass du diese Erfolge auch feiern willst.
Gasser: Ich will aber schon noch anmerken, dass ich mich speziell in Livigno nach all unseren Gesprächen und nach deiner Vorgeschichte schon sehr heftig für dich gefreut habe. Was ich vorhin nur sagen wollte ist, dass es was anderes ist, wenn ein Erfolg in deinem unmittelbaren Teamumfeld passiert.
Hämmerle: Das habe ich schon so verstanden, Anna.
Was macht es mit euch, dass ihr eines Tages, wenn ihr aufhört, beide Legenden sein werdet und das auch für immer bleibt?
Gasser und Hämmerle: beide lachen herzlich, laut und lang
Hämmerle: (Pause) Das realisiert man gar nicht.
Gasser: Ich glaube, wir schätzen uns beide nicht als Legende ein, so sind wir nicht.
Dann frage ich anders: Wenn ihr zum Beispiel irgendwo bei euch in der Nähe in ein Restaurant kommt, kann es da passieren, dass der Wirt sagt: Die Rechnung geht aufs Haus oder dass die Leute im Wirtshaus aufstehen und klatschen – gibt es so was?
Gasser: Also aufstehen und klatschen? (lacht)
Franz Klammer hat mir mal erzählt, dass ihm das noch heute in Amerika passiert.
Hämmerle: Gewaltig. Nein, das habe ich noch nie erlebt.
Gasser: Solche Sachen kommen vielleicht mal vor, unmittelbar nachdem man Olympiasieger geworden ist oder bei den eigenen Feiern. Normaler ist, dass vielleicht jemand mal ein Foto will. Das ist immer schön.
Hämmerle: Ja, das sind sehr nette Situationen, die vorkommen.
Gasser: Oder dass wer ein Autogramm will.
Hämmerle: Genau, auch das kommt immer wieder mal vor. Mir fällt da aber eine sehr spezielle Situation ein. 2022 nach meinem ersten Olympiasieg bin ich in Bludenz zum Dönerimbiss meines Vertrauens. Damals ist der Döner aufs Haus gegangen. Sowas macht einem klar, wie groß der Erfolg war und wie vielen er etwas bedeutet.
Anmerkung: Just in diesem Moment bittet jemand um ein Foto von Gasser und Hämmerle.
Anna, du überlegst ja gerade, ob der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt gekommen ist oder du die Heim-WM-Saison noch bestreitest. Wie läuft so ein Prozess eigentlich ab, sich Gedanken über das Karriereende zu machen? Du hast angedeutet, dass du auch auf dein Bauchgefühl hörst. Aber macht man auch Listen mit Pro und Contra oder denkt man sich irgendwann beim Autofahren: Ach komm’, ich sollte es sein lassen. Oder andersrum: Nein, ich sollte doch weitermachen?
Gasser: Listen erstelle ich nicht. Ich werde wirklich nach Gefühl entscheiden. Man fühlt in sich rein, will ich das noch, ist es noch das Richtige, schlägt mein Herz noch dafür – das sind so die Überlegungen, die ich anstelle. Es wird wirklich eher der Bauch und das Herz entscheiden. Das ist schon eine sehr spannende Phase, in der ich mich befinde, weil doch etwas Großes zu Ende geht: Entweder sofort oder in absehbarer Zeit. Und das bedeutet, dass man sich in irgendeiner Art und Weise neu erfinden soll – und auch kann.
Hämmerle: Das trifft er grundsätzlich sehr gut, trotzdem ist meine Situation ein bisschen anders. Durch die WM im Montafon ist meine Situation komfortabler. Es war eigentlich immer klar, dass ich in der kommenden Saison 2026/27 noch dabei sein würde, das stand auch nach meinem zweiten Olympiasieg nicht zur Debatte. Die Chance auf eine Heim-WM auf meinem Hausberg will ich mir nicht entgehen lassen. Das heißt, dass die Gedanken über einen Rücktritt nur in meinem Hinterkopf sind – und ehrlicherweise verdränge ich aktuell das Thema schon ziemlich. Ich sage zwar immer, wenn sich eine Türe ganz schließt, öffnen sich andere Türen. Die Frage ist jedoch, welche Optionen man überhaupt hat. Bevor die nicht offen auf den Tisch liegen, tut man sich schwer, im Vorhinein eine Entscheidung zu treffen.
Gasser: Als Sportler lernt man, nicht zu planen.
Hämmerle: In Wahrheit kannst du gar nicht planen.
Gasser: Stimmt, du lebst im Moment, das musst du auch, weil von einem Augenblick zum anderen alles anders sein kann: Durch Verletzungen oder Belastungsreaktionen des Körpers.

Vor zwei Jahren war für mich völlig klar, Izzi: Du nimmst die Heim-WM noch mit – und dann ist Schluss. So klar empfinde ich das überhaupt nicht mehr?
