Kultur

Britische Farben Ausklang der Bregenzer Festspiele

24.08.2026 • 13:12 Uhr
Leo McFall – Symphonieorchester Vorarlberg
Emma Kajander (Sopran) ist eine glänzende Solistin. Festspiele/Lins

Die Matinee am letzten Festspielsonntag stand im Zeichen britischer Musik: SOV-Dirigent Leo McFall brachte Werke von Ethel Smyth, Benjamin Britten, Elizabeth Maconchy und Edward Elgar mit und setzte dabei auch zwei Komponistinnen aufs Programm, die hier kaum bekannt sind.

Die Matinee am letzten Festspielsonntag wird immer vom Symphonieorchester Vorarlberg gestaltet, in diesem Jahr brachte Chefdirigent Leo McFall Musik aus seiner britischen Heimat mit und setzte sogar die Werke zweier Komponistinnen aufs Programm, die man hier kaum oder gar nicht kennt. Eine „finnische Note“ blieb freilich erhalten, denn die Sopranistin Emma Kajander glänzte als Solistin in Benjamin Brittens „Les Illuminations“ und Leo McFall hat ja seine Dirigierausbildung in Helsinki genossen, was sich in seiner so angenehm klaren Schlagtechnik zeigt. Diese hatte man ja auch bei den beiden Dirigentinnen dieses facettenreichen Festspielsommers bei Dalia Stasevska und Eva Ollikainen am Pult der Wiener Symphoniker erleben können.

Leo McFall – Symphonieorchester Vorarlberg
Dirigent Leo McFall. Festspiele/Lins

Zackig und straff

Sturm und Wind an der schroffen Felsenküste Cornwalls spiegelt die Ouvertüre zur Oper „The Wreckers“ der Komponistin Ethel Smyth, die vor 120 Jahren in Leipzig uraufgeführt wurde: Küstenbewohner entzündeten absichtlich keine Leuchtfeuer, damit Schiffe auf den Klippen strandeten und ausgeraubt werden konnten. In der Geschichte aber gibt es ein Paar, das aus Barmherzigkeit ein Leuchtfeuer entzündet und sich damit gegen die Dorfgemeinschaft stellt. Voller Energie, zackig und straff ließ Leo McFall das prächtig besetzte SOV hier aufspielen, in einem lyrischen Mittelteil glänzten die Holzbläser und Streicher, ein wuselndes Crescendo mündete in einer choralartigen Fanfare und großen Steigerung.

Leo McFall – Symphonieorchester Vorarlberg
Festspiele/Lins

Reich an Farben, Energie, Ironie und Humor

Mit einer Fanfare beginnt auch Benjamin Brittens Zyklus „Les Illuminations“ nach Texten des französischen Symbolisten Arthur Rimbaud, obwohl nur mit Streichern besetzt, scheinen diese auch andere Instrumente zu imitieren. Reich an Farben, Energie, Ironie und Humor ist diese Musik, schade dass man den französischen Text nicht mitlesen konnte. Emma Kajander hatte im Rahmen der Festspiele auch als Sopranistin in „The passion of the common man“ geglänzt, hier gab sie sich ganz hinein in die so abwechslungsreiche, manchmal schwebend sinnliche, manchmal in jubelnde Koloraturen gefasste Musik. Leo McFall führte die Sängerin und die Streichergruppe des SOV mit der ihm eigenen Zugewandtheit.

Leo McFall – Symphonieorchester Vorarlberg
Festspiele/Lins

Nach der Pause durfte man die Nocturne der irisch-englischen Komponistin Elizabeth Maconchy kennenlernen: mit Harfe, Celesta und großem Orchester besetzt und in spätimpressionistischen Farben schillernd, holte Leo McFall auch zauberische kammermusikalische Klänge und zuletzt dramatische Schicksalstöne heraus: Wieder eine Entdeckung!

Leo McFall – Symphonieorchester Vorarlberg
Festspiele/Lins

Warmer Seelenton

In den berühmten „Enigma-Variationen“ von Edward Elgar zeichnete der Dirigent nicht nur die hier portraitierten Menschen aus dem Freundeskreis des Komponisten nach, denen dieser kleine Charakterstudien gewidmet hatte: Leo McFall präsentierte auch die Instrumentengruppen seines Orchesters, Konzertmeisterin Michaela Girardi, die Solocellistin Cäcilia Chmel, den Solobratschisten Guy Speyers und die zahlreichen Solistinnen und Solisten aus den Reihen der Bläser, die dem Publikum so vertraut geworden sind. Aus dem fein ausbalancierten Thema traten die nur mit ihren Initialen gekennzeichneten Persönlichkeiten heraus: wispernd, im Trippelschritt oder kurz und heftig polternd, mit der Wucht des ganzen Orchesters oder in einem zärtlichen Solo. Die bekannteste Variation „Nimrod“ ist Elgars Freund und Verleger gewidmet, er hieß August Jaeger und Nimrod wird als „biblischer Jäger vor dem Herrn“ mit dem Sternbild des Orion verknüpft. Der sanfte Charakter des Freundes spiegelte sich wunderbar im warmen Seelenton des aufblühenden Orchesters. Nach den manchmal knappen Einzelsätzen führte der Dirigent sein SOV im Finale mit großen Bögen und Beckenschlägen zu einer letzten Steigerung – entsprechend groß war der Jubel für das Orchester und seinen sympathischen Chef! Ende September geht es weiter mit dem ersten Abokonzert des SOV…

Katharina von Glasenapp