Evangeliumkommentar: Damit Gottes Wort Frucht bringt

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Norman Buschauer, Vikar in Bregenz.
An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! Matthäus 13,1-23
Und wieder einmal spricht Jesus in einem Gleichnis. Nur diesmal braucht es nicht viel Fantasie, sich einzufühlen: Es ist seine Botschaft an uns, die da ausgesät wird, seit damals immer wieder. Und wir sind das Erdreich. Und die Frage bleibt über alle die Zeit: Wie kommt das, was er sagt, bei uns an? Ja, es stimmt (leider), dass seine Botschaft vielfach verhallt – er spricht von gefressen werden oder verdorrt/versengt. Aber er spricht auch vom Erfolg, vom Frucht bringen und das sogar äußerst reichlich.
In den letzten Tagen haben wir Verschiedenes aus dem Bereich unserer Katholischen Kirche zu hören beziehungsweise lesen bekommen. Von einer beachtlich großen Gruppe, die stur in alter Tradition verharrt und zu wiederholten Mal ein Schisma provoziert und vom scheinbar verzweifelten Versuch der offiziellen Katholischen Kirche, den Abtrünnigen doch noch die Hand zu reichen und sie in der Gemeinschaft zu halten. Wobei die Mitglieder der Pius-Bruderschaft die vorigen Zeilen wohl ganz bewusst umgekehrt lesen: Nach ihrer Überzeugung sind sie nach wie vor auf dem richtigen Weg und der Papst samt Anhang auf dem falschen. Und dann haben wir von der Antwort aus Rom auf die Anfrage der deutschen Bischofskonferenz gelesen, ob nun Laien – und da sind nicht Laien im Sinn von Ungebildete gemeint, sondern meist theologisch Studierte wie die Geweihten – im Rahmen einer Eucharistiefeier predigen dürfen oder nicht.
Wären das nicht zwei Beispiele, die zu Jesu Aufzählung im Evangelium passen? Seine Botschaft, die auf den Boden von sturer Tradition oder auf realitätsfernes Verharren auf praktische Regeln fällt.
Und dann verzweifeln wir, dass scheinbar so wenig Frucht aufgeht.
Ach Herr, mach uns offen für deine belebende Botschaft und befreie uns von den Zwängen von einengenden Traditionen, die sicher einmal einen Grund hatten, aber jetzt längst überholt sind. Lass uns heute Kirche sein und deine Botschaft heute verständlich verkünden und leben.