Hämmerle: Diese Einschätzung ist völlig richtig. Die Situation war vor zwei Jahren eine andere, ich war von Verletzungen geplagt und hatte auch diese hartnäckigen Rückenprobleme, die mich lange begleitet und eingeschränkt haben. Seit Frühjahr 2025 bin ich körperlich wieder in einer sehr, sehr guten Verfassung. Dementsprechend macht es einem auch wieder viel mehr Spaß. Schmerzen lassen nämlich die Frage aufkommen, was man denn überhaupt noch im Startgate macht, schließlich hast du drei Weltcupkugeln zu Hause stehen und all die Medaillen. Es gab Zeiten, da hat mir das Weitermachen aufgrund der Schmerzen wirklich Überwindung gekostet – teilweise war ich fast schon demotiviert. Das ist jetzt völlig anders, weil der Körper wieder mitspielt und mir der zweite Olympiasieg emotional einen großen Schub gegeben hat.
Gasser: Es ist generell viel leichter, weiterzumachen, wenn es sportlich läuft und man fit ist.
Hämmerle: Ganz klar.
Das heißt was?
Hämmerle: Ich werde von Jahr zu Jahr schauen. Es kommt auch darauf an, wie sich mein Sport mit meiner neuen privaten Situation vereinbaren lässt, ich werde in den nächsten Tagen Vater. Als Spitzensportler bin ich im Winter sicherlich viel unterwegs, dafür bin ich aber in den Sommermonaten sehr oft zu Hause, es hätte also schon auch private Vorteile, wenn ich weitermache.
Ich will es so ausdrücken: Diese Aussage passt zu meinen Beobachtungen, die ich zuletzt gemacht habe.
Hämmerle: Lassen wir das einfach mal so stehen. (lacht)
Anna, was würde es dir denn bedeuten, bei der WM im Montafon noch dabei zu sein – und mein Eindruck ist, dass du dabei sein wirst.
Gasser: Ich weiß es wirklich noch nicht. (lacht)
Ich höre immer das heraus, was nicht gesagt wird.
Gasser: Das heißt, du liest zwischen den Zeilen?
Hämmerle: Hannes ist ein Fuchs. (lacht)
Gasser: Ein Heim-Event, noch dazu ein Großereignis, ist natürlich immer etwas ganz Besonderes. Eben weil man die Erlebnisse teilen kann und du auch viele Leute erreichst – das ist eine große Chance. Montafon 2027 wäre ja nach Kreischberg 2015 meine zweite Heim-WM. Wir Boarder stehen allgemein nicht so sehr im Fokus wie zum Beispiel die Skirennläufer, was Vor- und Nachteile hat, wir haben schon ganz nette Freiheiten. Bei einer Heim-WM ist der Fokus da, da ist alles anders: Ein Großereignis im eigenen Land bringt Aufmerksamkeit, du kannst was bewirken. Dieser Ausblick reizt mich schon. Gar nicht für mich persönlich, mir bringt das nichts mehr, sondern für unsere Sportart an sich. Eine Heim-WM bringt der Next Generation was.
Hämmerle: Schön gesagt.
Für dich, Izzi, wäre es wohl der emotionalste Augenblick deiner Karriere, wenn du an deinem Hausberg Weltmeister werden könntest – aber ich will nicht schon wieder Druck machen …
Hämmerle: … alles gut. (lacht) Es ist klar, dass eine Medaille bei der Heim-WM und erst recht der Weltmeistertitel eine wunderbare Draufgabe zu meinen bisherigen Erfolgen wäre. Der Druck wird da sein, von außen, aber auch von mir selbst.
Anna Gasser
Geboren am: 16. August 1991
Wohnhaft in: Millstatt am See
Kopfsponsor: Red Bull
Größte Erfolge: Olympia: Doppel-Olympiasiegerin (Big Air, 2018, 2022);
WM: Doppel-Weltmeisterin (Big Air 2017, 2023); X-Games: Fünffache X-Games-Siegerin (Slopestyle, 2017; Big Air 2018, 2019, 2020, 2025); Weltcup: Zweifache Siegerin Freestyle-Weltcup (2016/17, 2020/21); Dreifache Siegerin Big-Air-Weltcup (2016/7, 2017/18, 2021/22); Siegerin Slopestyle-Weltcup (2020/21); 13 Weltcupsiege, 32 Podestplätze
Ehrungen: Österreichs Sportlerin des Jahres (2017, 2018, 2022)
Alessandro Hämmerle
Geboren am: 30. Juli 1993
Wohnhaft in: Bludenz
Disziplin: Snowboardcross
Größte Erfolge: Olympia: Olympiasieger (2022, 2026); WM: Vizeweltmeister (2021), WM-Bronze (2025);
Weltcup: Dreifacher SBX-Weltcupsieger (2018/19, 2019/20, 2020/21), vier Mal Zweiter im SBX-Weltcup;
18 Weltcupsiege, 34 Podestplätze.
Ehrungen: Vorarlbergs Sportler des Jahres (2016–2021)