Nachhilfe für Volksschüler: Druck steigt

Auch in den Sommerferien greifen viele Familien auf Nachhilfe zurück, längst nicht nur wegen drohender Nachprüfungen.
Sommerferien bedeuten für viele Schülerinnen und Schüler im Land nicht ausschließlich eine Pause vom Lernen. Nachhilfe ist auch im August gefragt und offenbar zunehmend nicht erst dann, wenn eine Nachprüfung bevorsteht.
Familien nutzen die Ferien vermehrt dazu, Lernstoff zu wiederholen, Lücken zu schließen oder sich bereits auf das kommende Schuljahr vorzubereiten. Besonders auffällig: Auch bei Volksschulkindern spielt Nachhilfe eine immer größere Rolle.

Nachhilfe zur Prävention
Bei der „Smile Akademie“ im Oberland werde Nachhilfe im Sommer inzwischen häufig präventiv gebucht, berichtete deren Gründerin Elisabeth Baldauf-Geier gegenüber dem ORF. Ähnlich schildert es Angela Schmidt vom Lernquadrat. In Intensivkursen werde Stoff wiederholt und gefestigt – mit dem Ziel, im neuen Schuljahr bei Schularbeiten „die Nase vorn“ zu haben. Gerade in der zweiten Hälfte der Ferien sei die Nachfrage groß.
Einzelstunden würden dagegen häufiger dann gebucht, wenn tatsächlich eine Nachprüfung ansteht. Besonders gefragt sind dabei die Schulfächer Mathematik, Englisch und Deutsch.
Dass Nachhilfe heute nicht mehr ausschließlich der Behebung akuter schulischer Probleme dient, deckt sich nach Angaben von Linus Riedmann, Bildungsexperte der Arbeiterkammer Vorarlberg, mit den Ergebnissen des Vorarlberger Nachhilfe-Monitorings 2025. Mehr als die Hälfte der Nachhilfestunden habe demnach der Verbesserung von Noten gedient, in gerade einmal fast einem Viertel der Fälle sollte eine Nachprüfung oder ein Fünfer im Zeugnis verhindert werden.

Bei jedem fünften Kind ging es darum, möglichst gute Noten für den Wechsel in eine höhere Schule zu erreichen. Eine längerfristige Entwicklung lasse sich laut AK bei dieser Aufschlüsselung allerdings noch nicht seriös darstellen, da sie 2025 erstmals in dieser Form erhoben wurde.
Riedmann sieht hinter dieser Entwicklung weniger übertriebenen Ehrgeiz von Eltern als vielmehr eine Reaktion auf den Notendruck im Schulsystem. Gerade bei jüngeren Kindern beurteilt die Arbeiterkammer die Situation kritisch. Im Monitoring 2025 erhielt bereits jedes fünfte Volksschulkind in Vorarlberg bezahlte Nachhilfe. Insgesamt stieg die hochgerechnete Zahl der Kinder mit bezahlter Nachhilfe von rund 7000 im Jahre 2022 auf etwa 12000 im letzten Jahr.
„Dass das schon im Volksschulalter in diesem Ausmaß passiert, lässt sich aus unserer Sicht kaum mit fachlicher Überforderung allein erklären“, sagt Riedmann. Für die AK spiele dabei der Druck rund um den Übertritt in eine weiterführende Schule eine wesentliche Rolle.
Immer mehr Volksschüler
Immer mehr Volksschüler. Auch die Erfahrungen der privaten Anbieter in diesen Sommerferien weisen in diese Richtung. Laut ORF gibt es vermehrt Anfragen für Volksschülerinnen und Volksschüler. Dabei gehe es unter anderem darum, Kinder auf die vierte Klasse und einen möglichen Wechsel ins Gymnasium vorzubereiten. Steht der Schulwechsel unmittelbar bevor, werde außerdem Englisch verstärkt nachgefragt. Wie verbreitet Nachhilfe im Sommer 2026 in Vorarlberg insgesamt ist, lässt sich derzeit allerdings noch nicht beziffern. Eine neue landesweite Erhebung liegt laut Riedmann bisher nicht vor; die jüngsten belastbaren Vorarlberg-Zahlen stammen aus dem Monitoring 2025.
Einen aktuellen Hinweis auf einen weiterhin hohen Bedarf liefert jedoch die kostenlose Sommer-Lernhilfe der AK selbst: Mehr als 100 Kinder meldeten heuer Interesse an, 74 Plätze konnten vergeben werden. „Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Bedarf weiterhin da ist und das Angebot übersteigt“, sagt Riedmann gegenüber der NEUE am Sonntag.
Damit stellt sich auch die Frage, wer sich zusätzliche Unterstützung leisten kann. Im Schuljahr 2024/25 nahmen laut AK-Monitoring 23 Prozent der Schulkinder bezahlte Nachhilfe in Anspruch, 2022 waren es noch 15 Prozent. Durchschnittlich gaben Familien rund 790 Euro pro Nachhilfekind im Jahr aus. Für 44 Prozent jener Eltern, die sich bezahlte Nachhilfe gewünscht hätten, waren die Kosten ein Grund, darauf zu verzichten. Etwa die Hälfte der Haushalte mit Nachhilfekosten fühlte sich zudem dadurch finanziell spürbar belastet.
Zeit und Geld
Zeit und Geld. Die AK sieht deshalb auch das Schulsystem gefordert. Im Monitoring gab rund ein Drittel der betroffenen Eltern an, dass ihre Kinder zu wenig individuelles Feedback erhielten, rund 40 Prozent berichteten von zu wenig Zeit für Fragen und Übungen im Unterricht. Für Riedmann ist deshalb entscheidend, dass Schüler mehr Gelegenheit bekommen, Stoff bereits in der Schule zu festigen und zu verstehen.
Ob sich der steigende Nachhilfebedarf aus den vergangenen Jahren auch 2026 österreichweit fortsetzt, dürfte sich bereits in wenigen Tagen genauer zeigen: Am 18. August veröffentlicht die Arbeiterkammer ihr aktuelles österreichweites Nachhilfebarometer. Eine eigene Vorarlberg-Auswertung ist heuer allerdings nicht vorgesehen.