Die Gesellschaft der Ansprüche

Wer viel verlangt, muss auch entsprechend beitragen.
Der Nachbar erwartet schnelle Hilfe von Feuerwehr, Rettung oder Gemeinde, engagiert sich selbst aber nirgends. Von Verkehrslärm Betroffene fordern neue Straßen, wehren sich jedoch gegen jede Baustelle in ihrer Nähe.
Aktuell gehen Bilder von Demonstrationen viral, bei denen Schaufenster eingeschlagen und Infrastruktur beschädigt werden. Demonstrieren ist ein Grundrecht, zerstören aber keines. Für den Schaden kommen meist Steuerzahler oder Eigentümer auf – selten die Verursacher.
Auch ein allzu leichtfertiger Umgang mit Steuergeld passt ins Muster. Wenn öffentliche Investitionen weniger nach Sachlichkeit als nach Interessen erfolgen, Fördermittel verpuffen und Fehlentscheidungen folgenlos bleiben, zeigt sich ein bekanntes Problem: Mit fremdem Geld und fremdem Eigentum geht man sorgloser um als mit dem eigenen.
“Maximale Freiheit bei minimalen Pflichten geht nicht zusammen.”
Christof Skala
Auch erwarten Betriebe in der Krise fast selbstverständlich Staatshilfen, wehren sich jedoch gegen Auflagen und Kontrollen mit dem Hinweis auf zu viel Bürokratie. Maximale Freiheit bei minimalen Pflichten geht nicht zusammen.
Hinter diesem Verhalten steht eine Anspruchsmentalität, die zum Trittbrettfahrer-Problem wird. Öffentliche Güter wie Sicherheit, Infrastruktur oder Beihilfen stehen allen offen. Finanziert werden sie schließlich aus Steuermitteln; getragen allerdings auch von Gemeinsinn und Ehrenamt. Wer nur profitieren will, handelt egozentrisch und nur kurzfristig rational, langfristig für die Gemeinschaft aber destruktiv.
Wenn Zusammenhalt, Nachbarschaftshilfe und Teilhabe schwinden, leidet auch das Vertrauen und damit die Bereitschaft zur Kooperation. Der respektlose Umgang mit fremdem Eigentum und ein leichtsinniger Umgang mit Steuergeld sind deshalb keine Kavaliersdelikte.
Was folgt daraus? Rechte und Pflichten müssen wir zusammen denken und das Bewusstsein dafür stärken. Zudem das Verursacherprinzip konsequent anwenden, öffentlicher Mitteleinsatz transparenter machen und Verantwortliche klar benennen. Bürger besser an politischen Entscheidungen zu beteiligen, ist auch sinnvoll. Eine gute Demokratie lebt vor allem von Verantwortung, Vertrauen und Gemeinsinn.
