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Vom ersten Gedanken bis zum letzten Pixel

10.10.2026 • 10:00 Uhr
Vom ersten Gedanken bis zum letzten Pixel
Model Alina mit blau leuchtendem Augen-Make-up, fotografiert von Vincent Ribbers. Ribbers (2), Nina Bröl, KALEIDO

Bilder, so bestechend, dass man beinahe vergisst, dass sie Werbung sind: Der Wahl-Dornbirner Vincent Ribbers entwickelt als Creative Director und Fotograf visuelle Welten für Marken und Unternehmen.

Vincent Ribbers ist Creative Director und Fotograf in einem. Seine Fotos sind durchdacht, mit seinen Kunden im Detail besprochen, genau geplant und sorgfältig umgesetzt. Das Ergebnis ist eine klare Bildsprache mit eigener Handschrift und Ästhetik. Bis Ribbers diese Handschrift entwickelte, dauerte es allerdings.

Vom ersten Gedanken bis zum letzten Pixel
Aufwändige Kompositionen mit starker Bildsprache. Ribbers

Sein Weg dorthin begann an der damaligen Fachhochschule Dornbirn, wo er von 2008 bis 2011 Intermedia studierte. „Claudio Hils war unser Mentor, er hat uns angehalten, inhaltlich zu bewerten und mit unserer Bildauswahl Geschichten zu erzählen. Wie beschneidet, bearbeitet man Bilder? Das habe ich alles von ihm gelernt.“

Entscheidender war jedoch, dass Hils seine Begeisterung für Fotografie weckte. Vertieft hat Ribbers diese Begeisterung als Studioassistent bei einem niedergelassenen Fotografen, als Bildbearbeiter bei Montfort Werbung und schließlich in der Postproduktion für französische Unternehmen wie Chanel oder Louis Vuitton. „In der Postproduktion hatte ich es mit hochwertigem Bildmaterial zu tun, mit Firmen, die auf jede Kleinigkeit, auf eine kohärente Botschaft Wert legen. Da habe ich mein Auge intensiv geschult“, erinnert sich der Wahl-Dornbirner an seine Lehrjahre.

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Model Alice mit fünfreihiger Perlenkette vor den Augen. Ribbers

Eigene Visionen

Vor vier Jahren hat er sich dann selbständig gemacht, um Konzepte und Visionen zu entwickeln und die Bilder dazu zu liefern. Seine Arbeiten entstehen für unterschiedlichste Anwendungen – für Print und Online ebenso wie für großflächige Beklebungen, Kampagnen oder Kataloge. Für einen Katalog des Lecher Sporthauses Strolz etwa wurde das Omeshorn kurzerhand in Gießharz nachgebildet. Das dreidimensionale Bergmodell diente als Hintergrund für Nahaufnahmen von Skiern und Skischuhen. Ribbers Aufgabe war es, den Qualitätsanspruch des Katalogs auch in seinen Bildern sichtbar zu machen. Klare Formen und der Fokus auf die Produkte vermitteln technische Präzision, zugleich sollen die Bileinen hohen Wohlfaktor vermitteln. auch ein hoher Wohlfühlfaktor „Die Person mit dieser Ausstattung fühlt sich wohl und kann gut Skifahren, das transportiert dem Betrachter: ,Das will ich auch!’.“, erklärt der Fotograf.
Sein künstlerischer Anspruch ist, „etwas zu erschaffen, das es so noch nie gegeben hat“. Über die Bilder, die daraus resultieren, sagt er selbst: „Sie sind teils ikonographisch.“ Das zeugt von Selbstbewusstsein. Wer seine Fotos sieht, kann ihm durchaus recht geben.

Starke Bilder

Ein Beispiel ist die Aufnahme des Models Alina mit blau leuchtendem Lidschatten rund um die Augen, der in zarten Pigmentpunkten ins Gesicht ausläuft. Der Bildausschnitt kommt so nah an das rechte Auge heran, dass wir von ihrem Blick gebannt und schon fast in das Bild hineingesogen werden. Eine andere Arbeit ist eine Werbekampagne für Start-ups, nicht mit Models, sondern mit echten, nahbaren Start-up-Gründern und -Gründerinnen. Alle sind schwarz, aber sehr unterschiedlich gekleidet, und im Hintergrund werden jeweils andere Ausschnitte des Logos gezeigt.

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Strolz-Katalog mit dem nachgebildeten Omeshorn. Ribbers

Auf einem weiteren Bild trägt ein Model eine fünfreihige Perlenkette weder um den Hals noch um die Hände geschlungen, sondern wie ein heruntergerutschtes Stirnband über den Augen. Verdeckt das Model etwas oder zeigt es etwas? Deutlich wird auf jeden Fall, wie viel Kopfarbeit und Organisation hinter einem guten Foto stecken kann. Je leichter ein Bild wirkt, umso mehr konzeptionelle Arbeit hat es dem Fotografen und Creative Director im Vorhinein abverlangt.
Ribbers erzählt, dass niemand seine Bilder so gut kennt wie er, nicht nur, weil er sie ausgedacht und gemacht hat, sondern auch, weil er sich beim Bearbeiten so lange mit ihnen beschäftigt – „so lang wie ich schaut niemand auf meine Bilder. Außerdem bin ich kritischer als meine Kunden.“ Ein schlechtes Bild, sagt er, wird auch durchs Bearbeiten nicht gut. Bei einem guten kitzelt er das Besondere noch mehr heraus. Herauskommen sollen reduzierte, lesbare Bilder.

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Werbung und Models

Einen großen Teil seiner Zeit nehmen auch Besprechungen ein. Seine Kunden kommen hauptsächlich aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Italien. Den größten Teil seiner Arbeit machen Werbeaufträge aus. Daneben macht er beispielsweise auch Shootings mit jungen Frauen, die Models werden wollen. Ihnen zeigt er, worauf es bei der – auch inneren – Haltung ankommt, was häufige Fehler sind und wie sie sich auf Shootings vorbereiten können. Was können sie für Kleidung mitnehmen? Was ist aus Sicht der Agenturen wichtig? Dazu hat Ribbers ein Buch geschrieben: „The Posing Book“, ein Visual Guide für Models und Newfaces.

Entscheidende Prozente

Wenn Vincent Ribbers über seine Arbeit spricht, kommt häufig das Wort „Kreativität“ vor. Dabei macht das reine Fotografieren gerade zehn bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit aus. Aber es sind ganz entscheidende Prozente.

Demako

Vincent Ribbers
Creative Director und Fotograf

Mesnergut 10A, 6850 Dornbirn

Tel.: 0664/5408406
E-Mail: info@demako.studio
Web: www.demako.studio

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at

Von Miriam Jaeneke (NEUE am Sonntag)