Wenn Alpakas Vertrauen schaffen

Seit 17 Jahren arbeitet Birgit Knecht-Burghard mit Alpakas und begleitet besondere Begegnungen zwischen Mensch und Tier.
Was hat Sie zu den Alpakas geführt?
Birgit Knecht-Burghard: Ich komme aus dem psychosozialen Bereich. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier hat mich immer fasziniert. Auf der Suche nach dem passenden Tier habe ich Alpakas und Lamas entdeckt. Ihre ruhige Art und Neugier haben mich angesprochen. Man kann nicht einfach hingehen und sie streicheln: Es braucht Zeit und Geduld, bis eine Beziehung entsteht. Sie sind ruhig, können aber auch Vollgas geben und Lebensfreude ausstrahlen. Schließlich bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Interventionen mit Alpakas und Lamas gemacht. Nun habe ich sieben Alpakas zu Hause.
Was ist eine tiergestützte Intervention?
Knecht-Burghard: Ich habe keine therapeutische Ausbildung. Mein Angebot findet deshalb nur mit psychotherapeutischer Begleitung statt. Es geht um Beziehungen und darum, einen Raum zum Erzählen zu schaffen. Über Tiere lassen sich Themen leichter ansprechen. Ihre unterschiedlichen Charaktere bieten viele Anknüpfungspunkte, um solche Themen aufzugreifen. Ich mache auch Lauf- und Parcoursübungen. Dabei geht es darum, das eigene Gefühl und das Gegenüber wahrzunehmen und zu schauen, was passiert, wenn etwas nicht so funktioniert wie gewünscht.
Wer nimmt das Angebot in Anspruch?
Knecht-Burghard: Die Angebote richten sich an unterschiedliche Menschen. Es gibt Familien-, Kindergeburtstags-, Vereins- und Teamausflüge. Auch Kindergärten kommen regelmäßig. Die Kinder lernen, was ein Tier braucht und wie man mit ihnen umgeht. Mit der Zeit werden sie zu richtigen „Alpaka-Profis“(lacht). Manche Gäste trauen sich anfangs nicht, auf die Tiere zuzugehen. Am Schluss machen dann eigentlich immer alle mit.
Welche Begegnungen berühren Sie besonders?
Knecht-Burghard: Mit Kindern mit körperlicher oder geistiger Behinderung erlebe ich viele Gänsehautmomente. Wenn ein Kind im Rollstuhl zu einem Tier kommt und es vielleicht sogar streicheln kann, obwohl es sonst Berührungen nicht zulässt, ist das besonders. Da mache ich gar nichts – ich lasse die Tiere einfach machen. Sie spüren, dass sie sich anders verhalten müssen. Nach jedem Ausflug denke ich: „Das war echt schön.“