Investor will Jufa-Hotels mit Digitalisierung “ins nächste Jahrzehnt bringen”

Mit Investor EOSS stetzt die Hotelkette mit drei Standorten in Vorarlberg auf ein neues Betriebssystem und ein Konzept abseits des Mainstreams.
Abseits der touristischen Hotel-Hochburgen, in den Hügeln des Laternsertals, sitzen Gerhard Wendl und Michael Blaschitz mit auf der Terrasse des örtlichen Klangholzhotels von Jufa. Der Himmel blau, im Hintergrund der Walserkamm, ruhige Atmosphäre, von Massentourismus kann beim besten Willen nicht die Rede sein. „Wenn ich im Fernsehen sehe, wie Leute mit dem Flieger auf Mallorca ankommen und die lokale Bevölkerung protestiert, da schreckt es mich“, schildert Blaschitz. „Ich will ja nicht dorthin fahren, wo ich nicht willkommen bin. Um zu erkennen, dass das keine Zukunft hat, dafür muss man kein großer Visionär sein.“
Gerhard Wendl, Gründer und Geschäftsführer Jufa Hotels, hat sich im vergangenen Jahr die steirische EOSS Group mit Michael Blaschitz als Investor ins Boot geholt, um die pandemiebedingt angeschlagene Hotelkette finanziell auf Vordermann zu bringen. Die beiden Herren setzen dafür auf bewährte Strategien und neue technologische Lösungen, wie sie der NEUE beim Gespräch am Jufa-Standort Laterns verraten.
Mit den Einheimischen statt gegen sie
Ein zentrales Element hierfür ist die Positionierung der Hotelgruppe abseits des Massentourismus. Anstatt – wie von Blaschitz als Negativbeispiel geschildert – in überlaufenen Urlaubsdomizilen wie Mallorca den Widerstand der Bevölkerung auf sich zu ziehen, setzt Jufa auf Infrastruktur, von der die Einheimischen genauso wie die Urlaubsgäste profitieren sollen: Spielplätze, Restaurants, Veranstaltungsräumlichkeiten. Philipp Greber, Hoteldirektor in Laterns, erklärt, wie das an seinem Standort funktioniert: „Der Bürgermeister ist regelmäßig da und hält Meetings und Termine bei uns ab. Gerne trinkt er auch mal privat ein Bier bei uns. Alle möglichen Vereine – Trachtenverein, Musikverein, Feuerwehr – treffen sich bei uns zur Jahreshauptversammlung. Die Einheimischen feiern runde Geburtstage oder kommen nach der Beerdigung zum Essen. Wir werden von der Bevölkerung gut angenommen.“
Investor Blaschitz sieht darin einen Weg, sich von anderen großen Hotelketten abzugrenzen: „Anstatt uns abzuschotten, wollen wir unsere Hotels für die Allgemeinheit öffnen. Wir sagen zu den Bürgermeistern: Wir haben eine Küche, einen Koch, Veranstaltungssäle – lass uns gemeinsam überlegen, wie wir die Infrastruktur so nutzen, dass wir beide was davon haben. Er kann seine Gemeinderatssitzung bei uns im Hotel abhalten, wir kochen für den Kindergarten und für die Schule mit.“
Individuelle Gestaltung
Auch mit der Gestaltung der Zimmer will Jufa einen anderen Weg als große Hotelketten einschlagen, die laut Blaschitz mit standardisierten Zweitbettzimmern auf die effizienteste Form der Bewirtschaftung setzt. „Wenn die ein Hotel bauen, schaut das in Hongkong gleich aus wie in Wien. Wir versuchen – zum Beispiel in Bregenz im Benger Areal – Immobilien sozusagen zu recyclen.“ Dadurch erhält Hotel ein individuelles Aussehen. Außerdem setzt Jufa auf Familienzimmer, in denen zwei Eltern plus zwei Kinder in einem Raum nächtigen können. „Statt zwei Zweibettzimmer buchen zu müssen, bezahlen sie nur für ein Zimmer. Das macht den Urlaub leistbarer“, verdeutlicht Blaschitz den Fokus auf ein familienfreundliches Angebot.
Geschäftsführer Wendl ergänzt: „Ihr lebt in Vorarlberg touristisch gesehen da, wo Milch und Honig fließen. Wenn man das auf eine sanfte Art mit authentischen Erlebnissen für die Gäste sichbar und leistbar machen kann, profitiert man als Einheimischer genauso wie als Gast.“ Perspektivisch könne er sich auch einen vierten Standort in Vorarlberg vorstellen, meint der Jufa-Gründer, konkrete Pläne gibt es aber noch keine.
KI-Automatisierung
Das Investment der Industrie- und Technologiegruppe EOSS bringt für Jufa aber auch eine große Umstellung: Man nützt die Expertise des Blaschitz-Unternehmens und setzt eine Digitalisierungsoffensive um. „Mit unserem neuen Betriebssystem haben wir eine Lösung entwickelt, die uns ins nächste Jahrzehnt bringen soll“, betont der steirische Unternehmer. „Darin sind alle IT-Systeme im ganzen Unternehmen verknüft, vom Reservierungssystem bis zum Zimmermanagement, über die Anbindung der Social-Media-Kanäle bis hin zu den OTS, den Online Travel Agencies. Heute buchen die Leute nicht mehr per Telefon, sondern es wird auf TikTok ein Event geteilt und der Gast sagt: ‚Da will ich auch hin.‘ Dann muss er auf einen Knopf drücken können und schon bei der Buchung sein.“ Mit enthalten im Betriebssystem ist auch ein touristisches Reizthema: Dynamic Pricing, also eine dynamische Preisgestaltung. Es gebe, versichern Geschäftsführer und Investor, aber eine Obergrenze. Mit dem System wolle man Frühbucher belohnen und auf hohe Nachfragen reagieren.
Blaschitz formuliert das Ziel der Digitalisierungsoffensive: „Die Hoteldirektoren müssen von der Administration freigespielt werden, sie sollen bei den Gästen sein. Die Bürotätigkeit übernimmt die KI.“ Anfang Dezember soll das neue Betriebssystem, das am Dienstag erstmals am Standort in Hamburg ausgerollt wurde, auch in Grebers Hotel in Laterns angelangen.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)