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Lünerseewerk II: Jetzt beginnt die wichtigste Phase des Milliardenprojekts

28.07.2026 • 17:32 Uhr
Lünerseewerk II: Jetzt beginnt die wichtigste Phase des Milliardenprojekts
Vor der imposanten Kulisse des Lünersees stellten Landeshauptmann Markus Wallner und Illwerke-vkw-Vorstand Gerd Wegeler das Milliardenprojekt Lünerseewerk II vor. Hofmeister/VLK

Mit der UVP-Einreichung startet das Genehmigungsverfahren für das größte Infrastrukturprojekt Vorarlbergs.

Türkisblau schimmert der Lünersee in der Morgensonne, darüber ragen die schroffen Gipfel des Rätikons in einen wolkenlosen Himmel. Die Kulisse könnte kaum spektakulärer sein. Auf der Staumauer, dort, wo Wanderer sonst den Blick über den See schweifen lassen, präsentieren Landeshauptmann Markus Wallner und Illwerke-vkw-Vorstand Gerd Wegeler den nächsten Meilenstein für eines der größten Infrastrukturprojekte des Landes. Die Stimmung ist gelöst. Nach mehreren Jahren Planung steht das Lünerseewerk II nun vor dem Start des behördlichen Genehmigungsverfahrens.

Lünerseewerk II: Jetzt beginnt die wichtigste Phase des Milliardenprojekts
Die Übersicht zeigt den geplanten Verlauf des Lünerseewerks II vom Lünersee über Druckstollen und Druckschacht bis zur unterirdischen Krafthauskaverne bei Bürs. Grafik: VKW

Lünerseewerk II in Zahlen

2,65 Milliarden Euro wollen die Illwerke vkw in das Lünerseewerk II investieren. Es ist das größte Energie- und Infrastrukturprojekt in der Geschichte Vorarlbergs.

1100 Megawatt Leistung soll das Kraftwerk im Turbinenbetrieb erreichen. Damit wird das Lünerseewerk II das leistungsstärkste Pumpspeicherkraftwerk Österreichs.

2400 Gigawattstunden Energie kann künftig im Lünersee gespeichert werden. Das entspricht in etwa 3 bis 4 Millionen Elektroautobatterien oder ungefähr einem Monat Vorarlberg im Normalbetrieb.

1300 Meter Fallhöhe zwischen Lünersee und Krafthaus machen die Stromerzeugung besonders effizient. Europaweit ist das einer der größten Höhenunterschiede dieser Art.

8 Kilometer lang wird der Druckstollen zwischen Lünersee und dem Wasserschloss Valkastiel. Von dort führt ein weiterer Druckschacht zur unterirdischen Krafthauskaverne bei Bürs.

2029 ist der Baustart des Mega-Projekts vorgesehen. Voraussetzung ist ein positiver Abschluss des UVP-Verfahrens und der Baubeschluss durch den Aufsichtsrat. 2036 soll das Lünerseewerk II nach heutigem Stand in Betrieb gehen

Speichern und Einspeisen

Mit der Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung beginnt die nächste Phase für das Pumpspeicherkraftwerk, das ab 2036 einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des europäischen Stromnetzes leisten soll. Das Projekt gilt als Herzstück der künftigen Kraftwerksstrategie der Illwerke vkw und soll überschüssigen Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen speichern und bei Bedarf innerhalb weniger Minuten wieder ins Netz einspeisen.
„Die Energielandschaft verändert sich grundlegend“, sagte Wegeler. Der Strombedarf werde durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz deutlich steigen. Gleichzeitig nehme mit dem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik die wetterabhängige Stromerzeugung zu. „Um das Energiesystem auch künftig stabil halten zu können, braucht es Kraftwerke, die schnell und flexibel reagieren können und große Energiemengen zwischenspeichern“, erklärte der Illwerke-vkw-Vorstand. Genau dafür sei das Lünerseewerk II konzipiert.

Kraftwerk im Berginneren

Das neue Kraftwerk nutzt den bestehenden Lünersee als Oberbecken. Über einen rund acht Kilometer langen Druckstollen und einen fast zwei Kilometer langen Druckschacht soll das Wasser künftig zu einer unterirdischen Krafthauskaverne bei Bürs geleitet werden. Dort erzeugen drei Maschinensätze Strom oder pumpen bei einem Überangebot an Energie Wasser wieder zurück in den Lünersee. Die vorhandene Infrastruktur der Kraftwerksgruppe mit dem Walgaustollen und den Rodundbecken wird dabei weitgehend weitergenutzt. Das eigentliche Kraftwerk entsteht nahezu vollständig im Berginneren.

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Landeshauptmann Markus Wallner und Illwerke-vkw-Vorstand Gerd Wegeler am Lünersee.

Beitrag zur Energiewende

Für Landeshauptmann Wallner ist das Projekt weit mehr als ein Vorarlberger Kraftwerk. Es sei ein Beitrag zur europäischen Energiewende und zur Versorgungssicherheit. Gleichzeitig erneuerte er seine Forderung nach einer nationalen Kraftwerksstrategie. Österreich müsse den Ausbau von Kraftwerken, Stromnetzen und Speichern gemeinsam planen. „Wir müssen über Einzelprojekte hinausdenken“, sagte Wallner. Nur so ließen sich Versorgungssicherheit, leistbare Energiepreise und Klimaschutz miteinander verbinden.
Neben der energiepolitischen Bedeutung verwies Wallner auf die wirtschaftlichen Auswirkungen. Das Investitionsvorhaben werde über Jahre hinweg Aufträge, Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Davon profitierten regionale Unternehmen ebenso wie der Wirtschaftsstandort Vorarlberg.

Baustellenlogistik

In der Fragerunde interessierten sich die Journalisten vor allem für den Zeitplan, den Baustellenverkehr und mögliche Belastungen für die Region. Wegeler betonte, dass die Baustellenlogistik gegenüber früheren Planungen deutlich angepasst worden sei. Mit einem eigenen Autobahnanschluss bei Bürs sowie einer neuen Erschließung im Brandnertal solle der Verkehr durch die Ortszentren möglichst gering gehalten werden. Am Lünersee selbst werde nur während der Sommermonate gearbeitet. Nach Fertigstellung werde vom eigentlichen Kraftwerk kaum etwas sichtbar sein, weil die Anlagen unterirdisch errichtet werden.

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Klimawandel

Auch Fragen nach den Folgen des Klimawandels wurden gestellt. Pumpspeicherkraftwerke seien von Trockenperioden weniger betroffen als klassische Laufkraftwerke, weil das Wasser im System immer wieder zwischen Ober- und Unterbecken bewegt werde, erklärte Wegeler. Nach derzeitigen Untersuchungen bleibe die jährliche Niederschlagsmenge in Vorarlberg langfristig weitgehend konstant, auch wenn künftig häufiger längere Trockenphasen und Starkregenereignisse zu erwarten seien.

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Der Pressetermin fand auf der Staumauer des Lünersees statt. Hofmeister/VLK

Umfangreiche Unterlangen

Mit der Einreichung der Unterlagen beginnt nun die Umweltverträglichkeitsprüfung. Insgesamt umfasst das Projekt rund 40 Fachbereiche, etwa 50 Berichte und rund 230 Pläne. Erst wenn das Verfahren abgeschlossen ist und die erforderlichen Genehmigungen vorliegen, kann der Aufsichtsrat den Baubeschluss fassen. Nach derzeitigem Stand ist dieser für 2028 vorgesehen. Der Baustart soll 2029 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für 2036 geplant.