Mit “Tilda” auf den Spuren der Großeltern

Mit „Tilda“ erzählt Prinz Grizzley nicht nur die Geschichte seiner Großeltern, sondern auch von Krieg, Verlust, Liebe und einem Neubeginn. Das neue Album ist sein bislang persönlichstes Werk – und zugleich seine erste Konzeptplatte. Präsentiert wird der Tonträger am 19. September live im Spielboden Dornbirn.
Wenn Christoph Comper als Prinz Grizzley auf der Bühne steht, treffen Alt-Country, Americana, Blues und Folk auf die alpine Welt seiner Heimat. Berge, Wälder, Eigensinn, Herzenswärme und die Einfachheit des Lebens prägen seine Musik. Mit „Tilda“ schlägt der Bregenzerwälder nun einen neuen, deutlich intimeren Weg ein.

Das Album, das am 9. Oktober 2026 erscheint, ist Prinz Grizzleys insgesamt neuntes, aber seine erste Konzeptplatte. Im Mittelpunkt steht die Geschichte seiner Großeltern, die kaum über ihre Zeit erzählten. „Ich habe mir vorgestellt, wie sie sich gefühlt haben könnten, bevor sie einander kennengelernt haben, was sie gemeinsam erlebt haben, wann sie in den Krieg gekommen und wann sie zurückgekehrt sind“, so Comper. Aus diesen Vorstellungen entstand ein musikalischer roter Faden, der sich durch das gesamte Album zieht und in der Instrumentierung deutlich reduzierter daherkommt als die vorangegangenen „Scheiben“.
Miteinander verbunden
„Tilda“ verbindet persönliche Erfahrungen mit historischen Umbrüchen. Krieg, Verlust und ein schwieriger Neuanfang treffen auf eine Gegenwart, die ebenfalls von Unsicherheit und Veränderungen geprägt ist. „Im Grunde geht es um Menschen, die miteinander verbunden sind, während sich im Hintergrund eine unruhige Welt entwickelt“, erklärt der Vollblutmusiker.

Lebensgeschichte
Halt könne dabei vor allem die Familie geben: „Die Liebe kann im Auge des Sturms Halt geben.“ Die einzelnen Lieder erzählen Stationen dieser Lebensgeschichte. „Put Me Down (A Foreign Man)“ steht für den Urgroßvater, der als Einwanderer aus Italien zum Arbeiten kam. „A Rose on Garbage Hill“ führt in die Geschichte der Großmutter ein, „Dance of the Shovel“ beschreibt jene des Großvaters. In „The Long March“ geht es um den Einzug in den Krieg und die Bedeutung von Briefen, während „Tilda Lee“ von Verlust und Trauer erzählt. „Watch Me Rising“ bildet schließlich den Abschluss und steht für die Rückkehr ins Leben.
Reduktion
Musikalisch verlangten die Songs nach einer Reduktion. Statt des treibenden Sounds einer vollbesetzten Americana-Band setzt Comper auf einen dunkleren, sparsameren Mix aus Bluegrass und Folk. „Die Reduktion haben die Songs verlangt“, berichtet der 44-Jährige. Den ersten Impuls erhielt er durch das Foto von Richard Lasher, das er für das Cover verwendet hat. Dieses entstand 1980 beim verheerenden Vulkanausbruch des Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington. Es zeigt im Vordergrund das Auto mit Motorrad von Lasher und im Hintergrund den heranbrausenden pyroklastischen Strom – eine Glutwolke aus heißer Asche, Gestein und Gasen. Der Fotograf konnte sich noch retten, andere Kollegen, die den Vulkan trotz Warnungen vor Ort beobachtet hatten, war weniger Glück beschieden.
Danach sei das Album beinahe wie von selbst entstanden. „Ich hatte zunächst drei Songs und habe am selben Abend weitere Titel, die Reihenfolge und die Instrumentierung zusammengestellt.“
“Tilda”
Künstler: Prinz Grizzley
Präsentation: Samstag, 19. September, Spielboden Dornbirn (großer Saal)
Erscheinungsdatum: 9. Oktober
Arrangiert und produziert: Christoph Comper
Aufgenommen,abgemischt und gemastert: Anton Loitsch im Nautilus Studio in Dornbirn
Mitwirkende Musiker: Prinz Grizzley, Johannes Bischof, Andreas Wettstein, Claude Meier, Andreas Tschofen, Heidi Caviezel, Martin Grabherr, Jodok Lingg, Cenk Dogan, Lukas Morre
Grafikdesign: Philipp Kleber
Präsentation im Spielboden
„Tilda“ ist zugleich ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Musikers. Zuvor veröffentlichte Comper vier Platten mit seiner Band Golden Reef sowie eine als Prinz Grizzley and the Kids. Die neue LP ist nun bereits die vierte Veröffentlichung als Prinz Grizzley and his Beargaroos. Die Beargaroos sind auch auf „Tilda“ zu hören – ebenso wie weitere Gastmusiker und Bläser. Für die Präsentation am Samstag, den 19. September im Spielboden Dornbirn wird das Album mit insgesamt neun Akteuren von Anfang bis Ende gespielt. „Wir treten mit einer großen Besetzung inklusive Bläsersatz auf.“
Dass Prinz Grizzley mit dem neuen Album musikalisch einen etwas anderen Weg einschlägt, gehört für ihn zu seinem künstlerischen Weg. „Die Menschen, die meine Musik hören, wissen, dass ich nicht immer dasselbe mache“, sagt er. Manche würden mit der neuen Platte vielleicht weniger anfangen können, andere dafür umso mehr entdecken. „Ich wollte auch etwas von den Country/Americana-Pfaden abweichen.“

