Zwist um Bauprojekt im Montafon: Käufer fühlen sich von Bauträger “getäuscht”

Die Anwohner des Ill-Litz-Hofes in Schruns stehen im Konflikt mit Jäger Bau. Sie empören sich über ein benachbartes Projekt der Silvretta Montafon und kritisieren falsche Versprechungen in Verkaufsunterlagen.
Verärgerte Wohnungseigentümer aus dem Montafon wendeten sich mit einem Schreiben an die NEUE am Sonntag. Sie erwarben zwsichen 2017 und 2019 eine von 30 Wohneinheiten im Ill-Litz-Hof, gelegen in der Batloggstraße in Schruns. Nun kritisieren sie den Bauträger der drei Mehrparteienhäuser, Jäger Bau: „Wir fühlen uns durch die damalige Verkaufsdarstellung getäuscht“. Im Zuge der Wohnungsverkäufe habe man mit Tatsachen geworben, die bald wohl nicht mehr gegeben sein dürften.
Im Mittelpunkt steht ein geplantes Mitarbeiterhaus von Silvretta Montafon. Diese will, angrenzend an die Mehrparteienhäuser, auf dem südlich vorgelagerten Grundstück in der Montafonerstraße ein sogenanntes „SiMotel“ errichten. „In den ‚SiMotels‘ befinden sich 25 hochwertige, voll ausgestattete Ein-Personen-Appartements mit jeweils circa 22 Quadratmetern, welche unseren Saison-Mitarbeitern eine adäquate, qualitätsvolle Heimat auf Zeit bieten“, führt das Unternehmen auf Nachfrage aus.
Südseitige Verbauung
Die Anwohner stoßen sich daran, dass das mehrstöckige Gebäude laut deren Angaben für eine Wertminderung ihrer Wohnungen sorgen könnte. Sie wollen anonym bleiben, nicht namentlich mit zwei wichtigen Arbeitgebern in der Region in einen öffentlichen Konflikt treten. In dem Schreiben teilen sie mit: „Die Wohnungen wurden seinerzeit von Jäger Bau verkauft. Zum Zeitpunkt unseres Kaufs gehörten auch die südlich vorgelagerten Grundstücke dem Bauträger. Uns wurde im Zuge des Verkaufs vermittelt, dass wir uns hinsichtlich einer zukünftigen massiven Verbauung und insbesondere hinsichtlich unseres Ausblicks keine Sorgen machen müssten, das Grundstück gehöre sowieso Jäger Bau. Genau diese Situation war für viele von uns ein wesentlicher Grund für die Kaufentscheidung.“

In den Verkaufsunterlagen und Prospekten, die dem Schreiben beiliegen, wird eine hochwertige, aufgelockerte Wohnanlage mit großzügigen Grünflächen, einem „parkähnlichen Innenhof mit eingeschossigem Bürogebäude“, einer „wunderschönen Aussicht“ sowie geschützten privaten Außenbereichen beworben. Auf jenem Grundstück, wo nun das „SiMotel“ entstehen soll, war ursprünglich ein eingeschossiges Gebäude vorgesehen. „Im Kaufvertrag findet sich zudem eine Formulierung mit einer ‚maximalen Gebäudehöhe von fünf Metern‘. Auch wenn dieser Passus juristisch möglicherweise im Zusammenhang mit Abstandsflächen zu beurteilen ist, wurde er von zahlreichen Käufern so verstanden, dass die Bebauung vor unseren Wohnungen entsprechend niedrig bleiben würde“, erklären die Eigentümer.

Entscheidend in der Causa ist der 2022 erfolgte Umzug der Jäger-Bau-Zentrale nach Bludenz. „Im Zuge der Absiedelung unserer Zentrale aus Schruns wurden die Liegenschaften an die Firma Teflac Immobilien GmbH & Co KG verkauft“, teilt der Bauträger auf NEUE-Anfrage mit. Silvretta Montafon kaufte dem Immobilienunternehmen die Liegenschaft im Jahr 2025 ab, laut eigenen Angaben wegen der verkehrsgünstigen Lage.
Baubescheid ist rechtskräftig
Rechtlich ist der Bau des „SiMotels“ unumstritten: Wie Silvretta Montafon mitteilt, liegt für das Projekt ein rechtsgültiger Baubescheid vor. „Sämtliche Auflagen werden seitens der Silvretta Montafon eingehalten. Geplanter Baustart ist im Oktober 2026.“ Auch Jäger Bau hält in der Anfragebeantwortung fest: „Der heutige Eigentümer beabsichtigt, ein Objekt zu errichten, das die damals vertraglich vorgesehenen Abstandsnachsichten der Wohnungseigentümer zur gegenständlichen Liegenschaft nicht in Anspruch nimmt.“

Für die Eigentümer bleibt ein fader Beigeschmack. „Für uns steht die heutige Planung in einem massiven Widerspruch zu jener Gesamtsituation, mit der die Wohnungen damals präsentiert und verkauft wurden. Statt eines eingeschossigen Gebäudes und eines parkähnlichen, offenen Umfeldes droht nun ein wesentlich größerer Baukörper unmittelbar vor den bestehenden Wohnungen“, entnimmt man dem Schreiben. „Die Folgen sind für die betroffenen Eigentümer erheblich: Einschränkungen bei Aussicht, Belichtung und Besonnung, Verlust der bisherigen Offenheit, stärkere Einsicht in Wohnungen und private Außenflächen und damit eine Beeinträchtigung der Privatsphäre. Hinzu kommt aus unserer Sicht das erhebliche Risiko einer Wertminderung der Wohnungen sowie schlechterer Voraussetzungen bei einer späteren Vermietung oder einem Wiederverkauf.“
Zwist um Möglichkeit zum Kauf
Zu einem weiteren Vorwurf teilen sich die Ansichten: „Bei uns Eigentümern sorgt für Unverständnis, dass Teile der ursprünglich dem Bauträger gehörenden Flächen zwischenzeitlich verkauft wurden, ohne dass unseres Wissens nach den bestehenden Eigentümern die Möglichkeit eröffnet wurde, über einen möglichen Erwerb dieser Flächen zu sprechen.“ Jäger Bau dementiert diese Darstellung: „Als die Liegenschaft durch die Teflac Immobilien GmbH & Co KG weiterverkauft wurde, haben wir einen Eigentümer der Wohnanlage schriftlich vom anstehenden Weiterverkauf informiert und entsprechende Kontakte vermittelt.“
Das Unternehmen betont, man habe im Zuge der Kritik der Anwohner im Ill-Litz-Hof immer wieder Gespräche mit den bekannten Eigentümern geführt. Auf die Frage, wie Jäger Bau die befürchtete Wertminderung der Wohneinheiten beurteilt, erklärt man: „Dies haben wir nicht zu beurteilen.“ Silvretta Montafon erklärt ergänzend: „Zur Situation zwischen Bauträger und Eigentümern des Ill-Litz-Hofes können wir keine Stellung nehmen.“

Abschließend halten die Wohnungseigentümer in ihrem Schreiben fest: „Wir möchten ausdrücklich klarstellen, dass sich unser Ärger nicht grundsätzlich gegen die Errichtung von Mitarbeiterunterkünften richtet. Uns geht es um die Frage, wie Wohnungen damals verkauft und welche Erwartungen durch Verkaufsunterlagen, Visualisierungen und Aussagen geschaffen wurden – und wie massiv die heutige Situation davon abweicht.“
(NEUE am Sonntag)