Wachstumsmotor in Zentralasien

Kirgisistan wächst derzeit deutlich schneller als viele andere Länder der Region. Was hinter dem überraschenden Aufschwung steckt – und warum davon auch breite Teile der Bevölkerung profitieren.
Kirgisistan, ein rund sieben Millionen Einwohner zählendes Land, entwickelt sich zunehmend zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften in Zentralasien. Trotz einer vergleichsweise kleinen Wirtschaftsleistung und bestehender struktureller Herausforderungen verzeichnet das Land ein bemerkenswertes Wachstum. Steigende Einkommen, eine robuste Binnennachfrage und ein zunehmend professioneller Finanzsektor schaffen attraktive Rahmenbedingungen, so die Experten der Erste Asset Management.
Das Wirtschaftswachstum hat seit 2022 richtig Fahrt aufgenommen. Getragen wurde dieser Aufschwung zunächst von steigenden Handelsströmen in der Region, hohen Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten sowie einer lebhaften Konsumnachfrage. Nach Einschätzung der Weltbank lag das reale Wirtschaftswachstum 2025 bei mehr als 11 Prozent und zählt damit zu den höchsten in Europa und Zentralasien. Zunehmend gewinnen langfristige Wachstumstreiber an Gewicht. Staatliche und private Investitionen fließen in Infrastruktur, Logistik und Energie-Vorhaben. Dazu zählen eine geplante Eisenbahnverbindung sowie ein großes Wasserkraftprojekt.
Eine wichtige Stütze der Wirtschaft bleibt zudem der Rohstoffsektor. Vor allem hohe Goldpreise haben in den vergangenen Jahren Exporterlöse und Staatseinnahmen erhöht. Parallel dazu arbeitet die Regierung an Verbesserungen des Geschäftsumfelds und versucht, private Investitionen stärker anzuziehen.
Auch die Einwohner profitieren. So ist die Armutsquote in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Steigende Löhne, ein stabiler Arbeitsmarkt und Rücküberweisungen aus dem Ausland haben die Lebensbedingungen vieler Haushalte verbessert. Ein großer Teil der Bevölkerung ist in Klein- und Kleinstbetrieben, der Landwirtschaft oder im informellen Sektor beschäftigt. Gerade deshalb spielt der Zugang zu Finanzdienstleistungen eine zentrale Rolle.
Der Mikrofinanzsektor konnte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem professionellen und regulierten Finanzökosystem entwickeln. Mikrofinanzinstitute vor Ort versorgen insbesondere Kleinbauern, Händler, Dienstleister und Familienunternehmen mit Kapital und schließen damit Lücken, die traditionelle Banken häufig nicht abdecken. Bemerkenswert ist dabei die hohe Professionalität vieler Institute. Investitionen in Digitalisierung, Risikomanagement und Kundenschutz haben die Branche gestärkt und ihre Widerstandsfähigkeit erhöht. Zusätzlichen Schub erhält der Markt durch digitale Angebote.
