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Im Bann eines wunderschönen Albtraums

27.03.2026 • 19:47 Uhr
Army of me - Björks Songs. Zwischen Elfenmagie und Elektronikklängen
Rebecca Hammermüller ist der wohlverdiente Star des Abends.Wieczorek

Schauspielerin Rebecca Hammermüller und Band brillieren bei der Premiere von „Army of Me“ am Vorarlberger Landestheater.

Die Liederabende des Vorarlberger Landestheaters polarisieren wie kaum ein anderes Format der Spielstätte. Auch der Autor dieser Zeilen zählt sich üblicherweise nicht zu den Anhängern dieser Abende. Wie töricht diese Abneigung ist, offenbarte sich bei der Premiere von „Army of Me – Björks Songs. zwischen Elfenmagie und Elektronikklängen.“ am 26. März.

Vorgeschichte

Rebecca Hammermüller, singende Ensemble-Schauspielerin und Initiatorin des Abends, ist dem Schaffen der isländischen Ausnahmekünstlerin Björk seit Kindertagen eng verbunden. „Mich fasziniert ihr Mut, mit allem frei umzugehen. Als ich nach Bregenz ans Theater kam und sah, das wir hier eigene Liederabende machen können, hatte ich rasch Björk vor Augen. Da ich aber zuvor keine eigenen Projekte geleitet habe, blieb es erst bei einem großen Traum“, berichtet die Schauspielerin. Die Wende kam im Winter 2025: „Musiker Oliver Rath hörte quer durchs Theatercafé von meiner Idee, was eine Riesenwelle der Euphorie in ihm freigesetzt hat.“

Beflügelt durchkämmte Hammermüller in den folgenden Monaten das Björksche Œuvre, hörte sich durch Liveaufnahmen und Interviews, notierte Eindrücke, sortierte, verwarf, setzte neu zusammen. Aus dieser Materialfülle entstand eine erst überbordende Auswahl, die sie mit Rath und den dazugewonnen Musikern Martin Grabher (Schlagzeug) und Oliver Biedermann (Trompete und Horn) reduzierte.

Monströse Schönheit

Eine organisch-elektronische Klanggewalt dröhnt zu Beginn durch die Köpfe des Publikums. Gleichzeitig flirren Bilder einer techno-biologischen (Alb-)Traumwelt von monströser Schönheit über die Bühne. Dazwischen Hammermüller. Die anfangs störende Übertönung ihrer Stimme stellt sich rasch als gelungener Kunstgriff heraus; gewinnt sie doch mit jedem Song an Kraft und Stimme. Sie gleicht einer Blume, deren Drang Asphalt aufbricht.

Björk Liederabend
Björks Song „Stonemilker“ stand hier Pate. Moritz/Rudek

Neugier als Leitstern. Dem Ethos der Isländerin folgend, verdeutlicht jedes Element der Darbietung ein spielerisches Ringen von Mensch und Maschine und bleibt dabei völlig frei von kulturpessimistischen Allüren. Vielmehr ist hier die Neugier Leitstern der Kunst, wovon auch der gelungene Einsatz KI-generierter Videos zeugt. Die Visuals sind das Werk von Crystin Moritz und Isabel Rudek. Doch ohne die minutiöse Überarbeitung und Anpassung der Lichttechniker des Theaters hätten sie ihren Zauber kaum entfalten können.

Björk Liederabend
Die Visuals reagieren auf Musik. So auch dieses Bild einer fleischfressenden Blume. Moritz/Rudek

Betörende Wucht

Unter den 18 Songs des Abends stechen drei besonders hervor. Beim titelgebenden Track „Army of Me“ brillieren Band wie auch Sängerin mit betörender Wucht. Überaus elegant auch das Duett mit Ensemble-Kollegen Luzian Hirzel „I‘ve seen it all“, dessen orange Stimmfarbe Hammermüllers Blautöne harmonisch ergänzt. Mit „Declare Independence“ zeigt die oft kühl erscheinende Schauspielerin ihre komische Seite, die hoffentlich noch oft zu sehen sein wird.

Die nächste und vorerst letzte geplante Aufführung von „Army of Me“ findet am 15. April im Vorarlberger Landestheater statt.