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Warum Vorarlbergs Wasserversorgung jetzt besonders gefordert ist

01.08.2026 • 09:00 Uhr
Warum Vorarlbergs Wasserversorgung jetzt besonders gefordert ist
Weitläufige Gänge zu den Pumpen führen unter dem Rheindamm durch. Stiplovsek

Hitze, Trockenheit und steigender Verbrauch setzen die Wasserversorgung unter Druck. Warum sie dennoch stabil bleibt, entscheidet sich an einem Ort, den kaum jemand kennt.

Von außen wirkt das Gebäude in Mäder unscheinbar. Hinter den dicken Betonwänden arbeiten jedoch rund um die Uhr gewaltige Pumpen, kilometerlange Rohrleitungen und eine hochkomplexe Steuerung. Bis zu 20.000 Kubikmeter Trinkwasser verlassen das Pumpwerk täglich. Von hier aus werden acht Gemeinden im Rheintal ganz oder teilweise versorgt: Alberschwende, Altach, Dornbirn, Götzis, Hohenems, Lustenau, Mäder und Schwarzach. Insgesamt profitieren rund 120.000 Menschen von der Anlage. Während Vorarlberg seit Dezember 2025 eine ungewöhnlich lange Trockenperiode erlebt und vielerorts zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser aufgerufen wird, läuft das Pumpwerk auf Hochtouren.

Warum Vorarlbergs Wasserversorgung jetzt besonders gefordert ist
Das Gebäude in Mäder ist unscheinbar. Von hier aus werden 120.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Stiplovsek

„Der Bedarf ist bei Hitze deutlich höher“, sagt Josef Würth, seit 17 Jahren technischer Betriebsführer des Wasserwerks Dornbirn. Bewässerte Gärten, gefüllte Pools, die Landwirtschaft und der allgemein höhere Wasserverbrauch an heißen Tagen seien deutlich spürbar. Gleichzeitig gehen die Quellschüttungen zurück. Die Gemeinden beziehen deshalb mehr Wasser vom Trinkwasserverband Rheintal.

Wasser aus dem Untergrund

Das Trinkwasser stammt nicht direkt aus dem Alpenrhein. Gefördert wird es aus dem Grundwasserbegleitstrom des Flusses. Das Wasser versickert im Boden und bewegt sich dort nur wenige Meter pro Tag. Bis es den Bodensee erreicht, vergehen Jahre.

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Zwischen dem Damm und dem Alpenrhein sind die Zugänge zu den Pumpen sichtbar. Stiplovsek

„Der Boden ist ein natürlicher Filter“, erklärt Würth. Deshalb sei das Grundwasser oft sauberer als ein Gebirgsbach. Gleichzeitig werde deutlich, wie wichtig der Schutz dieser Ressource ist. Verunreinigungen könnten sich über viele Jahre auswirken.

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Sämtliche Öffungen nach draußen sind abgesichert. Wenn die Sensoren ausgelöst werden, rückt sofort die Polizei an. Stiplovsek

Die beiden Brunnen des Pumpwerks reichen bis in Tiefen von 11,5 beziehungsweise 18,5 Metern. Dort wird das Wasser entnommen und im Pumpwerk mit Sauerstoff angereichert, bevor es in das Versorgungsnetz gelangt.

Spitzenverbrauch an heißen Tagen

Dornbirn benötigt durchschnittlich rund 10.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag. An besonders heißen Tagen steigt der Bedarf auf bis zu 15.000 Kubikmeter. Um diese Menge zu transportieren, wären rund 300 Sattelzüge mit einem Fassungsvermögen von jeweils 50 Kubikmetern notwendig. Pro Sekunde fließen derzeit rund 200 Liter Wasser in das Netz.

Warum Vorarlbergs Wasserversorgung jetzt besonders gefordert ist
Josef Würth ist seit 17 Jahren für die Trinkwasserversorgung zuständig und kennt die technischen Anlagen in Mäder ganz genau. Stiplovsek

„Das Trinkwasser geht uns nicht aus“, sagt Würth. „Aber es ist schon eine Frage, wie man es verwendet.“

Der steigende Verbrauch zeigt sich auch an einer anderen Entwicklung. Allein in Dornbirn gibt es heute rund 300 bewilligte private Pools mehr als noch im Jahr 2020.

Kritische Infrastruktur

Das 1973 errichtete Pumpwerk zählt zur kritischen Infrastruktur und ist entsprechend abgesichert. Die gesamte Anlage wird vom Wasserwerk Dornbirn aus überwacht und gesteuert. Rund 1200 Messwerte werden laufend über eine eigene Datenleitung übertragen. Eine Verbindung zum Internet gibt es bewusst nicht.

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Durch dieses Rohr fließen rund 120 Liter Wasser, also etwa eine Badewanne voll, pro Sekunde. Stiplovsek

Für den Fall eines Stromausfalls steht ein Notstromaggregat bereit. Auch eine moderne Brandschutzanlage gehört zur technischen Ausstattung.
Die Qualität des Trinkwassers wird laufend kontrolliert. Das Vorarlberger Umweltinstitut untersucht das Wasser regelmäßig auf rund 160 verschiedene Parameter. Die Wassertemperatur liegt ganzjährig zwischen neun und 10,5 Grad Celsius.

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Zwar gibt es noch analoge Anzeigen auf den Schaltschränken. Die Daten werden aber mittlerweile auch digital ausgelesen. Stiplovsek

Zweites Standbein geplant

Um die Versorgung langfristig weiter abzusichern, ist gemeinsam mit den Stadtwerken Feldkirch ein weiteres Pumpwerk in Nofels geplant. Es soll künftig als zusätzliches Standbein dienen und gleichzeitig die Sanierung der bestehenden Anlage in Mäder ermöglichen.

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Am Modell ist erkennbar, welche Vorarlberger Gemeinden von Mäder aus mit Trinkwasser versorgt werden. Stiplovsek

Bewusster Umgang

Die Versorgung mit Trinkwasser ist in Vorarlberg derzeit gesichert. Dennoch plädiert Josef Würth für einen bewussten Umgang mit der wertvollen Ressource. Im Garten sollte möglichst Regenwasser zum Gießen verwendet werden. Dieses könne etwa über Regentonnen gesammelt werden. Rasenflächen müssten nicht täglich bewässert werden. Wenn gegossen werde, dann am besten in den frühen Morgenstunden, damit möglichst wenig Wasser verdunstet. Auch private Pools sollten möglichst nicht während längerer Hitzeperioden neu befüllt werden. Wer das Regen- und Dachwasser über mehrere Jahre nutzt, spart große Mengen Trinkwasser. Im Haushalt helfen oft schon kleine Maßnahmen. Tropfende Wasserhähne oder undichte Spülkästen sollten rasch repariert werden, Geschirrspüler und Waschmaschinen möglichst nur voll beladen laufen. Zudem sei es sinnvoll, Regenwasser auf Grünflächen versickern zu lassen, anstatt es direkt in den Kanal abzuleiten. So könne das Grundwasser langfristig wieder aufgefüllt werden.