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Dornbirner setzt auf neue Technik: So werden alte Motorteile wieder wie neu

08.11.2026 • 10:00 Uhr
Dornbirner setzt auf neue Technik: So werden alte Motorteile wieder wie neu
Matthias Winsauer an seiner Nassstrahlmaschine “Aquablast”, mit der er Bauteile schonend reinigt. Hartinger

Matthias Winsauer liebt seine neueste Errungenschaft, eine Maschine für Nassstrahltechnik.

Matthias Winsauer ist Maschinenmechaniker und für die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen zuständig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat er sich nach Feierabend ein zweites Standbein aufgebaut. Etwas Technisches sollte es sein, etwas, das auch auf Dauer spannend bleibt, mit einer umweltverträglichen Technologie, etwas, das in die Werkstatt passt, die er von seinem Vater geerbt hat. 
Die Werkstatt wirkt sehr aufgeräumt, jeder Schraubenschlüssel hat seinen eigenen Platz. Herzstück des Raums, über dem und um den herum Winsauers Privathaus entstanden ist, bildet eine ungefähr drei Kubikmeter Platz einnehmende Apparatur. Um diese Apparatur dreht sich Winsauers Selbstständigkeit. „Aquablast“ steht darauf. Durch Scheiben kann man ins Innere der großen, gut ausgeleuchteten Box schauen, die Frontscheibe ist sogar mit einem Scheibenwischer versehen. Das ist nötig, denn im Innern der Kammer spritzt der Maschinenmechaniker mit einer Düse Wasser und winzige Perlen auf Dinge, die schonend sauber werden sollen: Alte Plaketten von Dampfkesseln bis Traktoren, die Motorteile eines alten Ferraris, das ausgebaute Innenleben einer alten Vespa.

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Das Motorteil vor der Reinigung: Schmutz und Ablagerungen haben sich über die Jahre festgesetzt.

Umweltschonendes Verfahren

„Die Maschine ist perfekt für Aluminium, Buntmetalle, Magnesium und Chromstahl. Aber sie eignet sich genauso gut, um Gussformen wieder sauber zu bekommen. Die kleinen Glasperlen machen zehn Prozent des Gemischs aus, der Rest ist Wasser. Es ist eine umweltschonende Technologie ohne den Zusatz von Chemie.“ Die Maschine ist geeignet sowohl für Leichtmetalle als auch für Gummi- und Kunststoffteile. Das ist interessant für die Oldtimerrestauration, aber auch für Industrieteile und Maschinenbau, für die Reinigung von Matrizen und Formen und für die Oberflächenvorbehandlung von Beschichtungen und Lackierungen. In einem Arbeitsschritt werden Bauteile gereinigt, entfettet und mit einer satinierten Oberfläche versehen. Im Einsatz ist die Maschine so laut wie eine etwas lautere Geschirrspülmaschine. Das Interessante ist nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern auch, wie schonend die Methode in ihrer Wirkung ist. „Diese Art der Reinigung ist nicht abrasiv wie Trockenstrahlverfahren, etwa das Sandstrahlen. Die Oberfläche wird seidenmatt, aber zum Beispiel Gewinde gehen nicht kaputt dadurch.“

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Nach der Reinigung sind die Teile wieder gleichmäßig hell und glatt.

Auch materialschonend

Die Oberfläche wird am Ende so, dass kaum Fingerabdrücke zurückbleiben und die Metalle sich weich anfühlen. Gefräste Oberflächen wirken gegen das Licht gleichmäßiger. Dieser polierende Effekt entsteht aber nicht, weil die Oberfläche aggressiv, sondern weil sie im Gegenteil sanft behandelt wird. Manche Motorteile haben sehr viele unterschiedliche Dichtflächen, Lagersitze und Gewinde, die man von Hand nicht reinigen kann. Gerade, wenn es sich um ältere Teile handelt, die man nirgends mehr bekommt, lohnt sich ein Einsatz des „aquablast“. Anderthalb bis zwei Stunden ist Winsauer an einem großen, verwinkelten Teil dran, mit der Düse und ins Gerät integrierten Handschuhen säubert er jede Rille und jeden Winkel. Der Vorher-Nachher-Effekt ist drastisch und eindrücklich. „Bisher war noch jeder Kunde wirklich beeindruckt und sehr zufrieden. Das freut mich“, bilanziert Winsauer. Anfang des Jahres hat er mit seinem zweiten Standbein begonnen, viele Kunden bekommt er inzwischen durch Mundpropaganda. 
Mit dem Aufbau seiner Firma hat er keine Eile. Trotzdem verfolgt er seine Ziele konsequent: Zunächst einmal möchte er den Anschaffungspreis seiner kostspieligen Maschine wieder heraushaben. Außerdem will er mit seiner Dienstleistung in Vorarlberg bekannter werden. „Hierzulande ist die Nassstrahltechnik nahezu unbekannt“, beschreibt Winsauer das Ergebnis seiner Recherchen.

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Matthias Winsauer reinigt ein Bauteil mit der Nassstrahlmaschine.

Entdeckung im Urlaub

Kennengelernt hat er das Verfahren in einem Urlaub, den er mit seiner Frau in Deutschland verbracht hat. In Würzburg lernten die beiden durch Zufall einen älteren Herrn kennen, der ein “Aquablast”-Gerät besitzt und ihnen davon vorschwärmte. Winsauer war fasziniert und durfte den Apparat einen halben Tag lang ausprobieren. Das saß. Er erkundigte sich und stellte fest, dass das Verfahren aus England stammt und auch in den USA weit verbreitet, in seiner Umgebung aber kaum anzutreffen ist. Schon bald beschloss der Maschinenmechaniker, sich ein Gerät anzuschaffen. Er hat es noch keinen einzigen Tag bereut. Seine Frau lacht und sagt: „Damit wird ihm auch in der Pension nicht langweilig werden“, worauf der 46-jährige Winsauer entgegnet, dass seine Pension noch lange nicht winkt. Allerdings, die Idee ist da: Den “Aquablast” kann bedienen, wer zwei gesunde Hände hat und gerade stehen kann, sprich, es gibt keine Altersgrenze. Der jüngere Sohn der Familie ist bereits ebenso begeistert wie sein Vater, fährt probeweise in die Handschuhe, mit denen die Hände vor dem Wasserstrahl geschützt sind. 
Winsauer zeigt noch einmal den Vorher-Nachher-Effekt: links auf dem Motorteil Schmutz, der so alt ist, dass er sich ins Material hineingefressen zu haben scheint, rechts die gleichmäßig helle, weich-glatte Oberfläche. Kein Wunder, dass Matthias Winsauer und alle, denen er die Nassstrahltechnik präsentiert, begeistert sind.

Kontakt

Nassstrahltechnik

Matthias Winsauer

Bödelestr. 34d, Dornbirn

E-Mail: matthias@nst-w.at

Web: www.nst-w.at