Pioniere im Einsatz für den Klimaschutz

Sie produzieren Wärme aus Holz und entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid. Familie Ilg hat ihr Biomassekraftwerk zu einer aktiven CO2-Senke weiterentwickelt.
Was im Dornbirner Wallenmahd seit Jahren Strom und Wärme liefert, ist seit September 2025 um eine Technologie reicher, die international Aufmerksamkeit erregt: Das EnergieWerk Ilg hat sein Biomassekraftwerk zu einer aktiven CO₂-Senke erweitert. „Jemand muss es ja mal versuchen, obwohl es aktuell nicht wirtschaftlich ist“, sagt Geschäftsführer Tobias Ilg im Gespräch mit der NEUE.

Nach Angaben der Betreiber handelt es sich um die weltweit erste realisierte Kopplung von Carbon Capture und Pflanzenkohleproduktion in einem Biomassekraftwerk. Für das Projekt erhielt das Unternehmen den Holzenergiepreis Österreich 2025 in der Kategorie Hackschnitzel.
Familienbetrieb
Gegründet wurde das Unternehmen von Tobias und Bernhard Ilg. Vor rund 25 Jahren begann alles als landwirtschaftlicher Betrieb, heute versteht sich das EnergieWerk als moderner Energieerzeuger mit klarem Anspruch: nicht nur CO₂-neutral zu wirtschaften, sondern aktiv CO₂ aus dem Kreislauf zu entziehen.
Das Grundprinzip ist rasch erklärt. In Dornbirn wird Waldhackgut verwertet. Daraus entstehen Strom und Wärme, die elektrische Anschlussleistung liegt bei 500 Kilowatt. Bei der Vergasung entsteht Abgas, das Kohlendioxid enthält. Genau dieses CO₂ wird nun nicht mehr einfach abgegeben, sondern gezielt abgeschieden.

Kern der Anlage ist eine aminbasierte Technologie des niederländischen Unternehmens Bright Renewables. Pro Jahr werden mit dem Verfahren in Dornbirn rund 3700 Tonnen beziehungsweise 3,7 Millionen Kilogramm biogenes CO₂ aus dem Abgasstrom gefiltert. Das Gas wird verflüssigt und erreicht eine Reinheit von 99,995 Prozent.
Was ist Carbon Capture?
Carbon Capture bedeutet, dass Kohlendioxid direkt an der Quelle abgefangen wird, bevor es in die Atmosphäre gelangt. In Dornbirn geschieht das im Abgas des Biomassekraftwerks. Das CO₂ wird chemisch gebunden, anschließend wieder gelöst, gereinigt und verflüssigt. So entsteht ein nutzbarer Rohstoff statt eines Abfallprodukts.

Nichts bleibt ungenutzt
Ein Teil des verflüssigten CO₂ geht an regionale Getränkehersteller in Vorarlberg. Es landet im Bier oder in Limonaden. Der Unterschied: Statt CO₂ aus fossilen Quellen zu verwenden, stammt es hier aus Holz und ist damit biogen.
Parallel entsteht Pflanzenkohle. Sie bindet Kohlenstoff langfristig. Rund 800 Tonnen CO₂ werden pro Jahr auf diesem Weg in fester Form gespeichert. Insgesamt werden etwa 30 Prozent des gebundenen Kohlenstoffs als Pflanzenkohle fixiert, 56 Prozent als flüssiges CO₂ abgeschieden. Der Rest geht neutral in den natürlichen Kreislauf zurück.
Sogar die Asche bleibt nicht ungenutzt. Eine Tonne Asche kann nach Angaben des Unternehmens rund 240 Kilogramm CO₂ speichern. Auch sie wird weiterverwertet.

Klimabeton
Für Tobias Ilg liegt das größte Potenzial allerdings nicht im Getränkebereich, sondern im Bauwesen. „Wenn man den Kohlenstoff aus erneuerbaren Quellen verbrennt, ist man CO₂-neutral. Wenn wir in die Anwendung gehen, beispielsweise mit Beton sind wir CO₂-negativ“, erklärt der findige Unternehmer.
Die Pflanzenkohle wird Beton oder Asphalt beigemischt. Der darin enthaltene Kohlenstoff bleibt dauerhaft gebunden. Laut Ilg konnte bei aktuellen Projekten der CO₂-Fußabdruck des Betons um rund 40 Prozent reduziert werden. „Das Ziel der EU ist, zehn Prozent bis 2030 zu schaffen. Wir machen heute schon 40 Prozent“, erklärt Ilg stolz.
Pionierarbeit
Noch trägt sich das Projekt wirtschaftlich nicht vollständig selbst. Die Technik ist aufwendig, der Markt für größere Mengen an Pflanzenkohle und biogenem CO₂ entwickelt sich erst. CO₂-Zertifikate werden bereits verkauft, unter anderem an Microsoft. Diese laufen über den freiwilligen Markt und können nicht mit der nationalen CO₂-Bepreisung gegengerechnet werden.

In Dornbirn ist so ein Kraftwerk entstanden, das nicht nur Energie liefert, sondern Kohlenstoff als Rohstoff begreift. Strom, Wärme, Kohlensäure für Getränke, Pflanzenkohle für Beton, selbst die Asche wird genutzt. Tobias Ilg sieht darin weniger ein fertiges Geschäftsmodell als einen Anfang. Die Technik sei da, sagt er, nun müsse der Markt nachziehen.

