Ein akribischer Forscher auf den Fersen von Sherlock Holmes

Philipp Schöbi aus Feldkirch wird für seine Forschungen und Engagement zu Arthur Conan Doyles Erbe in der Montfortstadt mit dem Blauen Karfunkel ausgezeichnet.
Etwas versteckt liegt in der Feldkircher Innenstadt zwischen Entenbachgasse und Neustadt ein Durchgang, der seit 2019 den Namen “Conan-Doyle-Gasse” trägt. Sie geht auf den weltberühmten Autor Sir Arthur Conan Doyle zurück und ist im öffentlichen Raum wohl das sichtbarste Resultat aus Philipp Schöbis Engagement für den Erfinder von Sherlock Holmes. Darüber hinaus hat der Mathematiker und Literaturvermittler etliche Stunden in detaillierte Recherchen und Publikationen zu Doyle investiert. Für seine Forschungsarbeit wird er im April von der Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft (DSHG) mit dem Blauen Karfunkel ausgezeichnet.
Begeisterung an Beweisen
„Die Geschichten von Sherlock Holmes interessieren mich, weil sie so spannend sind und oft ganz anders ausgehen, als man am Anfang denkt. Als Mathematiker bin ich natürlich auch immer an Beweisen interessiert und Conan Doyle bringt es fertig, mit seiner Figur des Sherlock Holmes ganz ausgeklügelte Beweise in verschiedensten Sachlagen darzustellen“ schildert Schöbi im Gespräch mit der NEUE den Ursprung seiner Leidenschaft. Insbesondere der Umstand, dass der junge Arthur Conan Doyle 1875 ein Schuljahr an der Stella Matutina in Feldkirch verbrachte, weckte die Neugier bei Schöbi.
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„Wir haben 2009 am Theater am Saumarkt Literaturtage zu Conan Doyle veranstaltet. Ich habe mich immer gefragt, woher die verbreitete Behauptung kommt, Doyle hätte für den Feldkircher Anzeiger geschrieben. Wie gesagt, ich bin immer an Beweisen interessiert und dafür fehlten mir einfach jegliche Belege“, führt Schöbi aus. In einer umfangreichen Recherche gelang ihm der Beweis, dass die Doyle zugeschriebene Kurzgeschichte „Ein schlauer Betrüger“ schon 30 Jahre vor seiner Geburt in einer Prager Zeitung abgedruckt wurde.
Ein literarischer Smaragd
Davon ausgehend tauchte Philipp Schöbi immer tiefer in die Materie ein, sammelte erhaltene Texte und Briefe Doyles aus seiner Schulzeit in Feldkirch und stieß in der Folge auch auf die bis dahin unveröffentlichten Ausgaben von Schülerzeitungen, die anders als der erwähnte Artikel tatsächlich aus der Feder des jungen Schotten stammten “Es ist durchaus erstaunlich, was dieser 16-Jährige zuwege gebracht hat. Die Qualität seiner Texte in gereimter Gedichtform ist bewundernswert. Da sah man schon, dass ein literarischer Smaragd, der damals vielleicht noch einen Schliff brauchte, hier in Feldkirch zur Schule ging”, schwärmt Schöbi, der die Texte der Schülerzeitung übersetzte und in der Zeitung des Landesarchivs publizierte. In weiteren Veröffentlichungen behandelte der Mathematiker unter anderem Doyles Verbindungen zum Skifahren und zum Zauberkünstler Houdini.

Die DSHG fasst sein besonderes Engagement, für das er mit dem Blauen Karfunkel ausgezeichnet wird, wie folgt zusammen: “Dank seiner Forschungstätigkeit und seines beharrlichen Wirkens vor Ort hat Philipp Schöbi das Verständnis für Arthur Conan Doyles Lebensweg in Österreich vertieft und gleichzeitig ein Zeichen gesetzt, das weit über die lokale Erinnerungskultur hinausreicht. Damit wird sein Beitrag zur Pflege des literarischen Erbes in herausragender Weise gewürdigt.” Am 15. April überreicht die DSHG Schöbi im Palais Liechtenstein in Feldkirch den Blauen Karfunkel.

“Es kam für mich ziemlich überraschend, freut mich aber sehr, dass meine Arbeit so ein breites Interesse findet”, zeigt sich Schöbi glücklich über die Auszeichnung mit dem Preis, dessen Name an eine gleichnamige Kurzgeschichte über Sherlock Holmes angelehnt ist.
Besuch in viktorianischem Gewand
Bleibt nur noch zu klären: Wie kam es genau zur eingangs geschilderten Benennung der Conan-Doyle-Gasse in Feldkirch? “Ein guter Bekannter von mir, Thomas Wanger, und ich hatten das Anliegen, dass etwas in Feldkirch nach Arthur Conan Doyle benannt wird. Es ist verrückt, da ist diese wichtige Verbindung des weltberühmtesten Krimiautors zu Feldkirch und es gab nichts, was an ihn erinnert. Nicht einmal das Gebäude, wo er zur Schule ging, steht noch. Das war auf der gegenüberliegenden Stadtseite und nicht dort, wo jetzt die Stella ist.” Wanger habe dann herausgefunden, dass es eine noch unbenannte Gasse in der Innenstadt gibt. “Umbenennungen sind immer schwierig. Aber diese Gasse war insofern ideal, dass sie hinter dem Polizeiposten liegt und über dem Durchgang das ursprüngliche Gefängnis und das Kriminalarchiv von Feldkirch lagen. Diese Verbindung mit dem Kriminalschriftsteller ist einmalig.”

stadt feldkirch/hofmeister
So stellten Schöbi und Wanger einen Antrag an die Stadtvertretung, die namenlose Gasse nach Arthur Conan Doyle zu benennen. Das ging ohne jegliche Probleme durch. Die Politiker waren, glaube ich, sogar erfreut über diesen Vorschlag.” So erfolgt im Mai 2019, anlässlich des 160. Geburtstages des Schriftstellers, zur Umbenennung der Gasse. “Zur Feier ist eine ganz größere Delegation von der Deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft in viktorianischen Kleidern angereist. Außerdem hat Gerichtspsychiater Reinhard Haller einen Vortrag im Rathaus über die bedeutendsten Kriminalfälle in Österreich gehalten. Ich habe über die Zeit von Doyle in Feldkirch referiert. Das gab eine schöne Sache damals”, erinnert sich Schöbi zurück. So bleibt ein Stück von Arthur Conan Doyles Erbe inmitten der Montfortstadt erhalten – nicht zuletzt wegen des Engagements des findigen Mathematikprofessors, der Sherlock Holmes Begeisterung für Beweise teilt.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)