International beachtet
Neben den nationalen Konzerten hat sich der Egger auch international längst einen Namen gemacht. Er spielte unter anderem beim SXSW in Austin, beim AmericanaFest in Nashville, bei der Folk Alliance International in Kansas City und 2025 beim Montreux Jazz Festival. Auf den Auftritt in Montreux musste er lange warten: Acht Jahre lang bewarb er sich, ehe es schließlich klappte. „Dann stand ich plötzlich auf einer Bühne vor rund 1500 Menschen. Das war großartig und ein unvergessliches Erlebnis.“ Und: „Es ist schön, wenn man als kleiner Künstler aus Vorarlberg international eingeladen wird und die Chance bekommt, auch außerhalb des eigenen Landes aufzutreten. Der Wettbewerb ist brutal, das sieht man gerade im internationalen Vergleich. Umso mehr erfüllt es mich mit Stolz, wenn solche Einladungen kommen.“

Zurück aus Schweden
Anfang dieser Woche kehrte der Bregenzerwälder von einer Konzertreihe in Schweden zurück. Dort spielte er beim Festival „Live at Heart“ in der Stadt Örebro viermal vor vollem Publikum. Für seine Auftritte stellt er sich vor Ort jeweils eine Band zusammen. Über Musiker, die er 2009 bei einem schwedischen Festival kennenlernte, entstand eine bis heute enge Verbindung. „Die Jungs beherrschen dieses Genre wirklich gut.“
Thema KI
Auch mit den Veränderungen in der Musikbranche setzt sich Christoph Comper auseinander. Künstliche Intelligenz könne als Werkzeug spannende Ideen liefern und beinahe wie ein zusätzlicher Produzent wirken. Entscheidend sei aber, dass der Mensch die Kontrolle behalte. Zudem müsse klar erkennbar sein, wenn Musik künstlich erzeugt wurde.

Schwieriger LIve-Markt
Von seiner Musik allein kann der dreifache Familienvater trotz der vielen Auftritte und Tonträger nicht leben. Der Live-Markt sei gerade für kleinere und mittelgroße Künstler schwierig. Viele Menschen gingen lieber zu großen Konzerten und Festivals, während kleinere Veranstaltungen weniger Aufmerksamkeit bekämen. Aufgeben kommt für ihn dennoch nicht infrage. „Musik ist ein großer Teil meines Lebens.“ Jungen Musikern rät er, weiterzumachen und sich von Absagen nicht entmutigen zu lassen: „Man braucht Ausdauer und muss durchhalten.“
Weitere Konzerte
Nach der Präsentation von „Tilda“ im Dornbirner Spielboden stehen für Prinz Grizzley noch weitere Konzerte an. Auch für das kommende Jahr ist bereits einiges geplant. Danach möchte er an einem neuen Album arbeiten. Zunächst aber gehört die Bühne im Spielboden ganz der Geschichte von „Tilda“ – und jener Liebe, die selbst im Auge des Sturms Halt geben kann.
Übrigens: Der Albumname „Tilda“ leitet sich von Hilda ab. „So hieß meine Großmutter. Nur Hilda ist auf Englisch nicht gut zu singen, und außerdem schafft ‚Tilda‘ ein wenig Abstand zu mir“, führt Christoph Comper im Gespräch mit der NEUE abschließend aus.