Draco Persic: Gift, Gabe und Geschichte

Neue Ausstellung von Drago Persic im Bildraum Bodensee vereint technische Brillanz mit historischer Brisanz.
Künstler Drago Persic (Jahrgang 1981) empfindet sich als Chromophobiker, der sich „bei Schwarzweiß-Bildern immer wohlgefühlt hat“. Eine angesichts seiner aktuellen Schau im Bildraum Bodensee erstaunliche Diagnose, denn die ausgestellten Werke zeugen von einem schier enzyklopädischen Wissen über Farben, dass sich von historischen Maltechniken bis in die Tiefen der Chemie erstreckt.

Schönheit und Untergang
Dennoch wäre es ein Irrtum, seine Ausstellung „Tiefer Schweb“ als bloße Meditation über die Möglichkeiten der Malerei zu werten. Der in Dornbirn und Schwarzenberg aufgewachsene Persic lädt viel eher zum aktiven Betrachten des Vielschichtigen ein. Ein Angebot, das den Blick der Sehenden unweigerlich auf sie zurückwirft.

Während der Titel auf die tiefste Wasserschicht des Bodensees verweist, zeigen zwei Arbeiten im Raum mit Seeblick bildschöne Szenen des Untergangs. Es sind ästhetische Klagen, einmal als absinkendes Boot, einmal als schwimmendes Flammeninferno. Frei vom Verdacht, das Grauen in genussvoller Form konsumierbar machen zu wollen, sind sie ein Sinnbild kollektiver Passivität. „Nach der Pandemie und vor dem Krieg gegen die Ukraine hatte ich das Gefühl, wir sehen hier herum und schauen, wie die Welt untergeht“, fasst der Künstler knapp zusammen.
Vom Stoff zum Wasser
Die fast fotorealistisch wirkenden Bilder malte er mit aus dem Impressionismus stammenden Techniken. Was schwarzweiß erscheint, wurde aber in Wirklichkeit mittels zu Graustufen verdichteten Farbmischungen geschaffen.

Die faszinierend realistischen Wasseroberflächen resultieren unter anderem aus Detailstudien zu Stoffmotiven. So sind die Werke der Serie „Ultramarina“, die im vergangenen Jahr im Angelika Kauffmann Museum ausgestellt waren, mit Farben gemalt „wie sie auch Kauffmann verwendet hat.“

Der Rückgriff auf historische Farbmischtechniken ist kein ungefährlicher. Persic arbeitet mit giftigen Stoffen wie Blei und Arsen – was ein Zum-Mund-Führen des Pinsels undenkbar macht und speziell beim Zerkleinern und anmischen Schutzkleidung notwendig macht. Laut Malerl seien gewisse Werke aus der Kunstgeschichte erschreckend Giftig: „Wenn ein Bild von Kandinsky brennt, darf es nicht gerettet werden. Denn wenn das von ihm verwendete Rot brennt, kann man von den Dämpfen sterben.“


Werdegang und Auszeichnung
Nach dem Besuch der Handelsschule Bezau und dem Aufbaulehrgang an der HAK Bregenz studierte der einstige Nachbar des Künstlers Tone Fink Malerei in Wien. Konkret belegte Persic von 2002 bis 2007 die Meisterklasse von Muntena/Rosenblum, Elke Krystufek und Hans Scheirl an der Akademie der Bildenden Künste. Seit mehr als 20 Jahren ist er in der Bundeshauptstadt wohnhaft. Dass der Künstler dennoch in Vorarlberg präsent blieb, verdeutlichen nicht nur zahlreiche Ausstellungen. So wurde Persic 2019 mit dem Vorarlberger Kunstpreis geehrt. Auch das Porträt von Andrea Kaufmann in der Reihe Dornbirner Bürgermeister stammt von ihm.
Die Schau „Tiefer Schweb“ ist bis zum 12. Juni im Bildraum Bodensee ausgestellt.