Jetzt bitte bloß nicht das Wappen küssen

NEUE-Sportchef Hannes Mayer kommentiert den Verbleib von Yann Massombo beim SCR Altach.
Nein, dass die Altacher ihrem eigentlich abwanderungswilligen Spieler Yann Massombo eine zweite Chance geben, ist kein Happy End im Stile von Pretty Woman. Denn sowohl der Verein als auch der Spieler hatten keine andere Wahl. Zumindest keine vernünftige. Dass ein Transfer zu Sturm nicht zustande kommen würde, deutete sich schon sehr rasch nach Massombos Streik von vor zwei Wochen an: Die Aktion kam auch in Graz nicht gut an, zudem hatte die Angelegenheit einfach zu viel Staub aufgewirbelt. Massombo wäre beim Vizemeister von Anfang an unter Druck gestanden. Und auch andere mögliche Interessenten schreckte Massombos Verhalten ab: Sich zu weigern, eine Auswärtsfahrt anzutreten, ist charakterlich mehr als nur bedenklich. Also auch Massombo musste nachgeben und seine Wechselwünsche vorerst begraben.
Das Bittere ist, dass die Altacher unverschuldet auch noch als Verlierer aus der Causa aussteigen: Nachdem die Rheindörfler Massombo suspendiert hatten, müssen sie jetzt wieder einen Spieler zurück in die Mannschaft holen, der seine Mitspieler im Stich gelassen hat. Die einzige Alternative wäre, den 26-Jährigen auf die Tribüne zu verbannen, aber damit würden sie dessen Marktwert völlig zerstören. Den Verantwortlichen beim SCRA waren und sind also die Hände gebunden, zumal bei Streitigkeiten zwischen Vereinen desselben Landesverbandes nicht die FIFA eingeschaltet werden kann. Und auf nationaler Ebene ist man letztendlich zu einem Burgfrieden gezwungen. Der Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz ist schon hart genug, da hilft es nicht, Gräben in der eigenen Liga aufzureißen. Ob es von den Altachern geschickt war, mehrfach rechtliche Schritte in den Raum zu stellen, ist auch deshalb fraglich, zumal die Beweislast aufseiten des SCRA liegen würde.
Keinen Gefallen getan haben sich die Altacher auch mit der Ankündigung vom vergangenen Freitag, dass man den weiteren Umgang mit der Causa Anfang der nächsten Woche kommuniziert – um dann erst Mittwochabend ein Statement zu veröffentlichen. Das sind zwar eher nur Nebenkriegsschauplätze, aber man wird in Altach auch die eigene Kommunikation aufarbeiten müssen. Ja, letztendlich hat die Causa nur Verlierer gebracht.
Das Image von Sturm Graz hat einen Kratzer abbekommen – und das vor allem wegen des Verhaltens ihres Trainers Fabio Ingolitsch: Dass er einen gegnerischen Spieler wenige Stunden vor dem direkten Duell telefonisch abgeworben hat, stellt ihm kein gutes Zeugnis aus. Ingolitsch wird einen guten Herbst brauchen, um sein Verhalten vergessen zu machen. Selbiges gilt natürlich vor allem auch für Massombo selbst, dem in den kommenden Wochen ein Spießroutenlauf bevorsteht: Der Franzose wird nur mit starken Leistungen das Etikett des undankbaren Skandalspielers abstreifen können. Diese starken Leistungen sind ihm auch durchaus zuzutrauen, für Vereine wie Altach kann der Offensivspieler erwiesenermaßen in Unterschiedsspieler sein.
Nur von einem möge uns Massombo verschonen: Dass er nach seinem nächsten Tor das Wappen des SCR Altach küsst. Denn eine Herzensverbindung ist das zwischen ihm und dem SCRA natürlich nicht mehr.