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Steuern steuern – auch in Familien

16.05.2026 • 11:00 Uhr
Steuern steuern – auch in Familien

Das Familien- und Gleichstellungsfragen viel miteinander zu tun haben, ist kein großes Geheimnis. Wie Magnete ziehen sie sich – je nach Betrachtungsweise – entweder gegenseitig an oder stoßen sich mit Kraft voneinander ab. In jedem Fall stehen sie immer in Beziehung zueinander. Denken wir nur an den gerade zurückliegenden Muttertag. Die hoffentlich nicht nur eintägige Dankbarkeit für Frauen, welche enorm viel unbezahlte Sorgearbeit leisten, scheint unauflösbar mit der Mutterrolle verbunden zu sein. Verglichen mit dem Muttertag hat der Equal-Care-Day in Punkto Aufmerksamkeit keine Chance. Dieser Tag weist auf die fehlende Balance zwischen den Geschlechtern bei der Ausübung von Sorgearbeit hin und wurde 2026 am 1. März begangen. Die Aufteilung von Familienarbeit und Erwerbsarbeit ist in Österreich enorm stark mit den Geschlechterrollen verbunden.

Bereits bei einer groben Analyse der von der Bundesregierung angekündigten steuerpolitischen Maßnahmen wird deutlich sichtbar, dass sie direkt in die Familien hineinwirken: Regelungen für Familienbonus, Zuverdienst zur Pension, Arbeitslosenversicherungsbeiträge bei Teilzeitbeschäftigung oder ausgesetzte Indexierungen für die Familienbeihilfe… Haben Sie sich schon eine Meinung zu den Vorhaben gebildet?

“Bereits bei einer groben Analyse der von der Bundesregierung angekündigten steuerpolitischen Maßnahmen wird deutlich sichtbar, dass sie direkt in die Familien hineinwirken.”

Lea Putz-Erath

Steuerpolitik wird in gewisser Weise zur Familienpolitik und beeinflusst so Geschlechterrollen maßgeblich. Innerhalb von Haushalten treffen heute viele Paare gemeinsame Entscheidungen zum Familienbudget und der Aufteilung von unbezahlter und bezahlter Arbeit. Und viele Familien – da können Sie sicher sein – rechnen sich das jetzt und bei jeder Reform ganz genau durch. Wenn für Teilzeitbeschäftigte mit geringem Einkommen weniger Netto vom Brutto bleibt oder sich Regelungen zum Familienbonus verändern, dann werden die Karten für die Arbeit neu gemischt und die Kosten-Nutzen-Rechnungen in den Familien neu aufgestellt.

Ob diese Rechnung für oder gegen mehr Erwerbsarbeit und finanzieller Unabhängigkeit von Frauen (heute und in Zukunft) spricht, wird sich in der individuellen und strukturellen Betrachtung erst zeigen.

Lea Putz-Erath KOmmentar
Lea Putz-Erath ist Geschäftsführerin von femail. Sie studierte Tourismusmanagement und Soziale Arbeit. Promotion in Erziehungswissenschaften.