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Velostories #1: Selber Auto

21.02.2026 • 15:00 Uhr
Velostories #1: Selber Auto
Unser aller großer Hickl reitet gegen den imaginierten Sonnenuntergang an der Leine und mit Anhang.APA

„Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung, ich glaube an das Pferd.“ (Kaiser Wilhelm II., 1906)

Entweder war der letzte deutsche Kaiser sehr visionär oder was mit Blick auf die Geschichte wahrscheinlicher ist, eher nicht. Wie alle, die mit vollen Hosen stinken und das gerne als eine schlaue Sache empfinden, war er im Nachhinein betrachtet einfach nur etwas beschränkt in seiner Wahrnehmung. Wissenschaftlich betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er recht hatte oder halt noch sehr spät recht bekommt. Ich würde hier Pferd mit Velo austauschen. Dann dürfte die Wahrscheinlichkeit doch entscheidend höher werden. Er selber hatte ja widersprüchlicherweise als Technikfan schon einen ausgeprägten motorisierten Fuhrwagenpark, na ja, eigentlich nicht er, sondern natürlich das sogenannte Volk. Selber mit ehrlicher Arbeit erwirtschaftet hat er es ja nicht, der Erbkaiser.

Heute wird ja gerne wieder vom „Betonieren“ gesprochen, wenn es um die Ankurbelung der Wirtschaft geht. Wenn schon betonieren, dann empfehle ich das Einbetonieren von allen rein einzelpersonen-, privat- oder freizeitgenutzten Automobilen. Kein vernünftiger Mensch würde unvoreingenommen auf die Idee kommen, sich zwei Tonnen Blech um die Hüfte zu schnallen, um von A nach B zu kommen. Ich höre schon: Stillstand, von wegen Fortschritt. Es gibt und gäbe ja vorhandenen und ausbaufähigen, wesentlich effektiveren Ersatz, wobei wir auch wieder bei Velo und Öffis und Spazieren wären.

Die etwas überholte volkswirtschaftliche Idee, die Wirtschaft über sinnbefreiten Straßenbau und sonstiges kurz gedachtes Betonieren anzukurbeln, schupfen heute etwas fortschrittlichere Volkswirtschaften schon gezielter und vor allem nachhaltiger an. Kein Geheimnis eigentlich. Hier lohnt es sich, mal genauer auf Dänemark, die Niederlande, Japan, Singapur und in Ansätzen auch auf die Schweiz zu schauen. Allerdings reicht für conservative minds nicht einmal der etwas längere Blick in die ach so weite Ferne. Der vor allem männerbündische Hinterzimmeraberglaube mit einem Gedankengut weit hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, ganz ohne Schneewittchen, war noch nie ein weiser Schluss. Besser beim Kässpätzle-Horizont bleiben. Aber dann bitte nicht mit fadem analogem Käse. Dankschön. Mehr Räskäs und frischer Pfeffer, bittschön.

Oder wird dann wieder damit argumentiert, dass das sowieso großteils der Bund, die Asfinag, die EU, irgendwelche anderen bezahlen? Aha und wo haben die noch mal das Geld her? Von uns allen, oder? Blitzkneißer. In die Zukunft gedachtes Investieren in Infrastruktur könnten dann eigentlich schon Kindergärtlerinnen besser. Verhandeln auch. Sicher. An die Macht.

„Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor ist jedenfalls always helpful.“ (abgewandeltes A.-Camus-Zitat, R.I.P.)

Was macht übrigens die Spinne, werte politische Verantwortungsträgerinnen? Sie frisst und spinnt, oder? Hilfe kommt aus Hittisau. Hibo Hibo Holladio. Ore Ore. Hellau. Maschgara. WTF. Done on the Velo.

Velostories #1: Selber Auto
Hoebs Hoerburger ist Kulturaktivist und -vermittler, Zirkusdirektor und Clown sowie ambitionierter Veloist und Freischwimmer.