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Austausch über Kontinente hinweg

06.04.2026 • 16:25 Uhr
Österreich trifft Jilin | Ein ästhetischer Dialog über den Globus hinweg
Galerist Boch und Künstler Reiter (r.), mit Stark am unterem Rand der Leinwand. Hoffmann

Ein Zufallskontakt führt zu einer internationalen Ausstellung in China bei der Vorarlberger Künstler prominent vertreten waren.


Werke der Vorarlberger Künstler Alexandra Wacker, Alexander Stark und Ingrid Grillmayr waren von Anfang bis Ende März gemeinsam mit Schöpfungen des aus Schladming stammenden Künstlers Roland Reiter in China ausgestellt. Konkret in der nordöstlichen Millionenmetropole Changchun, Hauptstadt der Provinz Jilin. Die oft erwähnte Trennung von Kunst und Künstler lässt sich in diesem Fall scherzhaft auf gut 7500 Kilometer beziffern. Denn das ist die grobe Distanz zwischen Changchun und Bregenz, wo Wacker wirkt.

Austausch mit Europa gewünscht

Leon Boch, Betreiber der Galerie am Lindenplatz in Vaduz, war zentral an der Umsetzung beteiligt. „Ich habe einen zweiten Beruf als Sammlungsmanager in einem Treuhandbüro. Dort erfuhr ich durch einen Arbeitskollegen, dass seine Schwiegermutter, die Künstlerin Ingrid Grillmayr, mit mir über eine mögliche Ausstellung in China sprechen möchte“, berichtet der gebürtige Dornbirner.
Dank Grillmayr ausgeprägten Kontakten erfuhr Boch, dass „von chinesischer Seite aus der Wunsch besteht, einen gegenseitigen Austausch mit europäischen Künstlern zu verwirklichen, etwa im Changchuner World Sculpture Park und den städtischen Museen.“ Obwohl es für die asiatischen Partner überaus wichtig war, dass eine professionelle Galerie mit Kontakten zur lokalen Kulturszene zentral mitwirkt, herrschte in Vaduz erst Skepsis. „Viele Künstler haben beim Export ihrer Arbeiten Probleme mit dem Zoll. Wir haben uns dann aber dennoch dafür entschieden, einen Querschnitt der von uns vertretenen Künstler zu zeigen. Auch um eine entsprechende Bandbreite abzubilden.“ Pragmatisch wurde der Fokus auf Malerei gelegt: „Da ist der Transport günstiger und einfacher als bei Skulpturen.“ Besagte Bandbreite erstreckt sich von akademischer (Wacker, Reiter) zu nicht-akademischer (Stark, Grillmayr), von figurativer zu abstrakter Malerei. Quer zu diesen Polen sind sowohl Stark wie Reiter zentral von der Streetart geprägt.

Österreich trifft Jilin | Ein ästhetischer Dialog über den Globus hinweg
Werke von Alexandra Wacker.Hoffmann

Die Eröffnung

Der Schau hätte ursprünglich Ende 2025 mit physischer Präsenz der Ausstellenden stattfinden sollen. „Das ließ sich aber nicht realisieren, daher wurde die Eröffnung auf den 6. März verlegt. Wichtig war, dass alle Arbeiten Ende Februar in China ankommen, damit sie rechtzeitig gerahmt und gespannt werden können“, schildert der Galerist. Während Grillmayr vor Ort war, nahmen Boch, Stark und Reiter digital am Festakt teil. „Es war ein schöner Austausch, nicht nur mit den Institutionen, sondern auch zwischen den Künstlern“, strahlt der junge Galerist.

Österreich trifft Jilin | Ein ästhetischer Dialog über den Globus hinweg
Kenner von Stark erkennen seine Werke auf den ersten Blick am markanten Einsatz des Moiré-Effekt.Hoffmann

Gegeneinladung

Bemüht um eine zukünftige Vertiefung dieses Dialogs suchte Boch vorweg das Gespräch mit Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink. „Es ging um die Frage, ob wir mit Unterstützung des Landes eine Gegeneinladung ermöglichen können.“ Da noch keine feste Entscheidung getroffen worden sei, hofft er angesichts des Erfolgs der Ausstellung auf weitere Gespräche. Zusätzlich stehe eine Ausstellung Reiters bei der Österreichischen Botschaft im Raum.

Österreich trifft Jilin | Ein ästhetischer Dialog über den Globus hinweg
Werke von Roland Reiter. Hoffmann

Gipfelschönheiten

Die Ausstellung „Gipfeltreffen der Künste – Begegnung mit Jilin“ fand vom 6. bis zum 21. März statt. Von chinesischer Seite waren Künstler der Jilin-Akademie wie Li Tingxian, Li Xiangpeng, Wang Dongming, Wei Guoqiang, Yu Fei, Cui Yu und Sun Ying mit spartenübergreifenden Werken beteiligt.