Junges Architektenpaar gründet Galerie in Klaus

Simeon und Zeynep Brugger entwarfen das Galerie-Gebäude, in dem sie auch als Familie wohnen.
Wo sich am Rande des Klauser Industriegebiets einst eine Stickerei befand, steht jetzt ein nicht wiedererkennbares Architekturjuwel. Wohnhaus und Galerie zugleich, markiert es den neuen Lebensmittelpunkt der Architekten Simeon und Zeynep Brugger, die seit gut zwei Jahren als Galerie Brugger aktiv sind.
Angesprochen auf die Frage, was die jungen Eltern eines Sohnes dazu bewegt, mit Mitte 30 eine Galerie im Rheintal zu gründen, antwortet Frau Brugger selbstsicher: „Es ist eine Herausforderung, egal wo man ist.“

Eine Herausforderung, die als proaktive Wunscherfüllung verstanden werden kann. „Kunst treibt uns an. Jetzt leben wir ein Leben, wie wir es uns immer vorgestellt haben“, bekräftigt Herr Brugger mit aufrechtem Stolz.

Wettbewerbsnachteil
Obwohl Galerien in Österreich mit einem Mehrwertsteuersatz von 13 Prozent, verglichen mit 7 in Deutschland und 8,1 in der Schweiz über einen deutlichen Wettbewerbsnachteil verfügen, haben sich die Unternehmer bewusst für das Rheintal entschieden. Denn mit Institutionen wie dem Kunsthaus Bregenz oder den Kunstmuseen Liechtenstein und Ravensburg gibt es hier für den Architekten „innerhalb von einer Stunde Fahrzeit ein sehr beeindruckendes, internationales Kunstprogramm.“

In Vorarlberg sehen sie eine hohe Sensibilität für Handwerk, Gestaltung und Architektur. Kunst sei Teil des Alltags, wenn auch nicht immer in ihrer kommerziellen Form. „Das wird oft unterschätzt“, hebt der Unternehmer hervor.
Gleichzeitig verstehen sie sich nicht als profane Shop-Betreiber. „Galeriearbeit bedeutet, Künstler zu begleiten. Wir unterstützen sie in der Umsetzung ihrer Ideen, veröffentlichen Bücher und reisen viel, um die Arbeiten einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Messen sind dabei absolut ausschlaggebend, nicht nur wegen möglichen Sammlern“, erläutert die Architektin.

Los Angeles, Innsbruck, Klaus
Bruggers lernten sich während einem Studienaufenthalt in Los Angeles kennen. Sowohl der aus Klaus stammende Simeon, als auch die in Istanbul aufgewachsene Zeynep (gebürtige Çınar), sind Kinder kunstaffiner Familien. Das eigentliche Handwerk lernten sie in Innsbruck, wo Herr Brugger über zehn und Frau Brugger gut vier Jahre in einer Galerie tätig waren. Als PhD-Kandidaten und Assistenten am Institut of Urban Design der Universität Innsbruck sind sie der Stadt noch immer tief verbunden. Davon zeugt auch die aktuelle Ausstellung „Zur Zeit Innsbruck“ – „supercalifragilisticexpialidocious“ im Bregenzer Künstlerhaus, wo Werke ihrer Studenten zur Schau stehen.

Gegenwärtig vertritt das Paar sechs Positionen, darunter ein Nachlass und das Zweigespann Peles Duo. Unter ihnen die Vorarlberger Künstler Melanie Ebenhoch und Lukas Thaler.

Die aus Koblach stammende Wahl-Brüsslerin Ebenhoch hat sogar die Tapete der WC-Anlagen für die Klauser Adresse entworfen.

Mit der im US-Bundesstaat Virginia aufgewachsenen Billie Clarken gesellt sich eine gleichermaßen humorvoll wie tiefsinnige Deuterin moderner Subjektivität dazu. Hierzulande sind ihre Werke vor allem durch eine Ausstellung in der Lustenau Gemeindegalerie Dock20 bekannt.

Dort stellt mit Oliver Laric aus Innsbruck ab 30. Mai ein weiterer Künstler der Galerie Brugger aus. Seine Werke waren zuletzt im Kunsthistorischen Museum Wien und der Thailand-Biennale prominent präsent. Der besagte Nachlass stammt vom vor knapp einem Jahr verstorbenen Maler Hubert Schmalix. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem Galeristen, der während seiner Zeit in L.A. beim Maler wohnen durfte.

Abseits der Ebenhoch’schen Tapete stehen aktuell Skulpturen und Wandarbeiten von Laric, wie auch Clarkens Foto-Objekt-Serie „Chewing Tongue“ und zwei Werke von Heimo Zobernig in Klaus zur Schau.

Feierliche Eröffnung
Bei einem Besuch im grundsanierten und fundamental umgebauten Haus offenbaren sich flexibel ineinander greifende Wohn- und Ausstellungsräume. Mit seinen hohen Wänden vermittelt das Erdgeschoss den Eindruck eines klassischen White Cubes, könnte aber auch für familiäre Anlässe genutzt werden.
Die Galerie Brugger wurde am vergangen Freitag, dem 20. März, mit zahlreichen und teils international angereisten Gästen, feierlich eröffnet. Sie befindet sich an der Adresse Erlenstraße 11a und ist gut 15 Minuten Gehweite vom Bahnhof Klaus entfernt.