Vorarlberger Aktivisten lagen bei Horror-Schiff richtig

Im internationalen Skandal um den Rindertransport der „Spiridon II“ sehen türkische Importeure ein Unternehmen aus Österreich in der Verantwortung. Hinweise darauf hatten Vorarlberger Tierschützer bereits im Vorjahr geliefert.
Im internationalen Skandal um den Rindertransport der „Spiridon II“ führen neue Vorwürfe zu einem Unternehmen aus Österreich. Türkische Importeure machen laut ORF eine Firma aus dem niederösterreichischen Waldviertel für den Transport verantwortlich, bei dem zahlreiche Tiere verendet sind. Hinweise auf diese Österreich-Verbindung hatten Vorarlberger Aktivisten bereits im Vorjahr gefunden.

Horror-Schiff
Fast 3000 Rinder waren im Herbst 2025 von Uruguay in die Türkei verschifft worden. Während der mehrwöchigen Reise starben zahlreiche Tiere, zudem wurden rund 140 Kälber unter schwierigen Bedingungen an Bord geboren. Wegen fehlender Genehmigungen durften die Tiere in der Türkei nicht entladen werden und wurden erst nach insgesamt mehr als zwei Monaten auf dem Schiff in Libyen an Land gebracht.
Verbindung nach Österreich
Für die Vorarlberger Tierschützer kommt die Spur nach Österreich nicht überraschend. Die Aktivisten Tobias Giesinger und Ann-Kathrin Freude hatten bereits früh eine Verbindung zu einem österreichischen Exporteur hergestellt. „Wir hatten den Zusammenhang schon damals recherchiert, konnten ihn aber nicht endgültig beweisen“, sagt Freude.

Grundlage dafür waren unter anderem öffentlich zugängliche Beiträge in sozialen Netzwerken. Screenshots, die dem NEUE vorliegen, zeigen, wie der Unternehmer Christian Klinger den Transport dokumentierte. Laut ORF steht er hinter dem beteiligten Unternehmen Agro Breeding GmbH. In einem Posting ist etwa von „Loading 40 trucks food on the livestock vessel“ („Beladung von 40 Lkw mit Futter auf das Viehtransportschiff“) die Rede, ein anderes spricht von einem „Full vessel of breeding heifers from Uruguay“.
Damals blieben viele Fragen offen. „Am Telefon wurde er verleugnet, und plötzlich ging nur noch eine andere Firma ans Telefon“, schildert Freude die damaligen Kontaktversuche.
Millionenklage
Nun sehen türkische Importeure laut ORF den Viehhändler aus dem Waldviertel in der Verantwortung. Sie werfen dem Unternehmen vor, den folgenreichen Transport organisiert zu haben und Risiken bewusst eingegangen zu sein. Es geht auch um eine Zivilklage über rund zwei Millionen Dollar.
Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Verzögerungen seien nicht von ihm zu verantworten gewesen, der Käufer sei in die Abläufe eingebunden gewesen und habe die Verladung überwacht, heißt es in einer Stellungnahme.
Brisant ist der Fall auch für Österreich insgesamt. Laut Verein gegen Tierfabriken kauft das betroffene Unternehmen regelmäßig trächtige Kalbinnen von heimischen Betrieben, um diese in Länder wie Algerien zu exportieren. Damit rückt auch eine Praxis in den Fokus, die bereits in der Vergangenheit für Kritik gesorgt hatte.