Die letzten verbliebenen Gründerväter der Hells Angels Vorarlberg

Die NEUE am Sonntag traf die letzten drei verbliebenen
Clubmitglieder, die vor 50 Jahren das erste österreichische Charter des berüchtigten Motorradclubs gründeten.
Wenn man das Clubhaus der Hells Angels Vorarlberg in Wolfurt betritt, bekommt man Einblick in eine Welt, die vielen verwehrt bleibt.
Einerseits aufgrund berechtigter Zweifel angesichts der oft thematisierten Verstrickungen des international tätigen Bikerclubs. Andererseits ob der schieren Wucht der Historie, die in dem Clubheim des ersten österreichischen Charters der Hells Angels in Wolfurt innewohnt.

Im November 1975 wurden die noch in Koblach tätigen Devil’s Advocats zu Hells Angels. “Wir waren damals bereits in Kontakt mit dem Charter in Zürich und wurden angefragt, ob wir sie im Rahmen ihrer Security-Tätigkeiten bei Rockkonzerten wie beispielsweise bei Auftritten der Rolling Stones im Hallenstadion unterstützen können. Als wir unsere ersten Sporen verdient hatten, kam die Anfrage, ob wir nicht dem Club beitreten wollen. So entstand das erste Charter, damals noch in Koblach”, gewährt Herry, Präsident der Wolfurter Höllenengel, Einblick in die Entstehung. Neben dem 78-Jährigen leben noch zwei weitere Gründungsmitglieder von damals, einer davon ist der gebürtige Dornbirner Werner “Kruse” Sohm.

“Nach der Zusage durch die Zürcher reisten wir nach Hamburg, wo wir offiziell aufgenommen wurden. Selbstverständlich mit unseren Motorrädern”, schmunzelt der ebenfalls 78-Jährige, der sich in den 90er-Jahren auch einen Namen in der Dragster-Motorradszene gemacht hatte und unzählige Rekorde als wohl schnellster Hells Angels der Welt auf einer selbst umgebauten Harley-Davidson verbuchen konnte.

„Als wir in Hamburg zum ersten Mal das neue Patch und auch den Schriftzug Hells Angels Austria auf unseren Kutten tragen durften, war das schon etwas Besonderes“, erinnert sich mit Sigi der Dritte, der noch lebenden Gründungsmitglieder des Clubs.

“Geeint hat uns immer die Liebe zum Motorradfahren. Und die Möglichkeit, längere Touren wie beispielsweise bis nach Skandinavien in Angriff zu nehmen. Im Wissen, egal in welcher Niederlassung unserer Brüder weltweit willkommen geheißen zu werden”, erinnert sich der 76-Jährige.

Wechsel nach Wolfurt
Natürlich habe es die Ressentiments gegenüber den langhaarigen und tätowierten Rockern gegeben, aber auch mit den damals schon tätigen “Action Ramblers”, mit denen man sich gerne traf, sei man sich nicht in die Haare gekommen.

„Ganz im Gegenteil, als wir in Koblach unsere Zelte packten und in den 90er-Jahren ins Clubhaus nach Wolfurt kamen, fiel der Abschied von den Kummenbergern schwer“, führt Herry gegenüber der NEUE am Sonntag weiter aus.

Amoklauf in Nenzing
Ein schockierendes Ereignis, das die Hells Angels als Vorstände der Vorarlberger Biker Union aber näher ans Zentrum der Bevölkerung rücken ließ, war die Tragödie beim Treffen der befreundeten Lords aus dem Walgau im Jahr 2016. Bei einem Amoklauf auf dem Festgelände kamen drei Menschen ums Leben, das ganze Land zeigte sich aufgrund der Ereignisse in jener schrecklichen Nacht in tiefer Trauer.


So auch das Vorarlberger Charter der Hells Angels, das im Rahmen einer großen Trauerfahrt mit hunderten Motorrädern den Verstorbenen die letzte Ehre erwies.

Konflikt mit dem Gesetz?
“Man mag von uns halten, was man will. Natürlich gibt es, wie in jeder anderen Organisation dieser Größenordnung auch solche, die sich nicht an die Gesetze halten. Was solche Konsorten außerhalb ihrer Tätigkeiten bei uns machen, können wir auch nicht beeinflussen”, antwortet Herry auf die Frage der NEUE bezüglich auch in Vorarlberg auftretenden Konflikten von Vertretern aus den eigenen Reihen mit der Justiz.

“Wenn sich Mitglieder nicht an unsere Regeln halten, gibt es klare Maßnahmen, die bis zum Ausschluss führen. Und wir hatten auf den von uns durchgeführten Veranstaltungen, egal ob der großen Party in der Dornbirner Messe anlässlich des 40. Jubiläums oder unseren Update-Partys hier im Clubheim, noch nie Probleme”, bestätigt “Kruse” die starke Hierarchie innerhalb des Clubs. Auf Security-Dienste habe man ebenfalls noch nie zurückgreifen müssen, schmunzeln die drei letzten verbliebenen Gründerväter der Vorarlberger Hells Angels abschließend.

Update-Party zum 50. Jubiläum
Am 9. Mai feiert das erste österreichische Charter in Wolfurt im Rahmen seiner „Update Party“ das 50-jährige Bestehen. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgen die beiden Vorarlberger Bands “Woidplash” und “Rauschfrei”. Eintritt frei. Ab 18 Uhr für alle.

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(NEUE am Sonntag)