„Traurig, dass man so mit Leuten umgeht“ – Imbiss-Aus in Lochau

Nach einem Gerichtsurteil muss der Lochauer Gastronom Ferhat Cetinkaya seinen Imbissbetrieb am Bahnhof mit sofortiger Wirkung einstellen. Trotz behördlicher Genehmigung und Investitionen von rund 100.000 Euro darf er das Lokal nur noch als Café führen.
Für Ferhat Cetinkaya ist es ein Einschnitt von einem Tag auf den anderen: Der Betreiber des „Tasty“ am Bahnhof Lochau darf seinen Standort nach einer gerichtlichen Entscheidung nicht mehr als Imbiss beziehungsweise Restaurant führen. Statt Pizza, Burger, Döner oder Frittiertem darf er künftig nur noch ein Tagescafé betreiben – mit Kaffee, Kuchen, Eis, Getränken und deutlich kleinerer Speisekarte.
100.000 Euro investiert
Cetinkaya betreibt das Lokal seit Ende 2019. Zuvor habe sich an dem Standort unter anderem eine Pizzeria befunden. Er habe sich beim Kauf auf die bestehende gewerbebehördliche Genehmigung verlassen, sagt der Gastronom. Als sich Nachbarn später wegen Geruch und Lärm beschwerten, habe er reagiert: Rund 100.000 Euro investierte er nach eigenen Angaben in eine neue Lüftungsanlage und weitere behördlich geforderte Maßnahmen.

Die Anlage sei im Zuge eines Verfahrens der Bezirkshauptmannschaft geprüft worden. „Es ging nicht nur um die Lüftung, sondern um alles – Arbeitssicherheit, Personalräume, WC, Lager“, sagt Cetinkaya. Am Ende habe er eine positive Betriebsanlagengenehmigung erhalten, auch für Speisen wie Pizza, Burger, Döner und den Einsatz einer Fritteuse.


Falsche Widmung
Trotzdem wurde der Betrieb nun gerichtlich eingeschränkt. Hintergrund ist laut Cetinkaya nicht die gewerberechtliche Genehmigung, sondern die zivilrechtliche Widmung des Lokals als Tagescafé. Wohnungseigentümer im Gebäude hatten auf Unterlassung geklagt. Bereits das Landesgericht Feldkirch habe entschieden, dass die Widmung keinen Imbiss- oder Restaurantbetrieb zulasse. Nun sei diese Entscheidung in zweiter Instanz bestätigt worden. “Fast alle Mieter des Gebäudes sind Stammkunden bei uns und beschweren sich nie. Besonders jenen, die hier nicht ganzjährig wohnen, ist der Imbiss aber ein Dorn im Auge, obwohl die Anlage ursprünglich so geplant war, dass hier ein Restaurantbetrieb vorgesehen war.”

Für Cetinkaya ist das schwer nachvollziehbar. Ein vom Gericht beigezogener Sachverständiger habe laut seinen Angaben keine unzulässige Geruchsbelastung festgestellt. Auch beim Lokalaugenschein sei kein massiver Geruch wahrnehmbar gewesen. „Wenn es wirklich stinken würde, würde ich es verstehen“, sagt er. „Aber es war weder im Stiegenhaus noch in den Wohnungen etwas.“
Sechs Mitarbeiter werden arbeitslos
Besonders hart trifft ihn die sofortige Wirkung der Entscheidung. Am Dienstag habe er sechs langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren und den Imbissbetrieb einstellen müssen. „Die haben Familien zu versorgen und sind von heute auf morgen arbeitslos“, sagt Cetinkaya. Eine Übergangsfrist habe es nicht gegeben.
Auch finanziell steht für ihn viel auf dem Spiel. Neben der Investition von rund 100.000 Euro in die Lüftung kommen laut Einschätzung seines Anwalts weitere 50.000 bis 60.000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten auf ihn zu. Dazu laufen Kreditraten, Betriebskosten und Strom weiter. „Das ist fast der Ruin“, sagt Cetinkaya.

Stammgast Harald, der während des Gesprächs im Lokal ist, zeigt sich betroffen: „Er hatte ein tolles Team und eine starke Kundenbindung. Dass man so mit Leuten umgeht und von einem Tag auf den anderen zusperrt, ist traurig, denn gerade in Lochau und Hörbranz ist das Angebot allgemein nicht sehr groß.“ Die Mitarbeiter hätten für viele Gäste längst dazugehört.

Café am See
Cetinkaya will dennoch weitermachen. Das Lokal firmiert nun als „Tasty Café am See“. Ob sich das Konzept wirtschaftlich trägt, ist offen – besonders im Winter. Für ein reines Café sei die Lage extrem schwierig, sagt er.

Eine nachträgliche Änderung der Widmung wäre theoretisch möglich. Dafür bräuchte es jedoch die Zustimmung der Wohnungseigentümer – oder ein weiteres gerichtliches Verfahren. Beides würde Zeit und Geld kosten. „Dass alle Eigentümer einer Umwidmung zustimmen, halte ich für ausgeschlossen. Und bis dahin muss ich trotzdem als Café weitermachen“, sagt Cetinkaya. Aufgeben will er vorerst nicht. „Ich werde weiter kämpfen“, sagt er. „Aber es ist brutal.“