Kultur

Was Schubert mit 14 schuf und bis heute leuchtet

31.08.2026 • 11:14 Uhr
Minetti Quartett
Schubertiade

Das Minetti Quartett widmete sich in Schwarzenberg zwei Jugendwerken Schuberts, ehe sich das Ensemble zum Oktett erweiterte und dem Schubertiade-Publikum Jubel und Ovationen entlockte.

Am letzten Tag der August-Schubertiade widmete sich das Minetti Quartett zwei Frühwerken Franz Schuberts und schloss sich dann mit drei Bläsern und dem Kontrabassisten Dominik Wagner zum beliebten Oktett zusammen.

Minetti Quartett
Schubertiade

Klosterschüler

Im Deutschverzeichnis ist die Ouvertüre c-Moll mit der Werknummer 8 A bezeichnet und man kann sich vorstellen, wie der 14-jährige Konviktszögling sich an seinen Zeitgenossen und Vorbildern orientierte und das mit eigenen Themen verband: In der langsamen Einleitung bauen sich Spannungsklänge auf, im Allegro entsteht dynamisch geschärfte Theatermusik, die der Kontrabassist kernig grundiert. Auch das C-Dur Quartett D 46 stammt aus der Jugendzeit, hebt mit einer raunenden, chromatisch absteigenden Einleitung an und wandelt sich zu einem temperamentvollen Miteinander. Lyrischer Geigengesang der Primaria Maria Strasser-Ehmer bestimmt den langsamen Satz, behutsam begleitet von den Unterstimmen, Menuett und Finale sind getragen von Energie und überraschenden Wendungen: In der Familie und mit Schuberts Mitschülern hat dieses musikantisch aufspringende Quartett sicher viel Freude bereitet.

Minetti Quartett
Schubertiade

Meisterstück

Schuberts Oktett D 803 ist ein Meisterstück und gehört mit seinen fantasievollen Melodien, dem lyrisch ausschwingenden langsamen Satz oder den charaktervollen Variationen zum Kernrepertoire der Schubertiade. Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, der sein Instrument so herrlich singen und frech jodeln lässt, wurde zum Gegenpart der ersten Violine. Der Fagottist David Seidel gab sein Debüt bei der Schubertiade, blieb aber ein wenig im Hintergrund. Manuel Huber, Orchesterkollege von Matthias Schorn und Solohornist in Wien, war mit Kantilenen und markanten Themen präsent. Auch wenn die Interpretation nicht an die des Pavel Haas Quartetts gemeinsam mit den böhmischen Musikerkollegen herankam, die Anfang Mai in Hohenems begeistert hatten: Auch das Minetti-Quartett und seine Musikerfreunde brachten Schuberts Musik zum Blühen, spielten sich die Bälle zu, ließen im langsamen Satz den Atem strömen. Und sie gaben sich im Variationensatz gegenseitig Raum, damit sich jedes Instrument auf seine charakteristische Art vorstellen konnte. Im gemütlichen Menuettsatz mit der innigen Verbindung der Stimmen wurden Schuberts Wurzeln in der Volksmusik deutlich. Aus dem fahlen Tremolo zu Beginn des Finalsatzes entwickelte sich das sprudelnde Allegro, in dem sich die Musikerinnen und Musiker immer wechselseitig den Vortritt ließen und anstachelten. Dominik Wagner wurde mit seinem mächtigen Kontrabass zum Mittelpunkt der Bühne und zum gut gelaunten Vermittler zwischen Streichern und Bläsern. Dieser herzhaft aufspielenden Truppe und Schuberts musikantischem Geist konnte niemand widerstehen, so ließ sich auch das Schwarzenberger Publikum zu Jubel und Ovationen hinreißen!

Katharina von Glasenapp