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Wenn Clowns die Stadt erobern

07.08.2026 • 18:00 Uhr
Clownvention
Die Familienshow „Passt“ mit dem Tiroler Clown-Duo Vero findet am Mittwoch Nachmittag im TiK statt. betz

Mit der ersten Clownvention wird Dornbirn zum internationalen Treffpunkt der zeitgenössischen Clownerie. Gemeinsames Lachen in der Zirkushalle und im TiK.

Fast 70 Clowninnen und Clowns aus aller Welt verwandeln Dornbirn von 10. bis 16. August in ein Zentrum der zeitgenössischen Clownerie. Mit der ersten Clownvention erfüllt sich für die Zirkushalle Dornbirn ein lang gehegter Traum: Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland kommen nach Vorarlberg, um voneinander zu lernen, gemeinsam zu experimentieren und die Vielfalt ihrer Kunst zu feiern. Für die Bevölkerung gibt es mit einer Parade durch die Innenstadt und mehreren Abendshows die Gelegenheit, in die bunte Welt der modernen Clownerie einzutauchen.

Clownvention
Das Clown-Trio “Jajajå” aus Salzburg ist beim Clown-Cabarett am Samstag mit dabei. Mosmann

Internationaler Treffpunkt

„Genau das haben wir uns vor Jahren erhofft: Dass die Zirkushalle ein internationaler Treffpunkt für Zirkuskünste wird“, sagt Raffaela Rudigier-Gerer, die gemeinsam mit Lila Monti, Sebastian Gerer, Olivia Platzer und Bryce Kasson den Event organisiert. „Jetzt kommen Clowns aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Österreich, Großbritannien, den USA und vielen weiteren Ländern zu uns. Sie bringen die Welt nach Dornbirn. Das ist genau das, was wir immer erreichen wollten.“

Clownvention
Das Clown-Duo “A Nariguda” aus Portugal ist mit seiner Show “The Witnesses” am Freitag im TiK zu sehen. zhd

Auf Augenhöhe

Die Idee zur Clownvention stammt von der argentinischen Clownin und Lehrerin Lila Monti, mit der die Dornbirner Zirkushalle seit Jahren zusammenarbeitet. Anders als bei klassischen Festivals stehen keine Workshops mit Vortragenden im Mittelpunkt, sondern der Austausch auf Augenhöhe. „Viele Clowns arbeiten als Einzelkämpfer und begegnen sich höchstens bei Workshops. Dort bleibt aber kaum Zeit für Austausch“, erklärt Rudigier-Gerer. Deshalb orientiere sich die Clownvention am Konzept internationaler Jonglier-Conventions: Die Veranstalter stellen die Infrastruktur bereit, die Inhalte gestalten die Teilnehmenden selbst.

Programm Clownvention

Mittwoch, 12. August
11 bis 13 Uhr: Clown-Parade durch den Wochenmarkt, Marktplatz
Dornbirn
15 Uhr: Familien-Vorstellung: Duo Vero „Passt“, TiK
Donnerstag, 13. August
20.15 Uhr: Clown-Open-Stage, TiK
Freitag, 14. August
13 bis 18 Uhr: Symposium zur zeitgenössischen Clownerie, Zirkushalle
20.15 Uhr: Clown-Duo „A Nariguda“, TiK
Samstag, 15. August
20.15 Uhr: Clown-Cabaret-Night, Zirkushalle

Mehr Informationen auf: www.zirkushalle.at

„Augenhöhe ist dabei das wichtigste Stichwort“, betont sie. „Es gibt keine Lehrer und keine Hierarchien. Alle sind Clowns, die dieselben Fragen und Interessen haben. Es geht darum, voneinander zu lernen, Netzwerke zu knüpfen und die internationale Clown-Community zu stärken.“ In selbstorganisierten Laboratorien werden neue Ideen entwickelt, bei Clown Jams improvisiert und gespielt, in der Clown Lounge Erfahrungen ausgetauscht.

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Sebastian Gerer und Raffaela Rudigier-Gerer von der Zirkushalle Dornbirn. Stiplovsek

Auf dem Marktplatz

Auch die Öffentlichkeit kann die Clownvention, bei der das TiK Kooperationspartner ist, hautnah erleben. Am Mittwoch, 12. August, ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen 11.30 Uhr während des Dornbirner Wochenmarkts in einer farbenfrohen Parade durch die Innenstadt. „Wir werden mit allen Clowns gemeinsam über den Marktplatz ziehen – fast wie eine Reisegruppe mit Fremdenführer“, so die gebürtige Montafonerin mit einem Lächeln. „Der Guide wird den Clowns Dornbirn zeigen und gleichzeitig kann Dornbirn die Clowns bestaunen. Es wird eher eine Parade als ein wildes Spektakel. Niemand muss Angst haben, in etwas hineingezogen zu werden. Man kann einfach zuschauen und staunen.“

Vorstellungen

Dazu kommen mehrere öffentliche Vorstellungen: Am Mittwoch steht die Familienproduktion „Passt“ des österreichischen Duos Vero auf dem Programm, am Donnerstag folgt eine Clown-Open-Stage, am Freitag gastiert das portugiesische Duo „A Nariguda“, ehe am Samstag ein internationales Clown-Cabaret mit zehn Künstlerinnen und Künstlern den Abschluss bildet. Die Abendveranstaltungen finden im TiK Dornbirn statt, die Clownvention selbst in der Zirkushalle.

