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Heimische Kunstszene im Schwinden begriffen

05.05.2022 • 18:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
allerArt-Obmann Wolfgang Maurer, Landesrätin Barbara Schöbi-Fink sowie die Ankäufer Herta Pümpel und Erhard Witzel (v.l.).<span class="copyright">Hofmeister</span>
allerArt-Obmann Wolfgang Maurer, Landesrätin Barbara Schöbi-Fink sowie die Ankäufer Herta Pümpel und Erhard Witzel (v.l.).Hofmeister

Derzeit werden wieder die Kunstankäufe des Landes vom Vorjahr präsentiert – allerdings scheint die Kunst im Land an Relevanz zu verlieren.

Das Land präsentiert derzeit die Kunstankäufe des Jahres 2021 in der Galerie allerArt und der Kellergallerie kukuphi in Bludenz. Die Pressekonferenz, die dazu sta

Das Land präsentiert derzeit die Kunstankäufe des Jahres 2021 in der Galerie allerArt und der Kellergallerie kukuphi in Bludenz. Die Pressekonferenz, die dazu stattgefunden hatte, war geprägt von Selbstlob. Immerhin wurde das Ankaufsbudget jetzt von 100.000 Euro auf 125.00 Euro angehoben. Abseits von den angekauften Werken und deren Präsentation, die Landes-Kulturamtsleiter Winfried Nußbaumüller als „Ritual einer lieb gewordenen Tradition“ bezeichnete, ist in der Kunstszene in Vorarlberg manches in Schieflage geraten.
Die Messe Dornbirn verkündete unlängst in einer wortreichen Presseaussendung, warum die Kunstmesse Art Bodensee nicht mehr stattfindet (die NEUE berichtete). Der Hinweis, dass das Land mit 15.000 Euro am Budget der Dornbirner Kunstmesse beteiligt gewesen sei, aber natürlich die Messe nicht selbst veranstalten kann, mag stimmen. Allerdings wäre die Kulturabteilung des Landes trotzdem in der Pflicht gewesen, sich verhandlungstechnisch und mit ihrem Know-how einzubringen, um diese Messe zu retten.

<span class="copyright">wolfgang ölz</span>
wolfgang ölz

Verschwunden

Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung in den letzten Jahren auch untergegangen, dass einige Kunstplattformen so nicht mehr existieren. Das Magazin 4 in Bregenz und das Palais Liechtenstein in Feldkirch sind nicht mehr die Institutionen, die sie einmal waren. Häusler Contemporary hat die

Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung in den letzten Jahren auch untergegangen, dass einige Kunstplattformen so nicht mehr existieren. Das Magazin 4 in Bregenz und das Palais Liechtenstein in Feldkirch sind nicht mehr die Institutionen, die sie einmal waren. Häusler Contemporary hat die Dependance in Lustenau gestrichen. Der Kunstraum Otten in Hohenems wurde geschlossen. Die Galerie Peithner-Lichtenfels, die eine Dependance in Feldkirch hatte, hat sich nach Wien zurückgezogen. Wie geht es mit den zwei Bregenzer Galerien weiter, deren Betreiber hier auch nicht mehr Jahrzehnte weitermachen werden können?
Sicher gibt es neue Off-spaces und Galerienprojekte – auch der Standard-Ruf nach einer Landesgalerie wird die Kunst im Land nicht retten. Es ist aber ein Bruch zu bemerken. Nicht nur in den Präsentationsmöglichkeiten der Kunst, auch die bildende Kunst selbst, wie wir sie kritisieren und jetzt im Rahmen der Kunstankäufe präsentiert wird, hat einen Bruch in der Qualität. Wird qualitativ herausragende Kunst in Vorarlberg bald ein öffentlich dotiertes Rentnerhobby sein? Können das Land, die Galeristen und Galeristinnen und die Künstler und Künstlerinnen etwas tun, damit Kunst auch noch außerhalb des engen Zirkels der Kunst relevant wird?

37 Positionen

Die letzte Ankaufsperiode sei von künstlerischer Vielfalt geprägt, heißt es in der Pressemittelung zu den Ankäufen. Die Kunstankäufer Herta Pümpel und Erhard Witzel, die nächstes Jahr von Andrea Fink und Isabella Marte abgelöst werden, haben 37 Positionen in allen Genres angekauft: „Insgesamt wurden 72 Arbeiten angekauft, die werktechnisch alle möglichen Bereiche abdecken, von der Zeichnung über die Acryl- und Ölmalerei, Collage, Mischtechnik und Fotografie, bis hin zu Nähbildern, Drucken und Objekten aus Kunstharz und Keramik sowie Steinbildhauerei.“
Es wurden Werke von etablierten, bekannten Künstlern und Künstlerinnen angekauft wie zum Beispiel Hubert Dobler, Dietmar Fend, die Getzner-Brüder,

Die letzte Ankaufsperiode sei von künstlerischer Vielfalt geprägt, heißt es in der Pressemitteilung zu den Ankäufen. Die Kunstankäufer Herta Pümpel und Erhard Witzel, die nächstes Jahr von Andrea Fink und Isabella Marte abgelöst werden, haben 37 Positionen in allen Genres angekauft: „Insgesamt wurden 72 Arbeiten angekauft, die werktechnisch alle möglichen Bereiche abdecken, von der Zeichnung über die Acryl- und Ölmalerei, Collage, Mischtechnik und Fotografie, bis hin zu Nähbildern, Drucken und Objekten aus Kunstharz und Keramik sowie Steinbildhauerei.“
Es wurden Werke von etablierten, bekannten Künstlern und Künstlerinnen angekauft wie zum Beispiel Hubert Dobler, Dietmar Fend, die Getzner-Brüder, Marianne Greber, Christine Katscher, Philipp Leissing, Hanno Metzler, May-Britt Nyberg Chromy, Alfred Graf und Erich Smodics. Man bemühte sich auch, die jüngere und jüngste Generation zu berücksichtigen, etwa mit Arbeiten von Luka Jana Berchtold, Persic Drago, den ­Hagen-Brüdern und Lorenz Helfer.
Meine persönlichen Favoriten: Margit Krismer, die mit ihrem mystischen Hintergrund eine sehr tiefsinnige Malerei repräsentiert. Bianca Lugmayr, die technische Brillanz mit exis­tenzieller Tiefe verbindet. Johan Jansen, der mit seiner altmeisterlichen Kunst, überlagert von gesprayten Bildelementen, in Vorarlberg reüssiert. Hermann Präg, der mit einer Arbeit aus seinem Fotowerk angekauft wurde, das mit einem raffinierten Goldgrund arbeitet, der an die byzantinische Kunst vor Giotto anzuschließen scheint.


Bis 18. Juni, Mittwoch bis Sonntag sowie Feiertag, jeweils von 5 bis 18 Uhr. https://allerart-bludenz.at

Wolfgang Ölz

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