Dieses Eis aus dem Montafon kommt direkt vom Bergbauernhof

Mit ihrem Bergbauernhof erfüllten sich Harald und Martina Hartmann einen Lebenstraum.
„Einen Bauernhof zu haben, war immer unser Lebenstraum“, erzählt Martina Hartmann. Die gebürtige Dornbirnerin bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann Harald einen Bio-zertifizierten Bergbauernhof in Bartholomäberg. Doch bevor das Paar seinen Traum verwirklichen konnten, musste zuerst eine passende Landwirtschaft gefunden werden.
Vom Lebenstraum zum eigenen Bergbauernhof
Als Noch-nicht-Landwirte gestaltete sich die Suche zunächst schwierig. Das Paar, das damals in Dornbirn lebte, sah sich zunächst im Bregenzerwald nach einem geeigneten Hof um und wurde schließlich in Bartholomäberg im Montafon fündig. Glück und Zufall hätten dabei auch eine Rolle gespielt, erinnert sich die 52-Jährige. Sie fanden 2017 zunächst einen Hof zur Pacht mit der Option zum späteren Kauf. Dies erwies sich als großer Vorteil: „Wir hatten dadurch die Möglichkeit, auszuprobieren, wie es sich hier lebt und arbeitet.“ Die Entscheidung zu bleiben, sei dann recht rasch gefallen. „In dieser ersten Zeit hatten wir auch die Möglichkeit zu zeigen, dass wir landwirtschaftlich arbeiten können“, ergänzt Harald Hartmann, der neben der Arbeit auf dem Hof als Produktentwickler tätig ist. Bald nach dem Kauf begannen sie mit dem Bau eines neuen Wohngebäudes samt Ziegenstall. Die Gebäude entwarfen sie selbst, ein Baumeister setzte ihre Pläne um. In nur acht Monaten Bauzeit stellten vorwiegend Montafoner Betriebe das Gebäude fertig. Die Stalleinrichtung samt Melkstand für die Ziegen baute der Ingenieur selbst.

Ziegenmilch wird zu Speiseeis
Martina absolvierte die Landwirtschaftsschule und bildete sich zur Landwirtschaftsfacharbeiterin weiter. Zusätzlich absolvierte sie ein Praktikum zur Schaf- und Ziegenhaltung. Zunächst hielten die Hartmanns Montafoner Steinschafe, bald kamen Ziegen dazu, schließlich stellten sie ganz auf Ziegen um. „Diese Tiere stellen immer etwas an und halten einen auf Trab“, erzählt Martina lachend. Gleichzeitig geben sie gut Milch, aus der man Verschiedenstes herstellen kann. In den Anfangsjahren produzierte Martina aus der Ziegenmilch Joghurt, Frischkäse und Feta, inzwischen ist Speiseeis das Hauptprodukt. Das habe auch mit der Größe des Betriebes zu tun. Um viel zu produzieren, sei der Betrieb zu klein, aber zu groß um nur den Eigenbedarf und Freunde zu versorgen.

Sie habe sich lange überlegt, was für sie funktioniert, und mit dem Eis habe sie das Produkt gefunden, dass für ihren Hof optimal ist. Eis kann gut gelagert werden und man benötigt für die Herstellung keine Riesenmengen an Milch. An der nahegelegenen Straße betreiben sie ein kleines „Eishüsle“ zur Selbstbedienung, das bei Anwohnern, Wanderern und Mountainbikern gleichermaßen beliebt ist. Daneben beliefert der Hof den Sunnahof in Göfis sowie Geschäfte in der Umgebung. Ein Teil der Produktion geht bis in die Steiermark, zu einer Freundin von Martina, die selbst Geißen hält und einen Hofladen betreibt.

Steile Wiesen und viel Handarbeit
Die Landwirtschaft umfasst etwas mehr als vier Hektar, ein Teil davon Pachtfläche und grenzt an das Grundstück an. Dazu gehört eine Magerwiese, die nur einmal jährlich gemäht wird. Kitze und Böcke verbringen den Sommer auf einer nahen Weide. Die Wiesen der Umgebung liegen alle in steilem Gelände und müssen mit dem Handmäher gemäht werden. Beim Heuen helfen Familie, Freunde und Nachbarn. Dabei arbeiten sie auch mit anderen Landwirten aus dem Ort zusammen, die mit ihren Maschinen unterstützen und das Heu einbringen.
Ziegen, Hühner und Bienenvölker
Derzeit versorgen die Hartmanns 30 Geißen inklusive Kitze und Böcke. Dazu kommen jährlich 180 Masthühner, die im alten Stallgebäude und einer Voliere untergebracht sind, wo sie vor Füchsen und Raubvögeln geschützt sind. Zusätzlich sorgen ein paar Legehennen für den Eigenbedarf. Die Masthühner werden direkt am Hof geschlachtet, Harald absolvierte dazu über das LFI eine entsprechende Ausbildung und gemeinsam mit einem Nachbarn sind sie mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Das Fleisch wird direkt ab Hof verkauft. Auch eine kleine Imkerei gehört zum Betrieb. Harald betreut je nach Jahr zwischen zwei und vier Bienenvölker, die jährlich rund 20 Kilogramm Honig liefern.

Im Dorf angekommen
Anfangs habe wohl etwas Skepsis im Dorf geherrscht, angesichts der „Flachländler“, die eine Landwirtschaft aufbauen wollten. Umso schöner sei es, Freunde und Anerkennung gefunden zu haben und in die Gemeinschaft hineinzuwachsen. Der Vorteil am Leben in einer kleinen Gemeinde sei, dass man aufeinander schaue, sind die beiden überzeugt. „Wir hatten immer wieder mutige Abschnitte in unserem Leben, in denen wir etwas wagten“, erzählt Harald. Und schließlich überwiegen die Erfolgserlebnisse anfängliche Schwierigkeiten.
Zum Bauernleben gehöre auch, mit Rückschlägen und Verlusten umgehen zu lernen. „Wenn eine Geiß ein Kitz stirbt, ist das schon belastend“, sagt Martina. Dennoch überwiegt für sie die Freude. „Das Melken ist eine Leidenschaft von mir. Das Leben mit den Tieren und eigene Produkte herzustellen, von denen man weiß, was drinnen ist, das ist einfach schön.“ Zwar arbeite sie sieben Tage pro Woche, die Arbeit könne sie sich aber selbst einteilen. „Obwohl man durch die Tiere sehr gebunden ist, ist es doch eine eigene Form von Freiheit.“ Die Landwirtin liebt die Herausforderungen und mit den neuen Aufgaben zu wachsen ebenso wie die Verbindung zu den Tieren und der Natur. Das nächste Projekt steht auch schon fest: ein kleines Glashaus für eigenes Gemüse zu errichten.
Christine Moosmann-Hämmerle
infos
Roferhof
Martina Hartmann und Harald Hartmann
Roferweg 17, Bartholomäberg
E-Mail: info@roferhof.at
Tel.: 0650 3637323
Der RoferHof in Bartholomäberg ist ein biozertifizierter Bergbauernhof mit Ziegenhaltung, eigener Speiseeisproduktion und einem kleinen Selbstbedienungs-Eishüsle.