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18 Millionen Euro Schaden: Wie hart die Dürre Vorarlbergs Bauern trifft

31.08.2026 • 13:06 Uhr
18 Millionen Euro Schaden: Wie hart die Dürre Vorarlbergs Bauern trifft
Ein Maisfeld in Rankweil zeigt die Folgen von Wassermangel, Hitze und Trockenheit. Laut Hagelversicherung zählen Maisflächen heuer zu den besonders betroffenen Kulturen. Stiplovsek (2), hagel.at

Auf den Feldern wächst zu wenig, in den Futterlagern wird gerechnet. Die Bauern kämpfen mit Millionenschäden und der Frage, wie sie durch den Winter kommen.

Die Trockenheit hat Vorarlbergs Landwirtschaft in diesem Sommer hart getroffen. Die Österreichische Hagelversicherung schätzt den Schaden durch Hitze und ausbleibenden Regen im Land derzeit auf rund 18 Millionen Euro. Besonders betroffen sind Grünland, Mais, Kartoffeln und Almweideflächen. Weil Vorarlberg stark von Rinderhaltung geprägt ist, trifft die Dürre vor allem jene Betriebe, die auf ausreichend Futter angewiesen sind.

Schaden

Michael Meusburger von der Österreichischen Hagelversicherung Vorarlberg spricht von einem außergewöhnlichen Jahr. „Den Sommer 2026 wird man so schnell nicht vergessen“, sagt er. Viele Bauern hätten zu wenig Futter für ihre Tiere. „Futter kaufen ist teuer bis unmöglich, weil es kaum ein Angebot gibt.“ Teilweise würden Betriebe ihre Viehbestände reduzieren, um so über den Winter zu kommen.

18 Millionen Euro Schaden: Wie hart die Dürre Vorarlbergs Bauern trifft
Die Trockenheit hat viele Grünlandflächen stark geschädigt. Für viehhaltende Betriebe wird damit die Futterversorgung zur zentralen Frage. Meusburger

Betroffen sei grundsätzlich das ganze Land, allerdings nicht überall gleich stark. Große Teile des Rheintals, des Leiblachtals sowie des Vorder- und Mittelbregenzerwalds seien laut Meusburger stark geschädigt. Auch innerhalb einzelner Gemeinden gebe es große Unterschiede. Entscheidend seien unter anderem Sonneneinstrahlung, Hanglage und Bodenbeschaffenheit. Besonders wichtig sei der Humusanteil, weil er beeinflusst, wie viel Wasser ein Boden speichern kann.

Futter

Auch Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner beurteilt die aktuelle Lage in Vorarlberg als ernst. Besonders betroffen seien Grünland- und viehhaltende Betriebe, weil vielerorts deutlich geringere Aufwüchse beim zweiten und dritten Schnitt verzeichnet würden. Nach bisherigen Rückmeldungen aus der landwirtschaftlichen Beratung liegen die Ertragseinbußen im Grünland je nach Region und Nutzung bei etwa 15 bis 50 Prozent gegenüber einem durchschnittlichen Jahr.

18 Millionen Euro Schaden: Wie hart die Dürre Vorarlbergs Bauern trifft
Aus Sicht von Landesrat Gantner bilden die Maßnahmen derzeit ein ausreichendes Gesamtpaket.

Im Zentrum steht damit die Frage, ob das Futter für den Winter reicht. Die Versorgung der Vorarlberger Rinder mit Grundfutter sei grundsätzlich gegeben, sagt Gantner. Die Lage bleibe aber herausfordernd. Manche Betriebe hätten deutlich weniger Heu und Grassilage zur Verfügung. Entscheidend sei nun, ob im Herbst noch zusätzliche Aufwüchse erzielt werden können.

Die Dürre in zahlen

18 Millionen Euro schätzt die Österreichische Hagelversicherung den bisherigen Dürreschaden in Vorarlberg. Betroffen sind vor allem Grünland, Mais, Kartoffeln und Almweideflächen.

15 – 50 Prozent betragen laut Land die Ertragseinbußen im Grünland – je nach Region und Nutzung. Besonders stark betroffen sind der zweite und dritte Schnitt.

30 – 40 Prozent Niederschlagsdefizit weist GeoSphere Austria laut Landesrat Christian Gantner insbesondere für den Walgau und das Montafon aus.

47 Hitzetage wurden laut Hagelversicherung heuer in Bregenz gezählt. In den 1980er-Jahren waren es im Schnitt nur drei Hitzetage pro Jahr.

65.000 Rinder werden in Vorarlberg gehalten. Darunter sind rund 25.500 Milchkühe und 4000 Mutterkühe.

44 Projekte zur Wasserversorgung auf Alpen wurden 2025 vom Land unterstützt. Die Gesamtinvestitionen lagen bei rund 646.000 Euro, davon rund 329.000 Euro Fördermittel.

240 Millionen Euro umfasst das österreichweite Dürrepaket. Darin enthalten sind unter anderem Maßnahmen bei Sozialversicherungsbeiträgen, Zinszuschüsse und Stundungen.

