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Geburt ohne Kreißsaal: Was hinter dem Projekt am Blasenberg steckt

16.10.2026 • 18:00 Uhr
Geburtshaus Feldkirch
Auf diesem Grundstück nahe dem LKH Feldkirch soll der “Raum für Geburt” gebaut werden. Begle

Nicht zu Hause und nicht im Krankenhaus: In Feldkirch soll eine dritte Möglichkeit entstehen. Das Konzept verspricht viel, doch seine Umsetzung ist noch offen.

Ein Ort, an dem Frauen in Ruhe gebären können und zugleich das Krankenhaus in Reichweite haben: Das ist die Idee hinter dem Projekt „Raum für Geburt. Am Blasenberg“. Auf einem Grundstück der Kreuzschwestern in Feldkirch soll ein kleiner Gebäudekomplex mit zwei Geburtsräumen und einem Seminarraum entstehen. Die Nähe zum Landeskrankenhaus Feldkirch ist bewusst gewählt. Es liegt wenige hundert Meter entfernt, die Fahrt dorthin dauert notfalls nur rund drei Minuten.

Geburtshaus Feldkirch
Brigitta Soraperra und Nina Flatz hoffen auf viel Unterstützung aus ganz Vorarlberg. Begle

„Wir wollen das Krankenhaus nicht infrage stellen und auch niemanden von dort weglocken“, sagt Brigitta Soraperra, Projektleiterin der Interessengemeinschaft Geburtskultur a–z. Es gehe um zusätzliche Wahlmöglichkeiten. Das Angebot soll gesunden Schwangeren offenstehen, die auch für eine Hausgeburt infrage kämen, aber lieber an einem eigens dafür vorgesehenen Ort gebären möchten.

Betreuung durch Hebammen

Geplant ist eine hebammengeleitete Geburtshilfe. Hebammen sollen Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten. Vorgesehen sind Geburten mit einer Eins-zu-eins Betreuung, gewährleistet durch die Anwesenheit von jeweils zwei Hebammen vor Ort. Auch Vorsorge, Geburtsvorbereitung, Stillberatung und Rückbildung sind geplant. Übernachtungsmöglichkeiten für das Wochenbett sind zunächst nicht vorgesehen: Die Betreuung nach der Geburt soll zu Hause stattfinden.

Raum für Geburt
So könnte einer der Geburtsräume am Blasenberg aussehen. Holz, Lehm und eine ruhige Atmosphäre sollen die Geburt unterstützen. Anka Dür GmbH

Die Gebärräume sollen mit Gebärwanne, Dusche und verschiedenen Möglichkeiten für frei wählbare Geburtspositionen ausgestattet werden. Holz und Lehm, warmes Licht und eine ruhige Atmosphäre sollen die Umgebung prägen. Soraperra spricht von einer Architektur, die den Geburtsprozess unterstützen soll. Entwurf der beiden Architektinnen Anka Dür und Monja Krötz sei auch als Pilotprojekt gedacht, an dem sich zeigen soll, wie Räume gestaltet werden können, die Gesundheit fördern.

Raum für Geburt
Grundriss und Ansichten des geplanten Gebäudes. Anka Dür GmbH
Raum für Geburt
Raum für Geburt
Visualisierung eines der geplanten drei Baukörper am Blasenberg. Anka Dür GmbH

Für die Sicherheit sei die Nähe zum LKH Feldkirch zentral. Bei Bedarf solle es fachlichen Austausch, Konsile oder eine Überweisung geben. Ein detailliertes Notfallkonzept sei Voraussetzung. Hebammen seien dafür ausgebildet, Abweichungen früh zu erkennen und eine Verlegung rechtzeitig einzuleiten.

Neue Versorgungslage

Die Initiative entsteht in einer Phase, in der sich die geburtshilfliche Versorgung in Vorarlberg verändert. Die Geburtenstation am LKH Bludenz wurde Anfang 2026 geschlossen; Geburten werden seither in Feldkirch betreut. Im Unterland ist geplant, Geburtshilfe, Gynäkologie sowie Kinder- und Jugendheilkunde vom Stadtspital Dornbirn nach Bregenz zu verlegen. Die Initiatorinnen sehen das Geburtshaus als Ergänzung zur klinischen Versorgung.

Auch Nina Flatz, Obfrau des neu gegründeten Fördervereins, erlebt in Gesprächen mit Schwangeren den Wunsch nach einer weiteren Möglichkeit. Sie bietet Schwangerschafts- und Rückbildungsyoga an. Viele Frauen hätten Fragen dazu, wo sie gebären können und welches Angebot zu ihnen passt. „Ganz viele Frauen wollen keine Hausgeburt, aber auch nicht unbedingt ins Spital“, sagt sie. Der Geburtsraum könne hier eine zusätzliche Option bieten.

Geburtshaus Feldkirch
Brigitta Soraperra und Nina Flatz setzen sich für einen hebammengeleiteten Geburtsraum in Feldkirch ein. Im Hintergrund ist das Antoniushaus der Kreuzschwestern zu sehen. Begle

Finanzierung aus vielen Beiträgen

Rund zwei Millionen Euro soll der Bau kosten, finanziert über Stiftungen, Sponsoren, Spenden, Förderungen, Crowdfunding und ehrenamtliche Mithilfe. Eine gemeinnützige Stiftung soll als Trägerin und Bauherrin auftreten; der Förderverein will die Bevölkerung einbinden und einen Solidarfonds aufbauen. Dieser soll helfen, das Angebot auch für Familien zugänglich zu machen, die sich die außerklinische Geburtshilfe sonst nicht leisten könnten. Mitgliedschaften im Förderverein sind ab 25 Euro jährlich möglich; für Einzelmitglieder beträgt der Jahresbeitrag 50 Euro. Förderbeiträge können auch höher angesetzt werden.

Im Gespräch mit der NEUE am Sonntag bringen die Frauen auch die mehr als 60.000 Unterschriften für den Erhalt der Geburtenstation in Dornbirn ins Spiel. Würde jede dieser Personen 30 Euro geben, kämen 1,8 Millionen Euro zusammen, ein großer Teil des Investitionsbedarfs. Flatz und Soraperra hoffen auf viele Menschen, die mit überschaubaren Beiträgen helfen. „Es soll kein exklusives Angebot in schönen Räumen sein.“

Geburtshaus Feldkirch
Geburtshaus Feldkirch

Der Zeitplan im Betriebskonzept sieht die Fertigstellung im Sommer 2028 und die Inbetriebnahme im August vor. Dafür müssen Finanzierung, Stiftung, Baurecht und behördliche Bewilligungen noch gesichert werden. Das Grundstück soll im Baurecht zur Verfügung gestellt werden; die Initiative strebt dabei einen langfristigen Vertrag an. Bis dahin wollen Flatz und Soraperra Unterstützer gewinnen, die sich mit Geld, ehrenamtlicher Arbeit und der Bereitschaft, das Vorhaben weiterzutragen, einbringen.

Auf einen Blick

Geplant sind zwei hebammengeleitete Geburtsräume nahe dem LKH Feldkirch. Der Bau soll rund zwei Millionen Euro kosten und im August 2028 in Betrieb gehen. Unterstützen kann man den Förderverein ab 25 Euro pro Jahr.

Weitere Infos auf www.geburtskultur.com/de/raum-fuer-geburt

Die öffentliche Auftaktveranstaltung mit der Präsentation des Projekts ist am Mittwoch, 21. Oktober, im Frauenmuseum Hittisau. Die beiden Architektinnen sollen dort das Bau- und Raumkonzept vorstellen.