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Die Zirkushalle Donrbirn öffnete 2018 seine Tore. Stiplovsek

Alte Klischees

Für Rudigier-Gerer ist die Veranstaltung auch eine Einladung, mit alten Klischees aufzuräumen. „Viele denken noch an den klassischen Zirkusclown mit Ringelshirt und übergroßen Schuhen. Dieses Bild ist längst überholt. Heute gibt es unzählige unterschiedliche Zugänge zu Humor.“ Besonders in Südamerika und Frankreich habe sich eine lebendige, moderne Clownszene entwickelt.

Clownvention
Clownin Olivia Platzer in Aktion bei einem Clown-Jam in der Zirkushalle. Mosmann

Gemeinsam lachen

Die Organisatorin hofft deshalb, dass viele Menschen die Vorstellungen besuchen. „Ich bin überzeugt, dass alle eine gute Zeit haben werden. Wir lachen einfach viel zu wenig.“ Dass gemeinsames Lachen wichtig sei, zeige auch eine bekannte Statistik: Kinder lachen täglich mehr als 400-mal, Erwachsene im Durchschnitt nur noch rund zwölfmal.

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Im TiK in Dornbirn finden die Abendveranstaltungen statt. Hartinger

Für die Obfrau des Vereins Zack & Poing, der die Zirkushalle betreibt, ist Clownerie weit mehr als Unterhaltung. „Man lernt, sich selbst ehrlich anzuschauen und Dinge nicht mehr verstecken zu müssen. Das befreit einen selbst und auch das Publikum. Wenn ein Clown wirklich frei spielt, entsteht etwas sehr Berührendes. Dann gibt es kaum etwas Schöneres, als gemeinsam herzlich zu lachen.“

Entwicklung Zirkushalle

Die Clownvention ist zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, wie sich die Zirkushalle Dornbirn entwickelt hat. Acht Jahre nach dem Start zieht Rudigier-Gerer eine positive Bilanz. „Wir sind sehr zufrieden. Es passiert unglaublich viel und manchmal ist es fast überwältigend.“

Zirkushalle Dornbirn

Die Zirkushalle Dornbirn wird vom Verein Zack & Poing betrieben und versteht sich als Treffpunkt und Heimat für die Mitglieder sowie als offener Ort für alle Bewegungs-, Artistik- und Kulturbegeisterte jeden Alters. Ziel ist es, Zirkus- und Performancekünstlern aus der Region und dem benachbarten Grenzgebiet einen dauerhaften Trainings- und Arbeitsraum zu bieten. Darüber hinaus soll die Halle als kreatives Zentrum und Freiraum wirken. Neben dem Trainingsbetrieb vermittelt der Verein auch Künstlerinnen und Künstler, bietet Showacts, Mitmachzirkus, Teambuildings und Firmen-Offsites an – sowohl vor Ort als auch direkt in Unternehmen. Zudem werden zahlreiche Schulprojekte umgesetzt, darunter auch grenzüberschreitende Initiativen, erklärt Obfrau Raffaela Rudigier-Gerer. Zum Zirkushallen-Team gehören: Sebastian Gerer (Co-Geschäftsführung und Leitung), Raffaela Rudigier-Gerer (Obfrau), Pia Winter (Projektkoordination), Edith Tonweber (Vorstand) und Franziska Hauser (Vorstand) sowie das Trainerteam um Marielle Ameganvi, Catherina Fricker und Tobias Gabriel.

Neue Generation

Mit Kooperationen wie jener mit dem Freudenhaus, neuen Angeboten wie dem Zirkusturnen und internationalen Gastspielen entwickelt sich die Einrichtung stetig weiter. Besonders freut sie sich darüber, dass inzwischen eine neue Generation heranwächst. „Jugendliche, die als Kinder in der Zirkushalle begonnen haben, besuchen heute internationale Jonglier-Conventions und entwickeln sich selbst zu Künstlern. Das zeigt, dass die Zirkushalle für viele zu einer echten Heimat geworden ist.“

Wenn Clowns die Stadt erobern
Raffaela Rudigier-Gerer: “Ich bin überzeugt, dass die Besucherinnen und Besucher der Clownvention mit einem erfüllten Herzen und einem Lachen nach Hause gehen werden.”

Besonders stolz sei sie auf das Team. „Die Zirkushalle lebt nicht von einzelnen Personen, sondern von einer großen Zirkusfamilie. Gemeinsam schaffen wir es inzwischen, zwei Hallen mit Leben zu füllen und ein außergewöhnliches Programm auf die Beine zu stellen.“

Die Clownvention zeige, wie schnell aus einer Idee Realität werden könne. „Vor etwas mehr als einem Jahr war sie nur eine lose Idee. Jetzt treffen sich fast 70 Clowns aus aller Welt in Dornbirn. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie aus einer kleinen Idee etwas so Großes entstehen kann.“

Clownvention

Psychohygiene

Und warum sollte man die Clownvention besuchen? Für Raffaela Rudigier-Gerer ist die Antwort eindeutig: „Ich bin überzeugt, dass die Besucherinnen und Besucher mit einem erfüllten Herzen und einem großen Lachen nach Hause gehen werden. Gerade in einer Zeit, die von Krisen, Kriegen und vielen schlechten Nachrichten geprägt ist, brauchen wir Orte, an denen wir Kraft schöpfen können. Lachen ist für mich gelebte Psychohygiene und auch eine Form von Widerstand.“ Ganz im Sinne des Leitsatzes der Zirkushalle: „Wir wollen die Welt durch Kunst, Bewegung und gemeinsames Lachen ein kleines Stück besser machen.“