40 Jahre Kult in Dornbirn: Dieser Laden trotzt jedem Trend

Das Piccadilly in Dornbirn feiert Jubiläum.So wurde aus einem kleinen Geschäft ein Treffpunkt für mehrere Generationen.
Wie oft hat man Jugendlichen schon gesagt, dass die bunten Haare, die schwarze Kleidung, die Nieten und die schweren Stiefel nur eine Phase seien? Eine Phase, die sich auswächst; es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder „normal“ werden.
Der Gegenbeweis zu dieser Annahme steht seit Mitte der 90er-Jahre am Bahnhof Dornbirn. Das kleine, persönlich geführte Geschäft namens Piccadilly bedient inzwischen Fans alternativer Mode aus drei Generationen.

Dabei war das Piccadilly nicht immer in Dornbirn. Angefangen hat es 1986 mit einem Geschäft in Götzis. Nur ein Jahr später eröffnete eine zweite Filiale in Dornbirn, vorerst im Hatlerdorf. 1994 folgte der Umzug an den jetzigen Standort gegenüber dem Bahnhof. „Wir wollten von Anfang an einen zentralen Ort wie hier in der Umgebung“, sagt Ursula Häusle.

Warum Piccadilly?
Der Name führt ins Herz von London. Der Piccadilly Circus war, noch vor der Zeit der Handys, ein klassischer Treffpunkt der Londoner Szene. Man traf sich dort und zog gemeinsam weiter. Piccadilly sei damit auch ein passender Name für den Laden und Treffpunkt der Vorarlberger Szene.
Seit 40 Jahren findet sich im Piccadilly die alternative Szene ein. Einst waren es verschiedene Subkulturen; heute ist Kleidung weniger an Alter oder eine bestimmte Szene gebunden. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Kundschaft. In den Anfangsjahren waren die meisten zwischen 14 und 30 Jahre alt. Heute reicht das Spektrum von Baby- und Kindermodellen bis zu Kundinnen und Kunden über 60. Manche, die einst ihre ersten Boots im Piccadilly kauften, kommen inzwischen mit ihren Kindern oder Enkeln. Modischen Hypes jagt das Geschäft dennoch nicht hinterher. „Wir sind kein Trendladen“, sagt Häusle. Stattdessen setzt das Piccadilly auf Klassiker, die sich über Jahre bewährt haben: viel Schwarz, unterschiedliche Stilrichtungen, Kleider mit Retro-Anklängen und vor allem Dr. Martens. Auf kleineren Fachmessen in London werden Kleidung und passende Accessoires für die Kundschaft ausgesucht.

Wichtig sei neben der Auswahl die Beratung. „Verkaufen ist wichtig, aber noch wichtiger ist ein zufriedener Kunde“, sagt Häusle. Wer einen weichen Schuh möchte, bekomme keinen harten Klassiker aufgedrängt; wer den Ur-Klassiker suche, solle genau diesen erhalten.
Eine Besonderheit sorgt bis heute für überraschte Gesichter: In der Umkleide gibt es keinen Spiegel. Die Kundinnen und Kunden müssen herauskommen. So lässt sich beurteilen, ob Größe und Schnitt wirklich passen oder ob es vielleicht doch eine andere Größe oder ein anderes Teil sein sollte.

So ist das Piccadilly für die Kundschaft mehr als ein Ort für einen schnellen Einkauf. Immer wieder begegnen sich dort Menschen, die einander lange nicht gesehen haben, und sprechen über Konzerte, Kleidung oder frühere Zeiten, erinnert sich Häusle. Diese ungeplanten Treffen erinnern an die Idee hinter dem Namen: erst zusammenkommen, dann weiterziehen. Die Atmosphäre sei bewusst unkompliziert, die Beratung ehrlich und auf Augenhöhe. Das unterscheide den Einkauf im Geschäft vom Onlinehandel.
„Ein fettes Danke an all unsere Kunden und Freunde denn aus ganz vielen Kunden sind über die Jahre echte Freunde geworden. Ihr habt das Piccadilly zu dem gemacht, was es heute ist. Denn dafür braucht es genau euch: tolle, coole, lässige Leute, die diesen Ort mit Leben füllen. Das Piccadilly ist ein lebendiger Treffpunkt und das verdanken wir euch! “
Ursula Häusle, Piccadilly Dornbirn