_Homepage

Im Spannungsfeld zwischen Blitzen und Platinen

14.06.2026 • 15:00 Uhr
Im Spannungsfeld zwischen Blitzen und Platinen
Feinarbeit in der Werkstatt: Michael Furxer bestückt und verlötet elektronische Schaltungen von Hand. Hartinger

Michael Furxer tüftelt erfolgreich in den Bereichen Informatik, Elektronik und Physik.

Wer der Meinung ist, dass Technik nichts mit Kreativität zu tun hat, sollte dem Mechatroniker und Ein-Mann-Unternehmer Michael Furxer in Göfis einen Besuch abstatten. Das idyllische Grün ringsum, Shiitake-Pilz-Kulturen und ein großes Gemüsebeet im Garten verraten nicht, was im Haus passiert. Dort führt Furxer gerade vor, was Handwerkskunst und technisches Geschick für Ergebnisse bringen können. Aus einem Abflussrohr vom Baumarkt und einer Ölheizungsleitung, aus einem sehr dicken Kupferdraht und anderen zusammengesuchten Teilen hat er eine beinhohe Teslaspule gebaut. Auch die Software dazu hat er entwickelt: Sie lässt sich digital steuern und feuert beeindruckende blaue Blitze in den Raum, dazu kann sie laut Musik machen. Zu Demonstrationszwecken lässt er sie AC/DC abspielen, sie kennt aber auch viele andere Stücke. Technik, die man mit ein paar Metern Distanz genießen sollte, immerhin entstehen Spannungen von mehreren hunderttausend Volt. „Die Idee des Erfinders Nikola Tesla war, drahtlose Energie zu übertragen. Das Plasma dehnt sich aus, und die Druckänderung in der Luft macht den Ton“, erklärt Furxer. Letztendlich hat es nicht so funktioniert, wie von Tesla gedacht – zur Teslaspule hat’s gereicht.

Prototyp

Hinter Furxer an der Wand hängt ein von ihm selbst gemachtes Foto einer blauen Lagune und zwei über fünftausend Meter hohen Bergen im Hintergrund. „Das war in Kolumbien.“ Bergtouren macht er häufiger, und auf einer Bergtour ist auch die Idee mit der Teslaspule entstanden. Auf einer Berghütte traf er einen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Elektromuseums in Frastanz, rasch war das Projekt beschlossene Sache. Die Umsetzung brauchte dann Jahre, denn die beinhohe Teslaspule war nur der Prototyp. Die Spule, die nun seit wenigen Wochen im Frastanzer Elektromuseum steht, ist dagegen übermannshoch, die Blitze noch einmal weit beeindruckender. Die Firma b2 electronics hat die Finanzierung und den Bau übernommen, Software und Modulationstechnik kamen von Furxer. „Solche Aufgaben gefallen mir.“ Immer wieder Herausforderungen, immer wieder was Neues, das mag er. Es gibt ja bereits Teslaspulen – der Mechatroniker hat seine ganz eigene Technik entwickelt.

Im Spannungsfeld zwischen Blitzen und Platinen
Am Computer werden Schaltungen entwickelt und getestet, bevor sie als Platinen umgesetzt werden.

Als der NEUE-Fotograf Furxers Büro betritt, kommentiert er die Kabel, Bildschirme und Platinen: „Raumschiff Enterprise!“ Die Fenster sind verdunkelt, am Computer entwickelt der 47-Jährige Schaltpläne, dann baut er die Hardware: 2-Lagen-Platinen mit Kupfer und mit Siebdruck für die Beschriftungen. Mit Brille, Lupe und Pinzette verlötet er winzige Dioden, Kondensatoren oder Halbleiter, es zischt und stinkt auch mal. „Wichtig ist, dass ich sie von unten anlöte, damit sie bei der Benutzung die Wärme nach unten abgeben können. So eine Platine kann im Gebrauch schon mal 100 Grad heiß werden.“ Natürlich kann er präzise 3D-Modelle am Computer erstellen. „Trotzdem probiere ich gerne in echt aus, ob man zum Beispiel zwischen den Bauteilen mit den Fingern hindurchgreifen kann, um einen Stecker zu ziehen oder einzustecken.“

Auf Umwegen

Furxer lebt und arbeitet heute wieder in dem Haus seiner Kindheit in Göfis. Es ist sehr groß, hauptsächlich aus Holz, umgeben von Natur, und er kann Büros und Hobbyräume einrichten, den Garten als Selbstversorger bewirtschaften und fast überall mit dem Fahrrad hinkommen. „Ja, so ein Haus ist Arbeit, aber man bekommt auch was dafür!“ Nach der Schule hat er eine Lehre als „Elektromechaniker für Schwachstrom“ gemacht, „so hieß das damals, heute heißt es ,Elektroniker’. Danach wollte ich mir die Welt anschauen, war in Asien, Süd- und Mittelamerika. Nach ein paar Jahren als Weltenbummler bekam ich die Möglichkeit, über eine Schweizer Firma in Südkorea zu arbeiten. Dort kam mit der Halbleiterindustrie in Kontakt. Das Zusammenspiel von Elektronik, Physik und Chemie hat mich so fasziniert, dass ich unbedingt mehr darüber wissen wollte.“ Zurück im Ländle lernte er deshalb ein Jahr für seine Studiumsberechtigung und studierte anschließend drei Jahre Systemtechnik. „Das ist eine Kombination von Elektronik, Physik, Chemie und Informatik. Ich wollte ganze Systeme verstehen und bauen können.“ Nach seinem Abschluss an der NTB Buchs verband er im Rahmen eines Universitätsaustauschs mit Kolumbien nochmals Technik mit Reisen.

Im Spannungsfeld zwischen Blitzen und Platinen
Elektronik, Informatik und Physik: Der Göfner Unternehmer arbeitet an Projekten von der Software bis zur Hochspannungstechnik.

Wieder in Vorarlberg arbeitete er als Elektronikentwickler bei b2 electronics. In einem kleinen Team hat er zehn Jahre lang innovative Produkte mitentwickelt und auf diese Weise ein neues Feld kennengelernt, die Hochspannung.  Dann wurde es für ihn Zeit für Neues: Ein erfolgreicher Unternehmer, eine E-Bike-Idee – und Furxer fand sich als Fahrradentwickler wieder. Corona machte dem Ganzen zwar einen Strich durch die Rechnung. Aber Furxer hat dabei gelernt, wie man eine Firma aufbaut, es hat ihm Mut gemacht, selbständig zu werden. „Im Sommer 2022 habe ich als Mechatroniker mein Gewerbe angemeldet. Ich bin sehr zufrieden, die Selbständigkeit entspricht meinem Wesen: Ich bin gerne frei in meiner Zeiteinteilung und habe gerne die freie Wahl darin, wie ich meine Aufgaben löse. Ich arbeite in sehr unterschiedlichen Projekten, mal mit 20, mal mit 200.000 Volt. Für neue Projekte, neue Projektpartner und neue Herausforderungen bin ich aber immer offen!“

Im Spannungsfeld zwischen Blitzen und Platinen
Spektakuläre Entladungen: Die von Michael Furxer entwickelte Teslaspule erzeugt Blitze mit Spannungen von mehreren hunderttausend Volt.

Kontakt

Michael Furxer

Elektronikentwickler

Tel. 0650/2104799

E-Mail: mail@michaelfurxer.at

Web: www.michaelfurxer.a