Kultur

Die Engländer hielten seine Wälder-Lieder für keltisch, jetzt sind sie Kult

31.10.2026 • 08:00 Uhr
Die Engländer hielten seine Wälder-Lieder für keltisch, jetzt sind sie Kult
Das erste “wilde” Konzert von Stemmeisen & Zündschnur fand im Pub „The Chequers“ statt. Hartinger(2)/Privat/Canva

Ulli Troy hat 96 der 112 veröffentlichten Songs von „Stemmeisen & Zündschnur“ getextet. Jetzt feiert der Musikant sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Am 14. April 1976 stehen Ulli Troy und Hermann Stadelmann im Pub „The Chequers“ in Billericay, Essex. Mit zwei Gitarren und Bregenzerwälder Dialektliedern in der Brust beginnen sie ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Das Publikum vermutet in der unverständlichen Sprache einen keltischen Dialekt und schunkelt mit. Mit diesem Abend ist der Grundstein für die legendäre Bregenzerwälder Band „Stemmeisen & Zündschnur“ gelegt. Nun blickt Troy, alias Zündschnur, auf sein 50-jähriges Bühnenjubiläum zurück. Es ist eine Geschichte, die sich nur als Geschichte des Miteinanders begreifen lässt.

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Vorderwälder-Rock

Dass Dialektlieder bei einem breiten Publikum Anklang finden können, haben ihnen bereits Reinhold Bilgeri und Michael Köhlmeier Anfang der 1970er Jahre vorgemacht. Musikalische Perfektion steht dabei nicht im Vordergrund. Vielmehr sind es ausgelassene Blödelsongs und die Freude am gemeinsamen Musizieren, die ihre ersten Auftritte prägen. So nehmen sie 1977 im Schwarzacher „Hennostall“ bei Günther Bertschler ihre erste Musikkassette mit dem Titel „a’Wäldarfise“ auf. Darauf finden sich Nummern wie „Vorderwälder-Rock“, „I wäsch mor d’Füaß“ und „D’Bruttschau“.

Stemmeisen und Zündschnur
Stemmeisen (r.) und Zündschnur (l.) im Andelsbucher Cafe Liss. Privat

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Passend zum Titel, auf gut Deutsch „eine Wälder Feier“, spielt das Duo in Wirtshäusern und auf privaten Festen. Es sei eine wilde Zeit gewesen, erinnert sich Troy im Gespräch mit der NEUE, mitunter gaben sie auch mehr Trinksprüche als Lieder zum Besten. Von einer professionellen Musikkarriere kann keine Rede sein, sie wurde aber auch nicht angestrebt. Nach zwei Jahren gemeinsamer Aktivitäten kehrt dann vorerst Ruhe ein.

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Hartinger

Neue Mitstreiter

Zwölf Jahre später regt Ulrich Gabriel, besser bekannt als „Gaul“, die beiden zu einem Revival an. Im Rahmen der Initiative „Rettet die Ach“ habe er sie aufgefordert: „Buben, macht wieder Musik!“, erinnert sich Troy und gesteht: „Nur hatten wir musikalisch zu wenig drauf.“ Mit Rolf Aberer finden sie einen musikalischen Mitstreiter, der aus den einstigen Blödelsongs mehr herausholt, als die beiden Gründer allein vermochten. Er arrangiert ihre Lieder und verfeinert den Klang. 1990 erscheint die zweite Kassette „Allad no a Fise?“, ein Jahr später folgt mit „D & d“ die erste CD. Neu dabei ist die damals 19-jährige Geigerin Evelyn Fink-Mennel.

Stemmeisen und Zündschnur
Troy und Fink-Mennel im ORF. Strauss

In den folgenden Jahren wachsen sowohl das Repertoire als auch der Kreis der Mitwirkenden. Nach der Abschlusstournee 1996 folgen zehn Jahre Pause. 2006 kehren „Stemmeisen & Zündschnur“ mit Isabella Fink und Michael Moosbrugger zurück. Alben und Auftritte folgen. Stadelmann verabschiedet sich 2013 aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne; Troys Tochter Irma-Maria wurde 2014 Teil der Band, die 2022 ihr letztes Konzert feierte.

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Die NEUE traf Troy und Stadelmann 2012 zum Gespräch. Hartinger

Ein Mann der Worte

Troy ist ein tatkräftiger Mann der Worte. Von den 112 auf Tonträgern veröffentlichten Liedern von „Stemmeisen & Zündschnur“ stammen 96 Texte aus seiner Feder. Dabei zeichnet ihn ein besonderes Geschick für Cover-Songs aus.

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Wo „FKK ador Suborsa“ klar an den Beach-Boys-Song „Surfin’ U.S.A.“ angelehnt ist, orientiert er sich bei „Legg mi nüd uf Mesmars Bündt“ an „Please Don’t Bury Me“ von Countrysänger John Prine.

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Letzteres gehört bereits zum Repertoire seiner jüngsten Formation: Hanskaspers Enkel. Als Familienband im engsten Sinn besteht die Gruppe neben Troy aus seinen Cousins Richard und Jos Natter. Namensgeber ist ihr gemeinsamer Großvater Johann Kaspar Troy (1874–1961). Aktuell können sie auf die Unterstützung durch „Gast-Cousin“ George Nussbaumer zählen.

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Hanskaspas Enkel. Hartinger

Davon zeugt der Track „Dor Panzar vom Ortsmaschinoring“, bei dem Nussbaumer am E-Piano mitwirkt. Humorvoll wie sensibel, handelt der Song vom Maschinenring-Fahrer Hans Waldner, einem „Wälder Original, mit Mähgerät, Käppi und langen Haaren“. Die Geschichte des einstigen Motocrossfahrers beschäftigt Troy schon seit rund 20 Jahren. Jetzt wurde er nicht nur in einem Song, sondern auch in einem Musikvideo von Bastian Innfeld verewigt. Unterstützt wurden sie vom Hasar Pub, aus deren Umfeld der Chor kommt.

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Kein einziges Konzert abgesagt

Mit 73 Jahren betrachtet Troy sein 50-jähriges Bühnenjubiläum nicht als Abschluss, sondern hoffentlich als Zwischenstation. Dass er und seine Mitstreiter über all die Jahrzehnte kein einziges Konzert absagen mussten, erfüllt ihn mit Dankbarkeit. Zugleich weiß der Musikant, dass jedes weitere Jahr eine Zugabe ist. Wer Hanskaspas Enkel live erleben möchte, muss nicht lange warten. Gemeinsam mit Nussbaumer starten sie bald mit ihrer Tour. In ihrem aktuellen Programm „Eine Reise ins Glück … und andere Wa(h)rheiten“ verbinden Hanskaspers Enkel neue Lieder mit Erzählungen aus dem Leben Nussbaumers und seines Vaters Hubert.

Die Tourtermine: 13. November, Thal, Thalsaal (20 Uhr); 14. November, Mellau, Gemeindesaal (20 Uhr); 19. November, Dornbirn, WIRTSCHAFT (19 Uhr); 20. und 21. November, Wolfurt, Vereinshaus (jeweils 20 Uhr); 11. Dezember, Sibratsgfäll, Schulsaal (20 Uhr); 12. Dezember, Göfis, Vereinshaus (20 Uhr).