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Speeddating mit Gottes Segen: Singlegottesdienst in Feldkirch

13.02.2026 • 19:30 Uhr
Valentinstag Junge Kirch
Die NEUE war beim Auftakt zum Singlegottesdienst im Raum der Jungen Kirche Vorarlberg in Feldkirch. Jaeneke

Den Valentinstag haben junge Menschen im Rahmen der Jungen Kirche Vorarlberg in Feldkirch gefeiert. Gott und ihren Mut und potenziellen Partnern und Partnerinnen zu begegnen.

„Bei unseren früheren Singlegottesdiensten ist immer mindestens ein Paar zusammengekommen. Wir haben sogar schon das zweite Singlegottesdienst-Baby“, erzählt der Jugendseelsorger Fabian Jochum, der auch Dompfarrer in Feldkirch ist und den Singlegottesdienst gestaltet. Bereits zum vierten Mal veranstaltet die Junge Kirche Vorarlberg – gemeinsam mit der österreichischen Initiative „Denk dich neu“ – den Singlegottesdienst für junge Menschen in Feldkirch. Anlass ist der Valentinstag, neue Interessierte sollen andocken, Gleichgesinnte finden, ja, vielleicht sogar die Partnerin, den Partner fürs Leben. Pfarrer Jochum ist 41 Jahre alt, Corinna Peter, die den Abend mitorganisiert hat, ist 33. „Berufsjugendlich“ nennt sie sich, für die Junge Kirche macht sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit. Pfarrer Jochum sagt: „Humor ist wichtig, ebenso Vertrauen auf das Wirken Gottes. Es ist ein Herzensanliegen Gottes, dass wir in Liebe verbunden sind.“ Corinna Peter wird später, unter dem Beat der Musik im „Bunt“, wo der Abend ausklingt, sagen: „Uns ist jedwede Liebe willkommen, die heterosexuelle genauso wie die homosexuelle.“

Valentinstag Junge Kirch
Pfarrer Fabian Jochum und Maria Hämmerle lasen aus der Bibel.

Ein besonderer Abend

Quietschsüß schmeckende Marshmallows in Herzform stehen auf den Tischen im Raum der Jungen Kirche. Hier finden Bibelabende, Gamenights, Kleidertauschpartys und vieles andere statt. An diesem Abend streben rote Ballons in Herzform Richtung Decke, werden später unter den Gekommenen verteilt und mitgenommen, der ein oder andere wird unfreiwillig in den Nachthimmel aufsteigen. Die Jugendlichen des Abends tröpfeln herein, viele junge Männer sind es, im Sakko, im Hoodie, mit Lederschuhen oder ausgelatschten Turnschuhen. Amos nennt einer sich, er ist einer der ersten. Mit gepflegtem Bart und wachen braunen Augen verfolgt er das Geschehen, holt sich erst mal eine Almdudler-Limonade. Er erzählt von seiner Obdachlosigkeit, von Drogen und dem täglichen Kampf gegen Dämonen und den Teufel. „Aber Jesus hat mich gerettet und hierhergeführt.“ Voller Zuversicht und Gottvertrauen steht er da. Inzwischen ist er von München nach Feldkirch gezogen, hat wieder eine Wohnung, arbeitet als Barkeeper. „Da kann ich den Leuten gut von Jesus erzählen. Manche wollen es nicht hören, das ist auch okay.“ So einen weiten Weg zurückgelegt zu haben, das muss Sinn machen, ist er überzeugt. Er teilt seine Geschichte gerne und freut sich, wenn andere davon etwas mitnehmen.

Valentinstag Junge Kirch
Beim Speeddating auf dem Marktplatz ergaben sich lustige Komplikationen.

Besondere Abwechslung

Ihre Geschichte haben hier alle. Sei es der stotternde Alfred oder Luis, der gerne ein bisschen dick aufträgt. Alle vereint, dass sie gerne in guter Gesellschaft sein möchten. Die Auszubildende Lea Presterl freut sich, ebenso wie die Praktikantin Nadja Dobler, über die Abwechslung: „Es macht Mega-Spaß, bei solchen Projekten dabeizusein.“ Flirt-Tipps haben sie auch: „Man sollte unvoreingenommen auf die Leute zugehen und offen für Neues sein. Sei ehrlich und du selbst, versteck nicht dich und was du bist, früher oder später kommt es eh raus.“ Mit ihren Herzchen-Haarreifen werden sie nur noch getoppt von Pfarrer Jochum, der mittlerweile Engelsflügel trägt, einen Feenstab und einen flauschigen Heiligenschein. Gut gelaunt führt er durch den Abend, der Gottesdienst findet großteils draußen statt und wird immer wieder durch Spiele und einmal durch die Einkehr im Dogana unterbrochen. Hier gibt es einen „Liebestrank“, auf Wunsch mit Schuss.

Speeddating mit Gottes Segen: Singlegottesdienst in Feldkirch
Nadja Dobler und Lea Presterl vom Organisationsteam auf Tour.

Die jungen Leute sind eher verhalten, die beiden jungen Frauen stellen sich immer wieder aktiv in eine Männerrunde hinzu, aber dass sich jemand brennend für sie interessiert, dieses Gefühl haben sie eher nicht. Eine von ihnen verabschiedet sich zwischendurch, sie findet es schade, dass so wenig Frauen gekommen sind. „Dieses Problem haben wir jedes Mal“, seufzt Corinna Peter. Die andere junge Frau hält durch. Die 26-jährige Goldschmiedin ist in Hohenems bei der Jungen Kirche aktiv. Dass die Jungs so schüchtern sind, erstaunt sie etwas. Auf dem Marktplatz von Feldkirch stehen sie sich dann gegenüber und sollen sich dreißig Sekunden zu einer Frage austauschen: ein lustig-chaotisches Speeddating: „Hier fehlt jemand!“, „Bei uns ist eine Frage zu viel!“ Kurzzeitige Auflockerung. Später vor dem Dom gibt es einen Herzchen-Konfettiregen und Zitate aus der Bibel, aus dem Hohelied der Liebe: „Gott ist das Feuer der Liebe in allen Dingen.“ Beim Blinzelspiel blicken alle zu Boden und auf drei nach oben. Wessen Blicke sich treffen, die scheiden aus und dürfen die Zweisamkeit auskosten. Dass die jungen Leute sich in die Begegnung trauen, hat sich Pfarrer Jochum gewünscht. Ob der Wunsch Wirklichkeit geworden ist?