73 Prozent teurer als 2016! Wohneigentum rückt für viele in weite Ferne

Steigende Kosten und weniger Platz verändern laut aktueller Studie der Sparkasse Vorarlberg die Wohnrealität und machen Wohneigentum für viele zum unerreichbaren Traum.
Die Wohnsituation in Vorarlberg verändert sich spürbar, wie die aktuelle Wohnstudie 2025 der Sparkasse Vorarlberg und s Real Immobilien zeigt. Zwar leben weiterhin 54 Prozent der Vorarlberger in den eigenen vier Wänden, doch der Wunsch nach Wohneigentum hat deutlich nachgelassen. 2023 wollten noch 72 Prozent Eigentum, 2025 sind es nur noch 66 Prozent. Trotzdem bleibt Eigentum für viele ein Ziel: Zwei Drittel der Befragten gaben an, gezielt darauf hinzuarbeiten, sich eine eigene Immobilie leisten zu können. Auch der Gedanke, lieber Kreditraten zu zahlen als Miete, ist für über die Hälfte der Vorarlberger plausibel.
Teures Wohnen
Im Bundesländervergleich zeigt sich, dass Vorarlberg mit durchschnittlich 832 Euro bei den monatlichen Wohnkosten im Spitzenfeld liegt. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Wohnfläche mit 108 Quadratmetern unterdurchschnittlich. „Dennoch fließt weiterhin nur rund ein Drittel (32 Prozent) des Haushalts-Netto-Einkommens in die monatlichen Wohnkosten, ähnlich wie bereits im Jahr 2023 (33 Prozent). Der Schluss liegt nahe, dass die hohen Lohn- und Gehaltsabschlüsse der letzten Jahre die allgemeine Preissteigerung abfedern konnten“, erklärt Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen.
Hohe Mieten
Die Mieten liegen im Schnitt bei 11,3 Euro pro Quadratmeter, nur in Tirol und Salzburg ist Wohnen noch teurer. Gleichzeitig sind die Preise für gebrauchte Wohnungen in Vorarlberg leicht rückläufig. Der Quadratmeter kostet hier im Schnitt 4513 Euro.
Seit 2010 steigen die Immobilienpreise in Vorarlberg kontinuierlich an. Bedingt durch die Finanzkrise 2008 begannen viele, Sicherheit in wertbeständigen Immobilien zu suchen. Dass gleichzeitig auch noch die Europäische Zentralbank eine lange Niedrigzinsperiode zur Wirtschaftsbelebung einläutete, führte zu einem nie dagewesenen Nachfrageboom. Ein Preisanstieg war die logische Folge“, analysiert Martina Hirsch, Geschäftsführerin von s Real Vorarlberg. Im Jahr 2024 seien die Preise am Gebrauchtmarkt erstmals leicht zurückgegangen, 2025 würden sie nun wieder leicht anziehen.
Neue Wohnwünsche
Mehr als die Hälfte der Befragten – konkret 52 Prozent – kann sich vorstellen, in den kommenden zehn Jahren die Wohnform zu wechseln. Besonders wichtig sind den Befragten Aspekte wie Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und leistbare Wohnkosten. Auch bei der Wunschimmobilie zeigt sich ein Trend zu realistischeren Erwartungen: klassische Eigentumshäuser verlieren an Attraktivität, während Eigentumswohnungen an Bedeutung gewinnen. „Der Anstieg der Immobilienpreise, die hohen Errichtungskosten aber auch das Ende der Nullzinsphase bremst momentan potenzielle Käufer aus“, sagt Jäger. Hirsch ergänzt: „Gleichzeitig sind jetzt aber, anders als früher, auch deutlich attraktivere Mietobjekte auf dem Markt.“
Haushalte schrumpfen
Im Vergleich zu 2016 haben Haushalte in Vorarlberg heute im Schnitt sechs Quadratmeter weniger zur Verfügung. Gleichzeitig steigt der Anteil an Single-Haushalten auf 30 Prozent und ist nahezu gleichauf mit Familienhaushalten (36 Prozent). Jäger führt das auf den sozialen Wandel zurück: „Die Abnahme der Wohnraum- beziehungsweise Haushaltsgrößen steht in Verbindung mit dem sozialen Wandel unserer Gesellschaft. Denn die Individualisierung geht einher mit der steigenden Bereitschaft, allein zu leben.“
Zukunftsthema Energie
Auch das Thema Nachhaltigkeit wird zunehmend als Verbesserungspotenzial erkannt: 52 Prozent wünschen sich künftig geringere Wohnkosten, insbesondere durch energiesparendes Heizen. „Die Versorgungsunsicherheit und der plötzliche Preisanstieg scheinen vielen noch tief in den Knochen zu stecken. Zwei Drittel (62 Prozent) der Vorarlberger wollen deshalb in Zukunft am liebsten nachhaltig heizen oder erneuerbare Energieformen benutzen“, sagt Martina Hirsch.
Verbesserte Rahmenbedingungen
Viele Vorarlberger streben Eigentum weiterhin über Erspartes an, nur 37 Prozent setzen aktuell auf klassische Kredite. Jäger und Hirsch zeigen sich mit Blick auf die Marktlage optimistisch: „Die Rahmenbedingungen für die Anschaffung von Eigentum haben sich im Vergleich zu den letzten beiden Jahren verbessert! Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu kaufen!“