300 Millionen Euro Kreditvolumen sollen über zinsgestützte Betriebsmittelkredite mobilisiert werden. Sie sollen Betrieben Liquidität verschaffen, etwa für den Zukauf von Futtermitteln.

Auch die Vorarlberg Rind Zuchtverband eGen beschreibt die Lage bei den Futtermitteln als extrem. Qualität, Menge und Verfügbarkeit seien heuer problematisch, die Preise führten zu beträchtlichen Mehrkosten. Im Milchbereich merke man bereits leicht gesunkene Mengen. Wegen Verkäufen, Schlachtungen und der angespannten Futterlage könne sich das auch in den kommenden Wochen und Monaten auf die Milchmenge auswirken.

Gerhard Fruhauf, Obmann von Vorarlberg Rind, beschreibt die Stimmung auf vielen Höfen drastisch: „Die Verzweiflung ist einfach groß.“ Wer nicht wisse, was er den Tieren im Winter zu fressen geben solle, für den sei das „ein Stimmungskiller sondergleichen“. Viele Vorarlberger Betriebe stünden deshalb vor einer bitteren Wahl: „Entweder du metzgerst die eigene Grundlage, die du nächstes Jahr wieder brauchst, die Kühe. Oder du kaufst dir sauteures Futter, das kaum zu beschaffen ist.“

Viehmarkt

Am Viehmarkt zeigt sich die Trockenheit vor allem bei den Kuhschlachtungen. Kälber, Qualitätsfleischprogramme, Ochsen und Stiere seien vergleichsweise stabil, sagt Fruhauf. Bei den Kuhschlachtungen sei zuletzt aber deutlich mehr Ware gekommen. Das habe zunächst zu einem Preisrückgang geführt, inzwischen habe sich der Markt wieder stabilisiert.

Auch auf den Alpen hat die Trockenheit Spuren hinterlassen. Einzelne Alpen seien deutlich früher abgetrieben worden. Eine Walsertaler Alpe komme etwa drei Wochen früher heim als normal, sagt Fruhauf. „Die drei Wochen fehlen dann beim Futter.“ Denn auch im Tal sei wenig nachgewachsen.

Hilfen

Gantner verweist auf das Vorarlberger Dürrepaket. Dazu zählen unter anderem die einmalige Vorverlegung des Mähtermins bei Streuwiesen, die Ausnahmeregelung beim Futterzukauf für Biobetriebe, verstärkte Fütterungsberatung und eine Futterbörse. Bei hohen Kosten für Wasserversorgungsflüge auf Alpen kann das Land zusätzlich unterstützen. „Wichtig in einer solchen Situation ist schnelle Hilfe. Denn schnelle Hilfe bedeutet doppelte Hilfe“, sagt Gantner.

Kritik am Bundespaket kommt unter anderem von IG Milch, der Agrargemeinschaft Österreich und dem Bündnis Zukunft Landwirtschaft. Sie fordern raschere Direktzahlungen und mehr unmittelbare Unterstützung für Futterzukäufe. Landesrat Gantner hält dagegen: Entscheidend sei der gesamte Maßnahmenmix aus Vorsorge, unmittelbarer Unterstützung und Liquiditätssicherung. „Aus heutiger Sicht bilden die Maßnahmen von Land und Bund ein passendes und angemessenes Gesamtpaket“, ist Gantner überzeugt.
Zum Maßnahmenpaket gehören laut Land auch zinsgestützte Betriebsmittelkredite. Damit sollen Betriebe kurzfristig Liquidität erhalten, etwa für Futtermittel, Saatgut oder andere notwendige Betriebsmittel. Für Gantner geht es daher nicht nur um Entschädigungen, sondern darum, die Betriebe handlungsfähig zu halten.

Ausblick

Ganz ausgestanden ist die Lage jedoch noch nicht. Die jüngsten Niederschläge hätten zwar zu einer ersten Entspannung beigetragen, sagt Gantner. Auch Meusburger sieht eine leichte Entspannung. „Die Böden sind aber nach wie vor sehr hart und trocken“, sagt er. Weitere Niederschläge seien wichtig, ebenso genügend Winterfeuchte, damit die nächste Saison nicht bereits wieder mit einem Defizit beginnt.

18 Millionen Euro Schaden: Wie hart die Dürre Vorarlbergs Bauern trifft
Michael Meusburger von der Hagelversicherung beziffert den Dürreschaden in Vorarlberg derzeit mit rund 18 Millionen Euro.

Für Michael Meusburger zeigt der Sommer 2026 vor allem eines: Die Hitze wird für die Landwirtschaft auch in Vorarlberg immer stärker zum Produktionsrisiko. In Bregenz gab es in den 1980er-Jahren im Schnitt drei Hitzetage pro Jahr. In den vergangenen sechs Jahren waren es durchschnittlich 18. Heuer wurde mit 47 Hitzetagen ein neuer Spitzenwert erreicht.