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Ein neues Zentrum für Naturgefahren

09.05.2026 • 09:00 Uhr
Ein neues Zentrum für Naturgefahren
Christoph Walser vor dem Aktionsraum Naturgefahren Montafon in Vandans. Hartinger

Der Aktionsraum Naturgefahren Montafon schafft Bewusstsein für Bedrohungen und Präventivmaßnahmen im alpinen Raum.

Seit Beginn der Menschheit sind Siedlungsräume von unterschiedlichsten Naturgefahren bedroht. Mit der Ausweitung der Siedlungsräume und besonders dem in den letzten Jahrzehnten spürbar gewordenen Klimawandel nehmen die Bedrohungen zu und verändern sich je nach Lage stark. Vorarlberg steht mit seiner inneralpinen Lage vor besonderen Herausforderungen. Für die Bergregionen sind Lawinen, Hochwasser sowie Steinschläge und Felsstürze die größten Herausforderungen.

Ein neues Zentrum für Naturgefahren
Das Bildungszentrum vermittelt Wissen über Risiken wie Lawinen, Hochwasser und Steinschläge.

Sensibilisieren

Um auf diese Gefahren aufmerksam zu machen und Bewusstsein für Gegenmaßnahmen zu schaffen, wurde im Jahr 2024 der Aktionsraum Naturgefahren Montafon in Vandans eröffnet. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit von Stand Montafon/Forstfonds, den Montafoner Museen, der Wildbach- und Lawinenverbauung sowie der Gemeinde Vandans umgesetzt. Im Rahmen eines EU-Leader-Projektes und mit Unterstützung der illwerke vkw entstand in Vandans ein innovatives Bildungszentrum, das sich an ein breites Publikum richtet – von Schulklassen über Familien bis hin zu Experten. Christoph Walser, Leiter der Montafon Museen, erklärt die Bedeutung des Aktionsraums Naturgefahren Montafon.

Ein neues Zentrum für Naturgefahren

“Die Auseinandersetzung mit dem Gefahrenmanagement und den Naturgefahren an sich ist dabei essenziell.”

Christoph Walser

Die Ausstellung soll über Naturgefahren und Präventionsmaßnahmen aufklären. Vor allem die Prävention ist ein sehr komplexes Thema, bei dem viele Interessen ineinandergreifen: „Es müssen Kompromisslösungen gefunden werden, damit der Raum, den wir nutzen, auch geschützt werden kann. Die Auseinandersetzung mit dem Gefahrenmanagement und den Naturgefahren an sich ist dabei essenziell.“ Als Archäologe kennt der 41-Jährige nicht nur die Vergangenheit, sondern weiß auch, wie wichtig der Blick in die Zukunft ist. Gerade durch den Klimawandel stellen sich immer neue Herausforderungen. Während große Lawinenkatastrophen weniger werden, mehren sich durch das Abschmelzen des Permafrostes sowie durch Starkregenereignisse Steinschläge und Hangrutschungen.

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Interessante Themen

Die Ausstellung spannt den Bogen vom historischen Umgang mit Naturgefahren, über die Entstehung der Wildbach- und Lawinenverbauung bis zu dem heutigen Stand der Dinge. „Wir haben versucht, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und nicht nur Objekte zu zeigen“, erläutert Walser. Die Menschen, die zu Wort kommen, waren selbst von Naturkatastrophen betroffen, oder arbeiten in diesem Umfeld mit entsprechender Erfahrung. In Audio- und Videobeiträgen erzählen sie von ihren Erlebnissen. Ein ehemaliger Mitarbeiter der illwerke vkw erinnert sich an das Hochwasser 2005 und erzählt davon, wie er und seine Mitarbeiter die Pumpen rückwärts laufen ließen, um das Wasser von der Ill in die Speicherseen hinaufzupumpen, um noch Schlimmeres zu verhindern. Eine Überlebende der Montiola-Lawine von 1954 erzählt von der Lawinenkatastrophe. Als damals 5-Jährige wurde sie selbst von den Schneemassen erfasst und verlor bei dem Unglück fast ihre ganze Familie. Zahlreiche weitere Kinder verloren damals ihre Eltern oder kamen selbst ums Leben. „Die kleinsten Kinder wurden zu ihren Müttern in den Sarg gelegt und gemeinsam mit ihnen beerdigt“, erinnert sie sich und macht das Ausmaß der Tragödie deutlich.

Ein neues Zentrum für Naturgefahren
Ein 3D-Geländemodell von Vandans und den angrenzenden Bergen zeigt, was im Falle einer Lawine passieren würde.

Trotz aller Präventionsmaßnahmen lassen sich solche Ereignisse nicht gänzlich verhindern. Ein Punkt der Ausstellung geht deshalb der Frage nach, was im Katastrophenfall geschieht und welche Behörden aktiv werden. Ein interaktives 3D-Geländemodell von Vandans und den angrenzenden Bergen veranschaulicht, was im Fall einer Lawine oder Überflutung passieren würde. Beleuchtet wird auch die Rolle des Schutzwaldes, der mehrere Aufgaben übernimmt. Der Wald muss mit Blick auf die Zukunft gepflanzt und gepflegt werden, damit die Bäume auch unter veränderten klimatischen Bedingungen in 30 Jahren gedeihen und Schutz bieten. Nach eineinhalb Jahren zieht Walser positive Bilanz und freut sich auf viele weitere Interessierte.

Heute: Tag der offenen Tür

Der Aktionsraum Naturgefahren in Vandans lädt heute von 10 bis 14 Uhr zu einem Tag der offenen Tür mit Führungen und bietet dabei direkte Einblicke in das Thema Naturgefahren.

Neue Serie: Lebensraum Vorarlberg

Die neue Serie „Lebensraum Vorarlberg“ zeigt, was das Ländle prägt: Natur, Energie, Wirtschaft, Forschung, Freizeit und Zukunftsthemen. „Lebensraum Vorarlberg“ ist eine redaktionell unabhängige
Serie der NEUE am Sonntag mit Unterstützung der illwerke vkw.