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Ohne Klimaanlage: Wie Hitze den Pflegealltag in Wolfurt verändert

18.08.2026 • 12:51 Uhr
Ohne Klimaanlage: Wie Hitze den Pflegealltag in Wolfurt verändert
Die Hitze stellt Pflegeheime zunehmend vor große Herausforderungen. Stiplovsek

Im alten Haus der Sozialdienste Wolfurt gibt es wenig Orte, an denen die Hitze nachlässt. Für Pflegekräfte und Bewohner verändert das mehr als nur den Tagesablauf.

Pflegearbeit ist körperlich fordernd. Kaum ein anderer Beruf kommt Menschen so nahe. Die Arbeit verlangt Kraft und Ausdauer, ist für viele aber auch erfüllend, weil Hilfe hier unmittelbar ankommt. In den vergangenen Wochen wurde dieser ohnehin anspruchsvolle Alltag durch die drückende Hitze zusätzlich erschwert.

Keine Klimaanlage

Im Pflegezentrum der Sozialdienste Wolfurt war sie überall spürbar, in den Zimmern, in den Aufenthaltsbereichen, bei jeder Bewegung und bei jeder Pflegetätigkeit. „Die Arbeit wird mehr“, sagt Bereichspflegeleiterin Angelika Mischi im Gespräch mit der NEUE. Pflegedienstleiterin Wiltrud Oberhofer beschreibt die Ausgangslage klar: Das Haus ist alt, eine Klimaanlage gibt es nicht. Kühle Räume zu finden, sei schwierig für die Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie für die Mitarbeitenden.

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(v. l.) Wiltrud Oberhofer und Angelika Mischi im Gespräch mit der NEUE. Stiplovsek

Besonders belastend sei das Obergeschoss. Durch Dachluken heize sich der Bereich stark auf, kühlere Luft lasse sich in der Nacht kaum mehr hereinbringen. Standventilatoren laufen dort, wo es möglich ist. Gleichzeitig seien sie aber auch keine ideale Lösung: Zugluft könne Nackenbeschwerden oder Augenreizungen bei den Bewohnern auslösen. Im Obergeschoss wurden deshalb Hitzeschutzfolien an den Fenstern angebracht. Zwei Grad weniger, sagt Mischi, machten in einem aufgeheizten Pflegeheim bereits einen spürbaren Unterschied.

Hoffnung auf Neubau

Trotzdem bleibt die größte Hoffnung für das kommende Jahr eine Klimaanlage. Geplant ist sie vor allem im Aufenthaltsbereich im Erdgeschoss, wo die Bewohner einen Großteil des Tages verbringen. Auch wenn in einigen Jahren ein Neubau vorgesehen ist, will man so lange nicht warten. Für Oberhofer ist klar, das schnellstmöglich einen kühlen, leicht zugänglichen Ort braucht, an dem Bewohner und Personal zumindest zeitweise der Hitze herauskommen.

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Die Dachluken werden im Sommer zum Schutz vor der Hitze abgedeckt. Stiplovsek

Die Hitze trifft in einem Pflegeheim auf Menschen, die besonders gefährdet sind. Viele Bewohner nehmen mehrere Medikamente ein, viele haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemprobleme oder kognitive Einschränkungen. „Eigentlich sind alle gefährdet“, sagt Oberhofer. Rund 70 bis 80 Prozent der Bewohner seien zusätzlich kognitiv beeinträchtigt. Wenn sie zu wenig trinken, verschlechtere sich ihr Zustand. Die Trinkmotivation sei daher ein Dauerbrenner, im Sommer noch mehr als sonst.

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Stiplovsek

Auch für physisch verändert die Hitze den Pflegealltag. Wer ohnehin schwach ist, bewegt sich noch weniger. Doch jede Woche mit weniger Bewegung kann bei älteren Menschen Gleichgewicht, Kraft und Selbstständigkeit weiter verschlechtern, erklärt Mischi. Gleichzeitig wird auch die direkte Pflege anstrengender. Aufgaben wie Waschen oder Umlagern geht nur mit engem Körperkontakt. Bei hohen Raumtemperaturen ist das für beide Seiten belastend. Schwitzen Bewohner stark, müssen sie häufiger gewaschen und umgezogen werden. Hautfalten, Reizungen und Pilzinfektionen verlangen zusätzliche Aufmerksamkeit.

Von Fußbäder und Sonnenhüte

Die Sozialdienste Wolfurt versuchen mit vielen kleinen Maßnahmen gegenzusteuern. Es gibt Fußbäder, feuchte Tücher, Sonnenhüte, natürlich Sonnencreme und nach Möglichkeit Aufenthalte im Schatten des Gartens. Aktivitäten werden angepasst oder verschoben. Die wöchentlichen Rikscha-Fahrten wurden zum Beispiel während der größten Hitze ausgesetzt.

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Angelika Mischi ist Bereichsleiterin bei der Sozialdienste Wolfurt. Stiplovsek

Auch beim Personal wurde reagiert. Mitarbeitende können in den Pausen duschen, Kleidung wird häufiger gewechselt, und neue, leichtere Dienstkleidung bringt Erleichterung. Die Arbeit einfach in kühlere Tageszeiten zu verlegen, sei in der Pflege jedoch kaum möglich. Menschen brauchen Hilfe dann, wenn sie sie brauchen.

Wissensaustausch

Oberhofer bringt ihre Erfahrungen auch in das Vorarlberger Hitzeschutzbündnis ein. Für die Sozialdienste Wolfurt wurde ein eigener Hitzeschutzplan erstellt, ebenso ein Assessment, mit dem besonders gefährdete Bewohner erkannt werden sollen. Das ist auch mit Blick auf den Neubau wichtig: Beschattung, Lüftung und kühle Rückzugsräume müssen von Beginn an mitgedacht werden.

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Wiltrud Oberhofer ist Pflegeleiterin bei der Sozialdienste Wolfurt. Stiplovsek

Hitzeschutzbündnis

Der Vorarlberger Hitzeschutzplan sieht für Pflegeeinrichtungen je nach Lage unterschiedliche Aktionsstufen vor. Bei einer Hitzewelle, definiert als gefühlte Temperatur über 35 Grad für mindestens drei Tage ohne nächtliche Abkühlung, sollen Pflegeeinrichtungen unter anderem Raumtemperaturen beobachten, Trinkmengen im Blick behalten, Aktivitäten anpassen und Körperkühlung durch Duschen, Hand- oder Fußbäder ermöglichen.

Mehr Maßnahmen gefordert

Auch die Arbeiterkammer drängt auf verbindliche Vorgaben. AK-Vizepräsidentin Manuela Auer fordert klare Standards für Pflegeheime. Beschattung, Kühlung, angepasste Arbeitsabläufe und ausreichende Erholungszeiten für die Angestellten dürften nicht davon abhängen, in welchem Heim jemand lebt oder arbeitet. Nötig seien außerdem öffentliche Mittel, weil viele Einrichtungen bauliche und technische Anpassungen nicht allein stemmen könnten.

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Bettina genießt die schattigen Wege im Garten des Zentrums. Stiplovsek

Sorgen macht Oberhofer auch die Situation älterer Menschen zu Hause. Im Heim seien Bewohner engmaschig beobachtet, daheim hänge vieles von Angehörigen, Nachbarn oder 24-Stunden-Betreuung ab. Warnzeichen auf die es zu achten gilt, seien plötzliche Verwirrtheit, starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder auffallend wenig Flüssigkeitsaufnahme. Dann gelte: Lieber früh reagieren als zu spät.