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Nächster Ölpreisschock

07.03.2026 • 12:00 Uhr
Nächster Ölpreisschock
AFP

Mit dem Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022 erlebte der globale Ölmarkt einen massiven Preisschock.

Die Furcht vor Lieferausfällen russischen Rohöls trieb den Brent-Preis im Frühjahr 2022 zeitweise deutlich über die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Heute sorgt die erneute geopolitische Eskalation im Nahen Osten abermals für spürbaren Preisdruck – auch wenn aktuell keine unmittelbare Verknappung droht, reagiert der Energiemarkt höchst sensibel auf jede Störung der Versorgungslinien.

Am 28. Februar starteten die USA und Israel einen koordinierten Luftangriff auf militärische Ziele im Iran. Der Iran reagierte umgehend mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und US-Stützpunkte in den Golfstaaten. Außerdem wurde die Sperrung der Straße von Hormus verkündet. Sie zählt zu den wichtigsten energiepolitischen Engpässen der Welt: Täglich passieren dort rund 20 Millionen Barrel Rohöl das Nadelöhr, was nahezu 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs entspricht (tagesschau.de). Alternative Routen gibt es kaum.

Der Iran selbst verfolgt mit seiner Blockaden Politik das Ziel, den Ölpreis kurzfristig deutlich nach oben zu treiben – im Extremfall in Richtung 200 Dollar pro Barrel. Dennoch gilt ein tatsächlicher physischer Mangel gegenwärtig als unwahrscheinlich. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2026 mit einem globalen Überangebot von mehr als vier Millionen Barrel pro Tag, da die weltweite Produktion die Nachfrage übersteigt. Gleichzeitig sind die Lagerbestände der wichtigsten Verbraucherländer gut gefüllt. Zudem hat das Ölkartell OPEC+ für April eine Anhebung der Fördermengen beschlossen, was die Versorgung zusätzlich stabilisiert. Solange die Passage nicht dauerhaft blockiert bleibt, erwarten die Experten der Erste Asset Management nur einen vorübergehenden Preisdruck.

Neben den ökonomischen und humanitären Auswirkungen wirft der Konflikt auch gravierende Fragen für Klima und Umwelt auf. Erfahrungen aus früheren und aktuellen Auseinandersetzungen zeigen, dass militärische Eskalationen in der Region zu massiver Umweltzerstörung führen können: mit Asbest, Schwermetallen oder nicht explodierten Kampfmitteln gelangen Umweltschadstoffe in den Wasserkreislauf. Großflächige Brände von Industrie- und Energieanlagen setzen enorme Mengen CO₂ frei. Dieses neuerliche Kriegsereignis verstärkt die Klimabelastung in einer Region, die sich ohnehin schon deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse