Kleine Speisen, große Hoffnung: Bei Tasty Lochau geht es weiter

Die NEUE hat bereits über den Fall Tasty berichtet. Nun startet das Lokal in Lochau mit angepasstem Konzept neu, Pizza und Döner bleiben aber tabu.
Ferhat Cetinkaya steht wieder hinter der Theke seines Tasty am Lochauer Bahnhof. Die Karte ist kleiner geworden, die Küche zurückhaltender, der Betrieb ein anderer. Pizza gibt es keine mehr, Döner auch nicht. Doch ganz ohne Speisen wollte Cetinkaya sein Lokal nicht weiterführen. „Es geht wieder bergauf“, sagt er. Man merkt ihm an, dass er diesen Satz nicht leichtfertig sagt.
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Die NEUE am Sonntag hatte bereits über den Fall berichtet. Nach einem Urteil darf das Tasty in Lochau nicht mehr wie bisher als Imbiss mit Pizza und Döner betrieben werden. Entscheidend war nach der gerichtlichen Beurteilung nicht nur die gewerberechtliche Genehmigung, sondern auch die im Wohnungseigentum vereinbarte Nutzung als Café.

Cetinkaya hat sein Konzept nun angepasst. Aus dem früheren Imbissbetrieb ist ein Café/Bistro geworden. Es gibt wieder eine kleine Speisekarte: Toast, Panini, Salate und weitere einfache Gerichte. „Ich muss schauen, was möglich ist“, sagt er. Die Gäste seien froh, dass es überhaupt wieder etwas zu essen gebe.
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Sieben Mitarbeiter weg
Die vergangenen Wochen hätten ihn hart getroffen. Nach dem Urteil konnte Cetinkaya seine sieben langjährigen Mitarbeitenden in Lochau nicht weiterbeschäftigen. „Das war das Schlimmste“, sagt er. Fast alle habe er aber in neue Anstellungen vermitteln können. In Lochau selbst bleibt ihm derzeit nur noch eine Teilzeitkraft.

Für Cetinkaya ist das Lokal mehr als ein Standort. Er habe sich hier in sieben Jahren etwas aufgebaut, sagt er. Viele Stammgäste kenne er beim Namen, viele kämen seit Jahren. „Das ist mein Lebenswerk“, sagt er. Genau deshalb habe er nach dem zivilrechtlichen Urteil nicht einfach zusperren wollen.
Minimarkt im Lokal
Neu ist auch ein kleiner Minimarkt im Geschäftslokal. Dort gibt es Snacks, Getränke, Reiseproviant sowie Toiletten- und Badartikel. Automaten gibt es keine. Verkauft wird nur während der normalen Öffnungszeiten.

Cetinkaya sieht darin eine Ergänzung zum Cafébetrieb und ein Angebot, das es am Lochauer Bahnhof ohne Tasty nicht gibt. „Es braucht hier so etwas“, sagt er. Die Lage sei dafür ideal: Bahnhof, Bushaltestellen, See, Pfänderbahn-Nähe, Pendler, Schüler, Ausflügler. Einen klassischen Bahnhofskiosk gebe es dort nicht. Auch ein Supermarkt sei nicht schnell zu Fuß erreichbar.

