Demonstration vor UVP-Verhandlung: Nächste Runde in Rondo-Debatte

Eine neue Großdemonstration gegen das geplante Reststoffkraftwerk der Rondo Ganahl AG soll einen Tag vor der öffentlichen UVP-Verhandlung stattfinden. Nach einem Gesprächsstopp zwischen Unternehmen und einer Bürgerinitiative hat die NEUE Stimmen eingeholt.
Mit Einreichung der Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und der erlangten Parteistellung zweier Bürgerinitiativen wurde es kurzzeitig ruhiger um die Errichtung eines Reststoffkraftwerks der Rondo Ganahl AG. Termin und Ort für die öffentliche UVP-Verhandlung stehen inzwischen fest: Dienstag, 22. September um 9 Uhr im Ramschwagsaal in Nenzing.
Für den Tag zuvor, 21. September von 18 bis 20 Uhr, hat die Bürgerinitiative S.O.S. Walgau eine Großdemonstration vor dem Saal organisiert. In ihrem Aufruf rechnet die Initiative mit über 1000 Teilnehmern. Die aktuellen Ereignisse stehen jedoch unter dem Gesichtspunkt, dass die Firma Rondo Mitte August in einem öffentlichen Brief verlautbart hat, keinen Dialog mehr mit S.O.S. Walgau zu führen. Das Unternehmen spricht der Bewegung Seriosität ab.
Die NEUE hat Stimmen von Rondo sowie S.O.S. Walgau zu den Vorwürfen eingeholt. Zugleich wird betrachtet, ob Auswirkungen auf den Dialog mit anderen Initiativen wie “Besorgte BürgerInnen” bestehen und sprach mit “Gesunder Lebensraum Göfis” über ein Benefizkonzert, dessen Einnahmen unabhängige Gutachten finanzieren sollen.

Angstschürende Bilder
Rondo kritisiert speziell die Verwendung angstschürender (KI-)Bilder und Formulierungen, die nach Ansicht des Unternehmens an Propaganda erinnern. Beispielhaft verweist die Frastanzer Firma auf ein KI-generiertes Bild, welches Verantwortliche und Mitarbeitende mit Geldscheinen in der Hand vor einer Fabrik zeigt. Dort qualmt schwarzer Rauch aus vier Schornsteinen. Diese Darstellung solle “suggerieren, dass Rondo ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Menschen das Erzielen von Unternehmensgewinnen über alles andere stellt”.
Zugleich wird die Verbreitung angeblicher Fehlinformationen kritisiert. Laut Rondo werden Informationen über Verbrennungsanlagen aus den USA herangezogen, wo Richtlinien relevant sind, die mit jenen in Österreich nicht annähernd vergleichbar seien.
Hinsichtlich einer von S.O.S. Walgau durchgeführten “Luftballonaktion” weist Rondo auf die technischen Unterschiede zwischen der Verteilung luftgetragener Stoffe und einem Heliumballon hin. Deren Flugbahn sei nicht gleichzusetzen. Die Initiative versucht in ihrer Aktion die Flugbahn von Emissionen im Walgau nachzustellen und Auswirkungen zu erklären.
Angesichts dieser Vorgehensweise erachte das Unternehmen S.O.S. Walgau derzeit nicht als seriösen Gesprächspartner. Daher werde nicht kommuniziert und keine Unterschriften entgegengenommen.

Karikaturen
Angesprochen auf den Dialogstopp sagt eine Sprecherin von S.O.S. Walgau: “Es ist ein emotionales Thema.” Es werde dementsprechend mit Emotionalisierung gearbeitet, aber “jeder mündige Bürger kann einordnen, dass es keine Angstmache sein soll.”
Laut der Bürgerinitiative gebe es Rahmenbedingungen, unter welchen kommuniziert werden darf. S.O.S. Walgau kommuniziere mit Karikaturen und vertraue darauf, dass Leser und Betrachter dies korrekt verstehen. Es werden KI-Bilder verwendet, was aber dem geschuldet sei, dass die Initiative keine kostenintensive Marketingagentur engagieren könne.
Für S.O.S. Walgau steht fest: “Viel seriöser, wie wir an die Geschichte herangehen, geht fast nicht.” Es sei ein Anwalt engagiert und durch ausreichend Unterschriften volle Parteistellung erlangt worden. Zitierte Informationen entstammen aus den UVP-Unterlagen.
Im Zuge der Großdemonstration am 21. September soll allen Kritikern nochmals eine Bühne gegeben werden. Es solle auch aufgezeigt werden, dass hinter den Unterschriften Menschen stehen.

Weitere Stimmen
Abseits der Diskussion zwischen Rondo und S.O.S. Walgau zeigen sich anderweitige Herangehensweisen an das Thema. “Besorgte BürgerInnen”, welche als Bürgerinitiative im UVP-Verfahren ebenfalls Parteistellung erlangt hat, vertraue auf den eigenen Weg, wie deren Mitglied Othmar Mäser erklärt. So habe “Besorgte BürgerInnen” nicht wie S.O.S. Walgau den Fokus auf Social Media gelegt.
Mäser betont dennoch mit Hinblick auf das Ziel im Verfahren: “Wir ziehen am gleichen Strang.” Einen vergleichbaren Dialogstopp von Seiten Rondo befürchte er allerdings nicht. Das Unternehmen wiederum sagt, dass es in der Vergangenheit zwar Kommunikation zur Initiative gegeben habe, aber inzwischen längere Zeit nicht mehr.

“Gesunder Lebensraum Göfis”, ein loser Zusammenschluss, welcher Veranstaltungen in Göfis organisiert, nimmt sich des Themas in einem etwas anderen Rahmen an. Am Samstag, 5. September findet um 19 Uhr ein Benefizkonzert statt. Die dadurch generierten Spendeneinnahmen sollen Kosten ersetzen, welche S.O.S. Walgau für die Erstellung unabhängiger Gutachten hatte.
Im Gespräch mit der NEUE heißt es von Seiten “Gesunder Lebensraum Göfis”, es gehe aber im Konzert und einer Inszenierung vor allem darum, dass das Thema in der Gemeinde wieder stärker besprochen werde. Hierdurch solle keine vorgefertigte Meinung verbreitet, sondern zur Diskussion angeregt werden. Das Programm sei daher bewusst unterhaltsam.

Vorgeschichte
Das Verpackungsunternehmen Rondo Ganahl AG plant die Errichtung eines Reststoffkraftwerks im Bereich Augasse in Frastanz. Auf dem Gelände sind derzeit Parkplätze für Kunden und Mitarbeiter. Kritiker sehen hierin den Plan eine Müllverbrennungsanlage mit Gewinnabsicht zu errichten. Von deren Seite werden unter anderem Sorgen hinsichtlich Emissionen, Nähe zum Naturschutzgebiet und Verkehrsbelastung geäußert. Sie werfen dem Unternehmen in der Kommunikation Greenwashing vor.
Nachdem vom Bund die Genehmigung basierend auf dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) aufgehoben wurde, wurden von Rondo Unterlagen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht. Mit je mindestens 200 Unterschriften wahlberechtigter Personen haben die Bürgerinitiativen S.O.S. Walgau und “Besorgte BürgerInnen” im April ebenfalls Parteistellung für die UVP-Verhandlungen erlangt.
(NEUE Vorarlberger Tagesezeitung)