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Telefonbetrug in Bregenz: Wenn die eigene Stimme zur Falle wird

12.02.2026 • 14:12 Uhr
Telefonbetrug in Bregenz: Wenn die eigene Stimme zur Falle wird
Dr. Franz Valandro sind mehrere Betrugsmaschen bekannt.Gorbach/Arbeiterkammer

Immer öfter nutzen Kriminelle künstliche Intelligenz, um Stimmen täuschend echt nachzuahmen. Im Bezirk Bregenz wurde ein junger Mann und seine Mutter unfreiwillig zum Beispiel dafür.

Wie viele andere wird auch Fabian B.* immer wieder von unbekannten Nummern aus dem Ausland angerufen. Der junge Mann aus dem Bezirk Bregenz weiß, dass es sich dabei meist um betrügerische Anrufe handelt, und hebt daher für gewöhnlich nicht ab, wenn eine solche Telefonnummer auf dem Display seines Smartphones aufscheint.

Schweigen in der Leitung

Vor einigen Wochen machte er jedoch eine Ausnahme. „Ich glaube, ich war gerade in der Arbeit und in einer Stresssituation, habe nicht genau hingeschaut und den Anruf mit der unbekannten Nummer aus Reflex entgegengenommen“, erzählt Fabian B.* der NEUE.
„Hallo? Hier ist Fabian B.*, hören Sie mich?“ Vom anderen Ende der Leitung kam nur Schweigen. Fabian B. legte auf, widmete sich wieder seinem Alltag und dachte nicht weiter über das einseitige Telefonat mit der ausländischen Nummer nach.

Fabian B. Telefonbetrug
Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen klonen. Privat

Welcher Sprachkurs?

Zumindest so lange nicht, bis ihn seine Mutter Wochen später fragte, ob nun alles mit dem Sprachkurs geklappt habe. Fabian B.* war verwirrt. Welcher Sprachkurs? Seine Mutter erklärte ihm, er habe sie vor einigen Wochen angerufen und um Geld für einen Sprachkurs gebeten. Fabian B. zweifelte kurz an seinem Erinnerungsvermögen. Ein Blick in seine Anrufliste bestätigte ihm jedoch, dass er seine Mutter an jenem Tag, an dem sie den angeblichen Anruf erhalten haben will, nicht kontaktiert hatte.
„Meine Mutter schwört, dass ich sie angerufen hätte. Es war meine Stimme, mein Dialekt und meine Telefonnummer“, betont Fabian B.* Die Mutter berichtet, ihr vermeintlicher Sohn habe sie am Telefon angewiesen, mehrere Tausend Euro für den angeblichen Sprachkurs auf ein ausländisches Konto zu überweisen.

Fabian B. Telefonbetrug
Betrüger können eine falsche Nummer am Display aufscheinen lassen. Privat

Alle Altersgruppen betroffen

Der Arbeiterkammer Vorarlberg sind Betrugsmaschen wie im Fall von Fabian B.* bekannt. „Betroffen davon sind Personen aus allen Altersgruppen“, erklärt Anwalt Franz Valandro vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer. Die Zahl der Vorfälle steigt derzeit. Dank moderner Technik und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz ist es in den vergangenen Jahren zunehmend leichter geworden, am Telefon eine falsche Identität vorzutäuschen. Bei Fabian B. kamen offenbar zwei Betrugsmethoden zum Einsatz.

Franz Valandro
Dr. Franz Valandro vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Vorarlberg. Jürgen Gorbach/Arbeiterkammer

Gefälschte Nummern

Dem Empfänger eine falsche Nummer vorzutäuschen, ist seit Jahren möglich. Für das sogenannte „Caller-ID-Spoofing“ gibt es mehrere technische Möglichkeiten. Das Landeskriminalamt informiert: „Aufgrund technischer Schutzmaßnahmen der Telefonanbieter ist das Spoofing österreichischer Telefonnummern inzwischen nur noch eingeschränkt möglich.“
Valandro ergänzt, dass diese Betrugsmethode über Online-Telefondienste wie Whatsapp weiterhin leicht funktioniere.

Wer ist da?

Die zweite Methode, die im Fall von Fabian B.* zum Einsatz kam, basiert auf neuester Technologie. Was vor wenigen Jahren noch künstlich und mechanisch klang, „atmet“ heute zwischen den Sätzen, räuspert sich und spricht sogar Dialekt.
KI-generierte Stimmen klingen zunehmend authentisch und sind selbst für nahestehende Zuhörer immer schwerer zu erkennen. Für sogenannte Stimmklone reichen inzwischen wenige Wörter oder ein, zwei kurze Sätze – wie im ominösen, einseitigen Telefonat von Fabian B. –, um eine glaubhafte Kopie einer Stimme zu erstellen.

Echt erkennt echt

Doch wie kann festgestellt werden, mit wem man tatsächlich telefoniert? Valandro rät: „Auch wenn es sich vielleicht komisch anfühlt, sollte man dem Anrufer Fragen stellen, die nur diese Person beantworten kann.“ Etwa: „Weißt du noch, wo wir uns das letzte Mal persönlich getroffen haben?“ Was hast du damals im Café bestellt?“ oder: „Als du zuletzt krank warst, was hat dir dein Arzt zusätzlich geraten?“
Außerdem empfiehlt Valandro, die Situation stets kritisch zu hinterfragen, besonders wenn es um Geldüberweisungen oder dergleichen geht. Man sollte sich fragen: „Ist es realistisch, dass diese Person plötzlich so viel Geld von mir verlangt?“ Ebenso ratsam ist es, vorzuschlagen, zusätzlich über andere Kommunikationskanäle wie zum Beispiel Textnachrichten oder soziale Netzwerke zu kommunizieren, um sich abzusichern.

*Name von der Reaktion geändert.