Die rechtliche Grundlage dafür sieht Cetinkaya in den sogenannten Nebenrechten im Gastgewerbe. Laut Wirtschaftskammer dürfen Gastgewerbetreibende unter bestimmten Voraussetzungen etwa Reiseproviant sowie Waren des üblichen Reisebedarfs verkaufen. Wichtig bleibt dabei, dass der Charakter des Gastgewerbebetriebs gewahrt wird.
Pizza bleibt Ziel
Ganz abgeschlossen ist der Fall für Cetinkaya nicht. Er betont, dass er nach wie vor davon überzeugt sei, korrekt gehandelt zu haben. „Ich habe der BH vertraut“, sagt er. Es seien Sachverständige vor Ort gewesen, es habe Verfahren, Auflagen und hohe Investitionen gegeben. Für ihn sei deshalb schwer nachvollziehbar, dass der Betrieb am Ende dennoch in dieser Form eingeschränkt wurde.
Nun strebt Cetinkaya eine gerichtliche Zustimmung zu einer Nutzungsänderung seines Lokals an. Sein Ziel ist klar: Er möchte irgendwann wieder Pizza anbieten dürfen. Gerade diese sei bei vielen seiner Gäste besonders beliebt gewesen. Döner und Pizza bleiben derzeit aber gestrichen.
Rückhalt aus der Bevölkerung gibt es weiter. Online und offline seien inzwischen rund 1500 Unterschriften für das Tasty gesammelt worden. Für Cetinkaya ist das ein wichtiges Signal. Rechtlich ersetzt die Petition zwar keine Zustimmung der Wohnungseigentümer. Für ihn zeige sie aber, dass viele Menschen das Angebot am Bahnhof behalten wollen.
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Gäste bleiben Tasty treu
Auch vor Ort ist zu spüren, dass viele Gäste dem Lokal verbunden sind. Einige kommen auf einen Kaffee, andere holen sich etwas Kleines zu essen oder kaufen ein Getränk für unterwegs. Viele seien erleichtert, dass es weitergeht, sagt Cetinkaya. „Die Leute fragen immer wieder, wie es mir geht.“
Im Winter möchte er das Angebot weiter anpassen. Suppen und Glühwein könne er sich vorstellen. Es werde kein großer Imbissbetrieb, sondern ein kleineres Angebot, das zum Café/Bistro passen soll. Cetinkaya versucht, Spielraum zu finden, ohne das Urteil zu missachten.

Der Neustart ist kein Zurück zur alten Normalität, sondern ein vorsichtiger Neustart. Tasty ist wieder da, aber anders als früher. Für Cetinkaya zählt vorerst, dass der Standort lebt. „Dieses Lokal ist mein Baby und ich habe viel Herzblut hineingesteckt. Ich gebe nicht auf“, sagt er. „Es muss irgendwie weitergehen.“
So kam es zum Tasty-Urteil:
2019
Ferhat Cetinkaya übernimmt das Geschäftslokal der ehemaligen Pizzeria Ciao Bella und eröffnet nach Dornbirn den zweiten Tasty-Standort. Behördliche Genehmigungen für Grillen und Frittieren existieren zu diesem Zeitpunkt bereits.
2020/2021
Der Betrieb wird technisch angepasst. Unter anderem geht es um Küchengeräte, Lüftung und Auflagen. Cetinkaya sagt heute, er habe den behördlichen Verfahren und den Sachverständigen vertraut.
2025/2026
Vor Gericht geht es nicht nur um Geruch oder Lärm, sondern vor allem um die vereinbarte Nutzung im Wohnungseigentum. Die Gerichte kommen zum Schluss: Die Einheit ist als Café gewidmet.
Nach dem Urteil
Pizza und Döner sind nicht mehr erlaubt. Cetinkaya kann seine sieben langjährigen Mitarbeitenden in Lochau nicht weiterbeschäftigen.
Sommer 2026
Online und offline werden rund 1500 Unterschriften für Tasty gesammelt. Viele sprechen sich dafür aus, dass es am Bahnhof weiterhin ein gastronomisches Angebot geben soll.
Jetzt
Tasty wird aktuell als Café/Bistro weitergeführt. Es gibt wieder kleine Speisen, auch zum Mitnehmen, und zusätzlich einen Minimarkt mit Snacks, Getränken, Reiseproviant sowie Toiletten- und Badartikeln.
Nächster Schritt
Ferhat Cetinkaya strebt nun eine gerichtliche Zustimmung zu einer Nutzungsänderung für sein Geschäftslokal an. Sein Ziel bleibt, zumindest wieder die bei Gästen beliebte Pizza verkaufen zu dürfen.