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Wie Desinformation unsere Wahrnehmung prägt: Schüler diskutierten in Hohenems

14.10.2026 • 17:37 Uhr
Wie Desinformation unsere Wahrnehmung prägt: Schüler diskutierten in Hohenems
Joachim Mangard und Mag. Dr. Michael Himmer im Gespräch mit den Schülern und Schülerinnen. Hartinger

Die NEUE war beim EU Youth Cinema Event im Cineplexx Hohenems dabei: Rund 250 Jugendliche sahen den Film „How to Build a Truth Engine“ und diskutierten anschließend über Krieg, Journalismus und Fake News.

Rund 250 Schülerinnen und Schüler kamen heute zum EU Youth Cinema Event ins Cineplexx Hohenems. Auf dem Programm, organisiert von Martha Stüttler-Hartmann, stand der Dokumentarfilm „How to Build a Truth Engine“ von Friedrich Moser. Nach der Vorführung wurde das Kino zum Gesprächsraum: Joachim Mangard, Chefredakteur der NEUE, und Mag. Dr. Michael Himmer von der Fh Vorarlberg beantworteten Fragen der Jugendlichen.

Die “Wahrheits-Maschine”

Der Film stellt eine Frage, die im Alltag oft schwieriger ist, als sie zunächst klingt: Woran lässt sich erkennen, ob eine Information stimmt? Moser verbindet dafür drei Perspektiven – Neurowissenschaft, Computerwissenschaft und investigativen Journalismus. Die Dokumentation zeigt, wie unser Gehirn Muster erkennt, Zusammenhänge herstellt, Lücken füllt und Entwicklungen vorhersagt. Diese Fähigkeiten sind nützlich, machen Menschen aber zugleich anfällig für gezielt gestaltete Erzählungen. Soziale Medien, Algorithmen, Echokammern und emotionalisierende Inhalte können die Wahrnehmung beeinflussen und Desinformation verstärken.

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Vor der Diskussion wurde der Film “How to build a Truth Engine” gezeigt.Hartinger

Ein Beispiel aus der Computerwissenschaft ist die Software StoryMiner, die im Film als Werkzeug gegen Verschwörungserzählungen vorgestellt wird. Sie untersucht, wie Personen, Orte und Themen in Erzählungen miteinander verknüpft sind. Auffällige Muster können Forscherinnen und Forschern Hinweise geben, welche Inhalte sie genauer prüfen sollten. Der Film zeigt zugleich, dass technische Werkzeuge allein das Problem der Desinformation nicht lösen. Wissen über die menschliche Wahrnehmung und journalistische Recherche gehören ebenfalls zu diesem Ansatz.

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Nach dem Film konnten die Schüler und Schülerinnen ihre Fragen stellen. Hartinger

Die zentrale Idee des „Truth Engine“, des Wahrheitsmotors, besteht deshalb nicht in einer einzelnen Maschine. Sie verbindet Journalismus, Technologie und Menschen, die Informationen aufmerksam prüfen. Im Verständnis des Films braucht es funktionierende Medien, technische Hilfsmittel zum Ordnen und Prüfen großer Informationsmengen sowie ein Publikum, das nicht impulsartig reagiert. Die begleitende Unterrichtsunterlage schlägt vor, Behauptungen von Meinungen und Vermutungen zu unterscheiden, Belege zu verlangen und unabhängige Quellen zu vergleichen.

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Um die 250 Schüler nahmen am Event teil. Hartinger

Wie das aussehen kann, zeigt der Film unter anderem am Visual Investigations Team der „New York Times“. Satellitenbilder, Videos, Fotos, Überwachungskameraaufnahmen und weitere digitale Spuren lassen sich zusammenführen, um Ereignisse unabhängig zu rekonstruieren. Der Film macht damit nachvollziehbar, wie sorgfältige Recherche aus vielen einzelnen Hinweisen ein überprüfbares Bild gewinnen kann – und warum Quellenprüfung eine wichtige Rolle spielt.

Vor Ort nachgefragt

An diese Themen knüpfte die Diskussion nach der Vorführung an. Mangard und Himmer beantworteten Fragen zu Krieg, transparenter journalistischer Arbeit und weiteren Aspekten des Films. Die Jugendlichen konnten ihre Eindrücke einbringen und nachfragen. Damit wurde auch die Frage aufgegriffen, wie sich Informationen beurteilen lassen und worauf es beim Umgang mit ihnen ankommt.

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Hartinger

Bei den Schülerstimmen ging es zunächst um die Wirkung der Kriegsbilder. Tasal sagte, der Film habe deutlich gemacht, dass Krieg nichts Schönes sei. Besonders die gezeigten Szenen aus dem Syrienkrieg, in denen Menschen bombardiert werden, seien eindrücklich gewesen. Zugleich räumte Tasal ein, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zunächst weniger ernst genommen zu haben, weil er nicht im eigenen Land stattfinde. Das Geschehen sei aber keineswegs schön.

Kritisch überprüfen

Murat erklärte, seine Haltung zum Krieg sei schon vor dem Film klar gewesen: Er sei immer dagegen gewesen. Die Dokumentation habe seine Meinung bestätigt und ihn in dieser Haltung bestärkt. Auch der Hinweis, wie mit Fake News umzugehen ist und Quellen selbst überprüft werden sollten, sei für ihn wichtig gewesen.

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Belinda von der BAfEP Feldkirch. Hartinger

Belinda hob besonders die Verbindung von Film und Nachgespräch hervor. Beides sei informativ gewesen; die Möglichkeit, Fragen zu stellen, habe zu interessanten Antworten geführt. Sie habe den Eindruck, dass die Jugendlichen neue Sichtweisen auf Fake News gewinnen konnten. Sie betonte auch, dass man im Umgang mit sozialen Medien vorsichtiger sein sollte.