Vier Banken, vier Stärken: Wer 2025 in Vorarlberg vorne liegt

Die NEUE am Sonntag vergleicht die aktuellen Bilanzen der größten Vorarlberger Banken. Trotz unterschiedlicher Kennzahlen und Strukturen zeigt sich: Der Markt ist stabil, aber klar segmentiert. Ein eindeutiger Sieger lässt sich nicht ausmachen.
Die Vorarlberger Banken haben ihre Ergebnisse für 2025 vorgelegt. Ein direkter Vergleich ist allerdings nur eingeschränkt möglich: Während Raiffeisen und die Sparkassen als Verbünde bilanzieren, tritt die Hypo Vorarlberg als Einzelinstitut auf, die Volksbank als kleinere Regionalbankengruppe.
Auch die verwendeten Kennzahlen unterscheiden sich. Je nach Institut werden Ergebnis nach Risiko, Ergebnis vor Steuern oder Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ausgewiesen. Ein klassisches Ranking greift daher zu kurz. Aussagekräftiger ist ein Vergleich entlang zentraler Leistungsdimensionen.
Raiffeisen bleibt der dominante Ertragsmotor
Gemessen an der Ertragskraft führt kein Weg an Raiffeisen vorbei. Die Vorarlberger Genossenschaftsbanken erzielten 2025 ein Ergebnis nach Risiko von 149,0 Millionen Euro bei einem Betriebsergebnis von 163,2 Millionen Euro.
„Das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden ist die wichtigste Grundlage unseres Erfolgs“, sagt Raiffeisen-Vorstandschef Michael Alge.
Die Hypo Vorarlberg und die Sparkassen folgen mit deutlichem Abstand, bewegen sich jedoch auf ähnlichem Niveau. Die Hypo weist ein Ergebnis vor Steuern von 70,5 Millionen Euro aus, die Sparkassen kommen auf ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 69,6 Millionen Euro.
Die Volksbank Vorarlberg bleibt mit einem EGT von 2,2 Millionen Euro deutlich dahinter zurück. Die Differenz erklärt sich primär durch die Größenstruktur der Institute.
Wachstum: Divergierende Entwicklungslinien
Beim Wachstum zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die Hypo Vorarlberg verzeichnet mit einem Anstieg des Ergebnisses vor Steuern um 21,5 Prozent die höchste Dynamik im Vergleichsfeld. „Die Unsicherheiten der vergangenen Jahre wirken weiterhin nach, dennoch konnten wir uns in diesem Umfeld gut behaupten“, so Hypo-Vorstandschef Michel Haller.
Die Volksbank wächst vor allem im klassischen Kundengeschäft. Die Einlagen steigen um 11,27 Prozent, die Kundenforderungen um 5,5 Prozent. Das deutet auf eine stabile Position im regionalen Retail- und KMU-Geschäft hin.
Raiffeisen zeigt sich hingegen stabil, aber weniger dynamisch. Das Kreditvolumen steigt um ein Prozent, die Einlagen entwickeln sich weiterhin positiv. Die Sparkassen profitieren von einer Belebung im Wohnbaugeschäft, das nach einer schwächeren Phase wieder anzieht.
Kapitalausstattung durchgehend robust
In der Kapitalausstattung zeigen sich keine strukturellen Schwächen. Alle Institute liegen nach eigenen Angaben deutlich über den regulatorischen Anforderungen.
„Wir stehen auf einer sehr soliden Basis“, heißt es aus dem Raiffeisen-Sektor. Auch die Hypo Vorarlberg betont ihre Stabilität: „Die Kapitalquoten liegen weiterhin deutlich über den regulatorischen Anforderungen.“
Besonders hervorzuheben sind die Sparkassen, die mit vergleichsweise hohen Kapitalquoten operieren und damit über zusätzlichen Handlungsspielraum verfügen. Auch Raiffeisen und die Hypo Vorarlberg verweisen auf eine solide Kapitalbasis. Die Volksbank positioniert sich ebenfalls als stabil, allerdings auf niedrigerem Skalenniveau.
Regionale Verankerung bleibt strategischer Kern
Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint die Institute die starke regionale Ausrichtung. Besonders ausgeprägt ist diese bei der Volksbank Vorarlberg: 93,1 Prozent der Finanzierungen entfallen auf das Bundesland. Besonders ausgeprägt ist diese bei der Volksbank Vorarlberg: 93,1 Prozent der Finanzierungen entfallen auf das Bundesland. „Unser Fokus liegt klar auf der regionalen Wertschöpfung“, heißt es aus dem Institut.
Auch Raiffeisen, Hypo und Sparkassen definieren ihre Marktposition wesentlich über Nähe zum Kunden und regionale Präsenz. Gerade im Firmenkundengeschäft und in der Wohnbaufinanzierung bleibt diese Verankerung ein zentraler Wettbewerbsvorteil.
Kein Ranking, sondern vier Rollen im Markt
Die Ergebnisse zeigen weniger ein klares Kräfteverhältnis als vielmehr eine funktionale Arbeitsteilung im Markt. Raiffeisen dominiert bei Volumen und Ertrag, die Hypo Vorarlberg überzeugt durch ihre Dynamik, die Sparkassen punkten mit einer besonders starken Kapitalbasis und die Volksbank Vorarlberg positioniert sich klar über ihre regionale Ausrichtung. Ein eindeutiger Spitzenreiter lässt sich daraus nicht ableiten. Stattdessen zeigt sich ein stabiler, differenzierter Bankenmarkt.