Vorarlbergs einzige Canicross-Trainerin zeigt, wie der Hund zum Laufpartner wird

Sarah Abs ist Vorarlbergs einzige Canicross-Trainerin. Die 35-Jährige zeigt, wie Mensch und Hund gemeinsam sportlich durchstarten.
Hauptberuflich ist Sarah Abs Physiotherapeutin und arbeitet in der Klinik Maria Ebene in Frastanz. Nebenberuflich lebt sie eine Begeisterung aus, die sie mit ihrer Hündin Zelda entdeckt hat: Canicross und Caniwalk. „In Deutschland ist diese Sportart von Mensch und Hund gerade ein richtiger Trend, in Vorarlberg bin ich die einzige Canicross-Trainerin“, erzählt Abs, während sich ihre Schweizer Kundin, Janine Egger, bereitmacht fürs Training. Sie hat ihren Australian Shepard Brady dabei. Leckerli, Zuggeschirr, nachgebende Leine, Futternäpfe – es kann losgehen.
Brady wird sich mit seiner Besitzerin und Hundetrainerin Eberle aufwärmen, dann geben Hund und Besitzerin Gas: Das Geschirr verteilt Eberles Gewicht optimal auf den Hund. Brady ist im Rennmodus, aber starten wird er erst, wenn Eberle das „Go!“ gibt und ihn links an der Schulter berührt. Dann weiß Brady: Jetzt geht es los! Canicross klingt einfach. Der Hund rennt los, dicht gefolgt vom Besitzer, der sich vom Hund ein Stück weit ziehen lässt, sodass beide gleich schnell sind. Es gibt Kommandos für „links“, „rechts“, „schneller“, „langsamer“, „überholen“.

Kein Stress
Bei Rennen müssen die Gespanne sicher an Ablenkungen, die am Weg aufgebaut sind, vorbeikommen. Auch das wird trainiert. Brady macht es an diesem Tag sehr gut: Er überrennt keinen einzigen Napf – und lässt kein einziges Leckerli darin aus –, er macht bei den Näpfen Links- oder Rechtskurven und zieht Eberle eifrig mit. Dazwischen gibt es Pausen. Denn der Physiotherapeutin, die auch Hundephysiotherapeutin ist, ist es wichtig, dass die Hunde nicht unter Stress geraten. „Sie sollen zwischendurch immer mal wieder runterfahren. Bei Rennen sehe ich immer wieder Hunde, die ähnlich wie Huskies vor dem Start fast durchdrehen und für die das Rennen eine Sucht ist. So trainiere ich mit meinen Mensch-Hund-Gespannen nicht.“ Schlussendlich wird Brady keinen Napf mehr brauchen, um die Richtung zu wechseln oder zu wissen, dass die Strecke vorbei ist. Er wird sich auf seine Besitzerin konzentrieren und ihren Kommandos folgen. „Hau“ für links und „chi“ für rechts, wie es auch die Huskyführer verwenden. Trotzdem muss Brady das Gespann anführen, das ist für manche Hunde, insbesondere die schüchternen, erst einmal ungewohnt. Gerade für sie kann das Canicross aber heilsam sein, weil sie Selbstbewusstsein tanken können und sehen, dass sie der Verantwortung gerecht werden.

Bei Canicross muss der Hund auch mit dem Kopf arbeiten. Bei Brady geht das Training Schritt für Schritt. Er ist noch keine drei Jahre alt, „wir bauen ihn gerade erst auf“, sagt Abs. Die Besitzerin, selbst Hundetrainerin, erzählt, dass sie davor bei einer anderen Canicross-Trainerin waren und dass diese ihrem Hund falsche Dinge beigebracht habe. Nun nimmt die Appenzellerin den Weg nach Frastanz auf sich, denn aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass das Handwerk bei einer Trainerin einfach sitzen muss.„Besitzerin und Hund müssen an der Ziellinie gemeinsam ankommen“, sagt Abs und lacht, meint damit aber nicht nur die rein körperliche Ebene. Hunde, die sie aufbaut, stehen ruhig am Start, sind jederzeit ansprechbar und fokussiert. Dabei bilden sie mit ihrem Besitzer ein Team und arbeiten nicht gegen ihn.
Rennen in Bayern
Die 35-jährige Sarah Abs ist in der Szene gut vernetzt und organisiert in Bayern auch Rennen. Vor einigen Jahren sagte sie zu ihrem Vater: „Ich würde mit meiner Hündin gerne mal bei einem Rennen starten. Aber für Anfänger wird so gut wie nie was angeboten!“ „Dann bieten wir eben ein eigenes Rennen an!“, entgegnete ihr Vater. Gesagt, getan. Das Rennen „Beat the clock“ ist auch für Anfängerduos geeignet, denn vor Rennbeginn muss man angeben, wie lange man für die Strecke brauchen wird, und dann geht es darum, diesen Wert möglichst genau einzuhalten. Die kürzeste Strecke für Rennneulinge ist dabei 500 Meter lang. Die längste Distanz beträgt fünf Kilometer.

Angefangen hatte alles vor rund sechs Jahren, als Abs ihre Hündin zum Joggen mitnehmen wollte und diese wie verrückt an der Leine zog, weil sie schneller rennen wollte. Abs recherchierte und fand die Zuggeschirre und den dazugehörigen Sport. Sie startete bei Rennen und hatte rasch Lust, den Spaß an diesem Sport auch anderen weiterzugeben. „Viele wollen nach der Arbeit so schnell wie möglich nach Hause zu ihrem wartenden Hund. Eigentlich würden sie aber auch noch gerne für sich Sport machen, etwa im Fitnessstudio. Mit Canicross lässt sich beides prima verbinden.“
Canicross ist etwas für fast jeden gesunden Hund. Außerdem ist die Sportart für fast jedes Tempo da: Es gibt spezielle Räder für Hunde, die viel ziehen wollen oder Caniwalk für Gespanne, die es gemächlich angehen möchten und wo die Besitzerin geht. So oder so: Der Spaß steht bei Sarah Abs im Vordergrund, deswegen gibt es auch einen Lauftreff, mit Hund, versteht sich.
Die meisten Hunde, es sei denn, sie sind sehr klein oder stark verzüchtet, wollen laufen, und sie freuen sich über Aufgaben. Entsprechend funktioniert Canicross mit fast jedem Hund, ist Abs’ Erfahrung. Haben sie erst verstanden, worum es geht, ziehen sie mit – und das wortwörtlich.
Abenteuer.sport.hund
Sarah Abs
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