Vorarlberg

Bludenzer Innovation für Früchte aus Uganda

04.10.2026 • 10:00 Uhr
Bludenzer Innovation für Früchte aus Uganda
Daniel Neyer mit den getrockneten Ananas von Twiga Sun Fruits. Hartinger

Nachhaltige Energie und eine Vertriebsplattform in Österreich für Bio-Bauern in Uganda: Auf diesem Konzept basiert Twiga Sun Fruits von Unternehmer Daniel Neyer (43).

Getrocknete Ananas-, Mango- und Bananenstücke, Schokolade, Eis und eigener Gin: Das ist nur eine Auswahl der Produkte, die man im Shop von Twiga Sun Fruits in Bludenz-Radin findet. Hinter dem kleinen Geschäft verbirgt sich eine Biobauern-Kooperative, von der die Einheimischen in Uganda ebenso profitieren wie das Vorarlberger Unternehmen.

Bludenzer Innovation für Früchte aus Uganda
Nur ein kleiner Teil des Sortiments im Twiga-Shop. Hartinger

Den Grundstein für das Projekt legten Daniel Neyer und Kerstin Wolf. „Meine Geschäftspartnerin hat in Ugandas Hauptstadt Kampala drei Monate als Freiwillige gearbeitet. Dort ist die Idee entstanden, solare Energie produktiv zur Trocknung von Früchten einzusetzen“, erklärt der Bludenzer, der mit seinem Ingenieursbüro Neyer Brainworks GmbH die Rolle als Umsetzungspartner übernahm.

Win-Win-Situation

Von dem Konzept profitieren alle Player. Neyer ist als Geschäftsführer der Twiga Sun Fruits GmbH eingetragen. Das Unternehmen nützt die mit dem Know-How von Neyer Brainworks entwickelte Trocknungsanlage, um Ananas, Bananen und Mangos zu trocknen. 25 lokale Mitarbeiter in Uganda schneiden die Früchte in Stücke und bereiten sie für die Anlage vor, in der die Stücke zwischen 16 und 20 Stunden bei 60 Grad Celsius getrocknet werden. Danach wird sie final für den europäischen Markt verpackt.

Twiga Sun Fruits
Das Team in Uganda bei der Arbeit. Twiga Sun Fruits / russel pictures

„Wir exportieren und importieren nach Europa und sorgen für den Vertrieb und Verkauf. Mit unseren Produkten refinanzieren wir die Anlage“, erläutert Neyer. „Aktuell haben wir eine Trocknungskapazität von sieben bis zehn Tonnen pro Jahr. Aktuell investieren wir 1,3 Millionen Euro in den Scale-Up des Unternehmens, sodass wir auf lange Sicht bis zu 100 Tonnen Trockenfrüchte pro Jahr herstellen können.“

Twiga Sun Fruits
Die Twiga-Initiatoren mit ihrem Team in Uganda. Twiga Sun Fruits/russel pictures

Die lokalen Bauern in Uganda profitieren auf der anderen Seite von der internationalen Verkaufsplattform, der Infrastruktur und der Unterstützung von Twiga Sun Fruits bei der aufwändigen Bio-Zertifizierung. Sabrina Platzer, Assitentin von Neyer, erklärt: „Unsere Lebensmittel unterlaufen vier Bio-Zertifizierungen. Einmal wird jeder Bauer einzeln zertifiziert, dann wird die Kooperative, also der Zusammenschluss der Bauern, sowie die Verarbeitungsfirma vor Ort zusätzlich geprüft. Twiga Sun Fruits unterläuft als Importeur und Händler in Europa nochmals einer separaten Bio-Kontrolle. Alles wird nach europäischen Standards überprüft und jedes Jahr rezertifiziert.“

Bludenzer Innovation für Früchte aus Uganda
Sabrina Platzer mit der Ananas-Schokolade, die im Shop verkauft wird. Hartinger

Teil des von Neyer und seinem Team implementierten System ist das Zero-Waste-Prinzip, wie Neyer ausführt: „Aus den Produkten generieren wir auch andere Erzeugnisse wie Schokoladen, Marmeladen oder Eis. Auch die organischen Abfälle werden wiederverwendet, in erster Linie für Saft, Essig, Wein oder Reinigungsalkohol. In der Scale-Up-Phase kommt zusätzlich die Komponente der Urproduktion hinzu. Wir haben neun Hektar Land, wo wir zeigen, wie Ananas ganzjährig angebaut werden kann. Dazu betreiben wir eine Kreislaufwirtschaft mit Aquaponik, Fisch- und Gemüsezucht sowie eine Hühnchenfarm. Die Reste daraus benutzen wir zur Biogasproduktion. So entwickelt sich das Ganze zu einem System.“

Schwieriger Beginn

Zu Beginn der Partnerschaft habe man einiges an Aufbauarbeit im ugandischen Ort Kangulumira, wo die Anlage steht, leisten müssen. „Das liegt Irgendwo im Nirgendwo, ohne Stromanbindung, ohne Wasser. Wir haben zuerst einen Brunnen gebaut und eine Photovoltaikanlage mit Batterie errichtet, um energieautark zu sein. Im Dorf gab es zwar eine Stromversorgung, aber für unsere Anlage hätten wir eine zwei Kilometer lange Leitung herstellen müssen, die lange nicht so zuverlässig ist wie hierzulande. Während bei uns der Strom vielleicht ein paar Minuten pro Jahr ausfällt, gibt es in Uganda oft stundenlange Ausfälle jeden Tag“, schildert der Bludenzer. „Wenn die Trocknungsanlage ausfällt, haben wir dieselben Probleme, die ursprünglich dort herrschten: Tonnenweise Früchte müssen weggeworfen werden.“

Twiga Sun Fruits
Dank der zuverlässigen Stromversorgung funktoiniert die Trocknung einwandfrei. Twiga Sun Fruits/russel pictures

Die Bevölkerung sei beim Projektstart 2020 direkt Feuer und Flamme gewesen, sagt Neyer. „Durch den Früchteverkauf und andere neue Jobs haben sie eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Später ging es um Konstanz: Wir mussten Vertrauen aufbauen, indem wir zeigen, dass wir langfristige Partner sind und das gemeinsam umsetzen, anstatt kurzfristig auf ihre Kosten Profit zu schlagen. Das braucht viel Know-how und Geduld.“

Ausbau der Verkaufsplattform

Neben der Aufbauarbeit in Uganda arbeitet Twiga Sun Fruits parallel am Aufbau einer Verkaufsstruktur. Aktuell sind die Produkte neben dem Laden in Bludenz und dem Twiga-Onlineshop auch in Vorarlberger Bio-Geschäften, den Weltläden in Bludenz und Feldkirch sowie bei s‘Fachl in Dornbirn, Graz, Linz und Wien erhältlich. Auch auf Märkten und Messen im Land ist das Twiga-Team präsent. „Zu Beginn mussten wir das Thema Management und Kontinuität lösen. Jetzt gehen wir das Thema Vertrieb an“, erzählt Neyer. Ziel ist es, die Twiga-Produkte künftig flächendeckend im Einzelhandel anbieten zu können.

Twiga Sun Fruits
So sieht die von Neyers Ingenieursbüro konzipierte Anlage aus. Twiga Sun Fruits/russel pictures

Zum Abschluss ein netter Fakt zum Namen des Unternehmens: Auf Suaheli, der Amtssprache Ugandas, bedeutet „Twiga“ übersetzt „Giraffe“.

(NEUE am Sonntag)